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Donnerstag, 22. November 2012

Aus West/Ost Berliner Wohnzimmern...

Hier jetzt endlich mal ein kleiner Bildbericht vom Berlin-Wochenende der Popgruppe Superstolk, letztes Wochenende. Einmal West- einmal Ost-Berlin, wenn man so will!

Freitag, 16.11.2012 - West:
Superstolk live während der "Tritt Ein"- Aktionswoche in Berlin/Kreuzberg

Wurde ja hier schon ausgiebig angekündigt: Zweck unseres Auftrittes war es natürlich, unsere 4 Auftragskompositionen zum Thema Gentrifizierung an diesem Abend auch live darzubieten - nicht in irgendwelchen Kunst- oder Kultur-Kontexten, sondern da, wo die Thematik und die Betroffenen zu Hause sind: im natürlich gewachsenen städtischen Wohnraum von Berlin-Kreuzberg, direkt in einer alten, traditionsreichen Berliner Mietskaserne (zum Glück im 2. Stock und nicht höher!)...Genau dort!

"Grüß Gott, tritt ein, bring Glück herein" - die
vom Flyer bekannte Inschrift im Hauseingangs
unseres Auftrittsortes (Manteuffelstr. 70)
- ich denke, wir haben dem entsprochen!

Und auch eine weitere Kultur galt es hierbei zu pflegen: das klassische Berliner Wohnzimmerkonzert! Das soll ja auch jahrzehntealter Brauch sein in der Spreestadt. Und damit eine Erfahrung, die für manchen Musiker wahrscheinlich unerreichbarer ist als ein Auftritt bei Rock-am-Ring (dort dann aber natürlich schon nachmittags!). Die Popgruppe S. war dort - und das Publikum tobte. So gefällt uns das am besten, müsst ihr wissen!  


Die Popgruppe Superstolk mit 38317


Am Gastgeber-Schlagzeug:Dr. Matze Schmidt (38317)

"... wir machen Kunst und keinen Krach"
Typisches Berliner Wohnzimmer-Publikum (we love you!!)


Er versteht seine Katze, er versteht sie nicht...

An der Gastgeber-Harp: Dr. Matze Schmidt (38317)

Typisches Berliner Wohnzimmer-Publikum (we love you!!)

Der fuliminate (ja: fulminant!) elektronische
Gerätepark der Popgruppe Superstolk
Hier noch ein kleiner Ausschnitt vom Konzert: Superstolk bringen (nicht zuletzt ob vieler Ex-Offenbacher im Publikum) eine sentimentale Heimatmelodie:




Samstag, 17.11.2012 - Ost:
Superstolk's elektronische Liveimprovisation, live in Berlin/Prenzlauer Berg


Auch am nächsten Abend gab es ein kleines Wohnzimmerkonzert von der Popgruppe Superstolk, diesmal daheim bei unserem Gastgeber Prof. Hefinger im Wohnzimmer - direkt von unseren Schlafmatratzen. Dieses Konzert unterschied sich auch deshalb sehr vom vorherigen, weil wir diesmal ausschliesslich elektronisch (no guitar, no popsongs) spielten und uns völlig dem steten Fluss der freien Improvisation hingaben. Das passte gut in die kleine illustre Runde von mehr (oder weniger) unterhaltsamen Gästen, die dabei prima über ihre Weltbilder diskutieren konnten, ohne ständig CDs oder mp3s wechseln zu müssen, weil the music played on and on and on.

Letztendlich haben wir dabei eine 7-Stündige Session mit einem Haufen interessanter minimal-elektronischer Tracks eingespielt (ja, natürlich wurde alles mitgeschnitten!). So gut war es, dass wir bereits ernsthaft darüber nachdenken, eine 'best of' dieses Abends zusammenzustellen. Für das komplett andere Superstolk-Erlebniss, sozusagen. 


Elektronisches Superstolk Konzert - direkt von der Schlafmatratze!

Netzgeräte und Publikum!

Masters of Matratzen Minimal!


Prof. Hefingers Wohnzimmer

"Wie man sich bettet, so spielt man"

"Wo man elektronisch improvisiert, da lass dich ruhig
nieder, böse Menschen haben keine (guten) Lieder.
"

Hier auch von dieser Session ein kleiner Ausschnitt: "Die Prenzlauer Katz'" ist ein recht zerfledderter Breakbeat-Track im typischen "Es-ist-bereits-halb-fünf-aber-wir-spielen-trotzdem-weiter"-Style - inkl.Samples aus einem wohlbekannten Katzen-Song der Popgruppe S. :




Damit hier wenigstens ein Foto wirklich nach Berlin aussieht:
Blick aus Prof. Hefingers Atelier (wo wir aber NICHT gespielt haben)

Weitere Bilder möglicherweise bald an dieser Stelle, bisher waren dies nur Fotos von mir und Frank Bubenzer, es wurden aber noch viele weiteren gemacht, mal sehen, was noch kommt!

Montag, 12. November 2012

Neuerdings ist Kunst eine eigene Meinung!

Rhythmanalysis? Rhythmsynthesis!
Die neuen SUPERSTOLK-SONGS jetzt!

Für die "Tritt ein - Situation einer Im-Mobilie" Aktionswoche in Berlin-Kreuzberg haben wir eine Split EP zusammen mit 38317 eingespielt! Die 5 neuen Superstolk-Songs (4 Eigenkompositionen und ein 38317-Remix) könnt ihr euch jetzt auf unserer Soundcloud endlich auch online anhören (- und nach Herzenslust downloaden!!).
"Etwa eine Woche lang in der Manteuffelstr. 70 sich zeigen, zeigen lassen und selbst beibringen, wie das funktioniert, mit dem Bauen, Kaufen, Verdrängen, dem Widerstand, der Logik des Kapitals."

"Superstolk aus OF und 38317 aus B auch haben Stücke improvisiert und hergestellt. Verhandelt werden schräge und halbgesprengte Einzieher, Perspektivenwechsel vom aufgeklärten Bürger zum Verdrängten, Schichtenzugehörigkeiten, die Gated Com(?)munity oder die Sattheit alter Berufskosmopolitoffziere und ihre neuen Utopien."
Am kommenden Freitag, den 16.11.2012 werden SUPERSTOLK die Songs in der Manteuffelstr. 70 in Kreuzberg live präsentieren - wer dann grad in der Hauptstatdt ist, darf gerne zuschauen, der Eintritt ist frei und wir freuen uns sehr! 
Alle weiterführenden Infos (sowie den download des kompletten Albums) gibt es hier! 
Es gibt zwei Flyer: Der 1. sagt ("Grüß Gott) tritt ein (bring Glück herein")




...und der 2. sagt "Go home and love your own city"
 

Freitag, 21. September 2012

Wenn du mal nach Kassel kommst, dann tu als ob das Kunst wär!






Superstolk - Kassel E.P.
(unpop 011, 2012, Free Internet E.P.)



Download kostenlos hier: die brandneue Superstolk E.P.!

Im August 2012 wurde die Popgruppe Superstolk eingeladen, während der dOCUMENTA (13) ein Konzert im POT - dem Projektraum des >top e.V. in Kassel - zu geben. Anlässlich dieses Termins spielten Superstolk größtenteils experimentelles Material - wie etwa ihren Free Jazz Titel "Haar" (von der Bonus CD ihres aktuellen Albums "Ohne Finanzen Keine Krise") oder Krautrockimprovisationen wie den "Kunstabzugshaube"-Jam (gemeinsam mit Gastgeber Matze Schmidt an der Gitarre - faktisch also in der Besetzung des mysteriösen "Kauke Ritterschmidt" Trios). 




Am darauf folgenden Tag spielten Superstolk eine elektronische Open Air Performances mit batteriebetriebenen Verstärkern auf einer hübschen Parkbank, im "documenta Park" des Kassler Staatsparks Karlsaue. Diese Performance wurde - als Hommage an die Geschichte des Rock'n'Rolls so far - mit der Zerstörung des eigenen Equipments á la The Who beendet.



Lustiges Foto-Booklet, Seite 1+2


Das mitgeschnittene Live-Material wurde - (teils unter Verwendung weiterer field recordings und samples) im September 2012 von Superstolk ge-remixt und collagiert, teilweise von Michael Laven glanzvoll gemastert und schließlich als kostenloser internetdownload euren Ohren vorgeworfen:



Lustiges Foto-Booklet, Seite 3+4


Superstolk, Kassel E.P.

1. Kassel live (Herrjoergritter-Remix)
2. Haar (live im POT)
3. Jam (Kunstabzugshaube) (live im POT, featuring Matze Schmidt on guitar)
4. Kassel Collage (live im POT & im Staatspark Karlsaue)

 

„Live recordings, remixes & cut-ups from the documenta (13) concerts & performances“
Live aufgenommen während der dOCUMENTA(13) in Kassel. Am 12.8.2012 im POT/ Kassel und am 13.8.2012 im Staatspark Karlsaue. Remix im September 2012 in Offenbach, Mastering Track 1 + 4: Michael Laven. Fotos: Matze Schmidt, Jörg Ritter, Jens Rosenfeld, Torstn Kauke. 
(c) 2012 unpop-media.    unpop 011.


Download For Free: Hier!

Oder: Die komplette KASSEL E.P. bei bandcamp anhören



 In august 2012, Superstolk was invited to play a concert in Kassel at the POT - the project space of the > top e.V. during the documenta (13) - the international exhibition of modern and contemporary art taking place every five years in Kassel/Germany. For this date Superstolk played largely experimental material - such as their free jazz piece entitled "Haar" ("hair" - from the bonus disc of their current album "Ohne Finanzen Keine Krise") or Krautrock improvisations as the "Kunstabzugshaube"-Jam" ("art hood jam" - along with host Matze Schmidt on guitar - which in fact is the cast of the mysterious "Kauke Ritterschmidt"Trio). The next day, Superstolk played an electronic open air performance with battery-powered amplifiers on a nice park bench in the "documenta Park" Karlsaue. This performance was - as a tribute to the history of rock'n'roll so far - ended with the destruction of our own equipment a la The Who. The recorded live material (partly using other field recordings and samples) was remixed by Superstolk in September 2012 and partially mastered by Michael Laven. 
Finally you can find it here for your download pleasure: Superstolk - Kassel E.P.    Or you can listen to the tracks at bandcamp!

Mittwoch, 12. September 2012

Die nicht erwartete Rückkehr des Kauke Ritterschmidt Trios



Das Kauke Ritterschmidt Trio - das geheimnisvollste Trio der Welt! - hatte am Freitag, den 7.9. 2012 einen geheimen, nicht angekündigten Live-Auftritt im Waggon Offenbach (mal im Ernst: wo auch sonst??). Nach einem Indie-Sänger bzw. einer Rock'n'Roll Band war der Sound der seltsam-mittelalten Herren etwas, womit niemand gerechnet hätte. Nicht einmal das Kauke-Ritterschmidt Trio... Einen eindrucksvollen Ausschnitt aus der improvisierte elektronischen Noise-Liveperformance des Kauke-Ritterschmidt Trios kann man nun hier anhören. Weitere Fragen bleiben dann ja eh nicht übrig. Wir wünschen Vergnügen und davon möglichst viel...






Dienstag, 14. Juni 2011

Gespräche über Magnettonbänder mit Schmidt

Mit Dr. Matze Schmidt - Kopf der Berliner Elektroprotest-Punkband 38317 - mache ich bereits seit über 20 Jahren hin und wieder Musik. Ende Mai 2011 war er ein paar Tage in Offenbach, um am BENDED REALITIES FESTIVAL im Waggon am Kulturgleis teilzunehmen.
Eine gute Gelegenheit für mich, ihn endlich mal nach den vier Audiokassetten zu fragen, die sich teilweise schon seit 20 Jahren in meiner Sammlung befinden, zu denen mir aber jede weiterführende Information fehlte.



Dr. Matze Schmidt mit modischem Hut (1)

Das "Blind Date" in dem ich ihn mit den Aufnahmen seiner alten Kassetten konfrontierte, wurde schließlich zu einer sehr angenehmen Plauderei über die eigene Biografie mit musikalischen Anekdötchen... Anstatt es also zu komprimieren und in einen eher langweiligen Infotext zu formen, hab ich mich dazu entschlossen, es deshalb hier mehr oder weniger vollständig abzu"drucken". Labertaschen unite!
(T. = Torstn Kauke, M. = Matze Schmidt)


Erstes Tape:
"Matthias Schwarze" (C-12, 1990, kein Label)




T. - Hier ist das älteste Tape, das ich von dir habe, damals nanntest du dich noch Matthias Schwarze. Erinnerst du dich noch, wie diese Aufnahmen entstanden sind?
M. - Ja, das weiss ich noch genau....Meine Eltern sind umgezogen in ein Haus und das stand leer noch, da standen die Möbel noch nicht drin, da gab es einen geilen Parkettboden und da hab ich die Aufnahme gemacht...
T. - Im leeren Parkett-Wohnzimmer
M. Ja, so depri...Das waren dann so Aufnahmen, die ich mit Kassette gemacht habe und dieser leichte Hall kam dann eben von dem leeren Raum... Rumgeschreie, ne, so Urschreie eben...
T. - Aber irgendwie sind die noch so komisch gefiltert, was hast du da gemacht??
M. - Da hab ich die Kassetten zerknittert...
T. - Echt?
M. - Ja, und dann nochmal aufgenommen und nochmal zerknittert - ich glaube, es gab ein bis zwei Arbeitsschritte mit Zerknitterei... Also, das Mastertape war dann zerknittert in zwei Zerknitterstufen: einmal zerknittern, überspielen, dann nochmal zerknittern, aufnehmen...so ungefähr...
T. - Aha...! Das hatte mich die ganze Zeit interessiert, wie du diesen Effekt auf der Stimme gemacht hast, heute würde man da 30 verschiedene digitale plugins hintereinander schalten, damit es irgendwie zerknittert klingt...
Wann war das? 1990, oder sogar noch früher?
M. - Ja, das war noch während meiner Zivizeit,da kannten wir uns glaube ich sogar schon...
T. - ...Na klar, sonst hätte ich das tape doch garnicht!
M. - Ach ja natürlich...Also so 1990... Und da ging es wirklich so darum, die ganze Scheiße irgendwie rauszulassen, das war auch sehr stark expressionistisch, emotional und leck-mich-am-Arsch...
T. - Zweifelsohne!!
M .- Und es sollte kein Song sein, sondern einfach nur Uääähhhrghhh...
T. - Isses ja auch geworden....
M. - Das war natürlich auch in der Zeit, als ich im Plattenladen "Metal Machine Music" von Lou Reed entdeckt hatte...Und ich hab viel Stockhausenzeugs in der Zeit gehört und obskure Tapes...
T. - Ja, die "Metal Machine Music"...die hast du mir damals auch aufgenommen, als ich mit meinem Bruder mal zu Besuch war... - als wir in dem Proberaum deiner damaligen Bluesband so Stücke wie "Wenn Du Mal Nach Kassel Kommst" und den ganzen Kram aufgenommen haben...- an diesem Wochenende hast du mir die "Metal Machine Music" aufgenommen - seitdem geistert die auch in meinem Kopf rum!
M. - Der Ulrich -...ich glaube, der heisst Ulrich Krieger, der hat ja eine Partitur aus diesem Metal Machine Music gemacht...für diese Zeitkratzer...
T. - Ach ja, die sind damit ja schon zusammen mit Lou Reed aufgetreten...
M. - Jaja, genau!

Download "Matthias Schwarze"

(Anmerkung: Seite A diese tapes ist nur auf dem linken, Seite B nur auf dem rechten Kanal bespielt. Nur so zum Spass habe ich uns allen zusätzlich noch einen Stereo-Remix gebastelt, auf dem beide Kanäle gleichzeitig zu hören sind.)



Zweites Tape:
Die drei ??? - Demotape (C-15, 1992, kein Label)




M. - Was ist das jetzt??
T. - Das sind die 3 Fragezeichen...
M. - Ach ja, "Das Urteil"
T. - Vorallem erstmal "Saugnäpfe", das fand ich immer schon besonders geil...
M. - Da singt der Markus...
(Wir hören eine Weile dem Song mit seinem ewigen Refrain "Saugnäpfe, Saugnäpfe" zu)

M. - Der Markus ist jetzt Sozialarbeiter...Diplomsozialmensch...spezialisiert auf Typen mit Agressionen, glaube ich...Also, Anti-Agressionstraining macht der.
T. - Der spielt hier Gitarre und singt...Und du singst "Saugnäpfe" und spielst die Blockflöte ? Aber ihr ward doch schon drei, oder?
M. - Wir waren drei? Wie hieß denn der Dritte? ...
(denkt nach, ihm fällts aber nicht ein)

Scheisse... Ich weiss nur noch, der war damals Bäcker...Hatte auch schon ein Kind... Ich glaube, Markus spielt Gitarre und der Bäcker - wie heisst der denn nur- der spielt Blockflöte und ich mache diesen Saugnäpfffffffffe-Kram...
T. - Damit seid ihr damals auch aufgetreten, oder?
M. - Es gibt ein Video davon, ganz aufwändig, mit drei Kameras...
T. - Stimmt, das hab ich damals auch mal gesehen... Aber ihr seid mit dieser Musik nie aufgetreten, oder?
M. - Doch, wir haben mal einen Gig in ner Kneipe gemacht, in Kassel, die so 'ne Art Blueskneipe werden wollte
T. - Und nachdem ihr da gespielt hattet, konnten die das nicht mehr, hahaha...
M. - Tatsächlich war es dann auch so, die haben da dann bald dicht gemacht.
Da haben wir also einfach behauptet, also so getan, als könnten wir Blues spielen... Das war ein fulminater Auftritt, das war gut...

(Zweiter Song "Das Urteil")

M. - Ah, "Das Urteil", das hat mir immer gut gefallen...Unser Punkstück!
T. - Mit dir am Schlagzeug
M. - Ich am Schlagzeug, ich mach aber nur so duff-duff-duff... und da singt der Bäcker. Sehr geil! Die Idee war, sowas zu machen wie Trio, nur härter. Was einfaches - aber hart.
Das war unser geilstes Stück...
Ich lebte damals hinter einem Baumarkt, in so einem ehemaligen Bürogebäude, in Kassel in der Leipziger Straße, und hatte da einen Raum, der nur Proberaum war, direkt neben meinem Zimmer. Ich musste als nur die Tür aufmachen und schon war ich im Proberaum, das war ein genialer Zustand.
Aber es war auch Terror, denn morgens hört ich immer den Gabelstapler fahren, direkt neben meinem Bett sozusagen... Das ging irgendwann nicht mehr... Dort haben wir diese Songs geprobt und gespielt und auch aufgenommen.

Und einmal sind wir abends nen Döner essen gegangen und sassen dann draussen so rum, irgendwann ging da die Alarmanlage an und wir haben noch so gewitzelt "Höhö, gleich kommen die Bullen, was ist denn da drüben los??" Dann sind wir zurückgegangen und wollten unsere Sachen noch zusammenpacken, unsere Autos standen da noch rum, wir hatten damals alle Autos. Plötzlich Reifengequietsche und drei, vier Polizeiautos um uns rum..."Was machen Sie hier?" Ich sag, ich wohne hier und die "Na klar, Sie wohnen hier...". Dann ging ich rein um meinen Personalausweis zu holen. Und als ich aus dem hell erleuchteten Raum wieder in die Dunkelheit rauskomme, sehe ich erstmal nichts, reiche denen meinen Perso, reisse die Augen auf...- und gucke direkt so in die Wumme rein. Und der Bulle: "Jetzt halten Sie mal bitte n bisschen Abstand, ja?". Da dachten die halt, wir hätten da eingebrochen...das war so eine der geilsten Geschichten mit den drei Fragezeichen....War ne lustige Band, aber wir sind nie soweit gekommen, die Ansprüche waren zu unterschiedlich...
T. - Und wann war das gewesen??
M. - So um 1992 herum...
T. - Ich erinner mich, das war so um die Zeit, als wir unseren KIX-Verlag gegründet hatten und uns gesagt hatten, das wir jetzt ne Firma namens "KIX multimedia" sind, da lag das Video nämlich eines Tages in der Geschäftspost...
M. - Das letzte Stück "Okay" sollte auch so ein Minimalstück werden mit kürzestem Text, nur "Super", "Geil" "Klasse"...Ich habe Gitarre gespielt und der Beat kam von einem Yamaha Keyboard und einer klopft drauf rum und wählt möglichst viele Sounds nacheinander an und spielt. Ich glaube, wir haben damals gar keine Vierspur Aufnahmen gemacht sondern alles gleichzeitig aufgenommen, ohne Overdubs.
T. - Mehr Gigs ausser dem in der Blueskneipe habt ihr aber nicht gemacht??
M. - Wir hatten noch einen in einem ehemaligen Loch - das hieß auch Loch - und dann noch so ein paar private Auftritte, aber mehr nie...das ging dann ziemlich schnell ein.
Das lief dann mit nem anderen Kompagnon unter dem Namen "Drei Fragezeichen" nochmal weiter, da gings dann mehr so Richtung Kunstmucke. Das war die Zeit, als plötzlich viele Leute drauf gekommen waren, mit CDs was zu machen. Und der Thomas hatte einfach entdeckt, dass es so einen Klackersound gibt, wenn man die CD schnell vorspult... Da entdeckten wir auch Oval und dachten uns, ah ja klar, die machen im Prinzip auch nichts anderes...Ich hab dann so Gitarrengewummer gemacht und er so klickklichklickklickklickklick dazu... Da haben wir dann auf einer Ausstellung "Bilder einer Ausstellung" neu vertont
T. - Mit einer Mussorgsky-CD vermute ich??
M. - Natürlich - klickklichklickklickklickklick! Und da hießen wir dann auch die drei Fragezeichen, obwohl wir nur zu zweit waren. Da gibt's auch Aufnahmen davon.

Download: Die drei ??? "Demo"


Drittes Tape:
Copyright - "Dermic" - Unikat (C-60, 1997, NoGround)





M. - Ohhh - ich weiss noch nicht mal mehr, wieso das "Dermic" heisst...
Das war 1997, da hatte ich mein Studium fast beendet und da war Achim Wollscheid in Kassel auf 'nem Kongress, den hatte ich eingeladen aus Frankfurt. Ich interesierte mich für so repetative und auch automatisierte Geschichten. Und der Achim Wollscheid hat damals was sehr geiles gezeigt. Ich weiss nicht mehr genau, wie das aufgebaut war, so eine Mischung zwischen analog und digital. Er hielt da einen Vortrag, sprach ins Mikro und dieses Signal durchlief verschiedene Filtersysteme und wurde wieder ausgespuckt, als Noise, als Klackerdiklacker-Geschwurbel...
Aber man konnte die ganze Zeit auch gucken, welches Gerät macht was, das war alles auf einem Tisch aufgebaut. Und er hatte auch so kleine Geräte gebaut, die nach random-Prinzip, softwaregesteuert mechanische Schläge austeilten, z.B auf Glas. Das hatte mich damals stark beeindruckt.LinkT. - Wie hast du aber diese Tape gemacht??
M. - Ich glaube, das ist ne CD, die hängt. Oder, nein - ich hatte damals einen CD-Recorder, da konnte man ganz kurze Stücke mit sampeln, also in dem Sinne, dass man sie immer wiederholen lassen konnte, kleine Loops. Das hab ich gemacht und dazu noch diese Fläche mit einem Synthie gespielt... Das ist also eine Vierspur Aufnahme.
Und dann hab ich diese Kassette dem Achim Wollscheid damals auch noch geschickt und der nur so "Jajaja, schön, gut gemacht!". Das war ne sehr inspirierende Zeit, ein Jahr später hatten wir dann z.B. Asmus Tietchens und Monolake nach Kassel eingeladen, die haben alle performed bei uns in so nem Laden, den wir angemietet hatten. Das war eine richtig gute Zeit, um diese ganzen Sachen alle noch mal zu durchdenken...
T. - Ich erinnere mich gut, dass dieses Tape häufig bei uns in Offenbach in der Hochschule für Gestaltung in der Cafeteria lief. Wenn mein Bruder und ich da einmal in der Woche arbeiteten, lief da ausschließlich elektronische Musik von uns und von Freunden und Bekannten.
M. - Das ist ja geil, das war dann so richtig euer Club, oder wie ?
T. - Ja, wir haben die eigentliche Arbeit in der Cafeteria auch immer eher als lästige Nebensache wahrgenommen, damit wir da unser Zeug spielen konnten, Und das war auch immer ein guter Anlass, mehr Musik zu produzieren, weil man da ein Publikum hatte und gucken konnte, wie die so reagieren...
M. - Und wie fanden die Leute das?
T. - Ja, das kam meistens gut an, viele hatten das garnicht als "selbstgemacht" wahrgenommen, die haben wahrscheinlich gedacht, wir haben die geilen Scheiben von noch unbekannten Technogrößen....
M. - Ich erinnere mich, es gab da in Kassel ein kleines Antiquariat, in dem ich immer eingekauft habe, und da hab ich dem mal ein paar selbstgebrannte CDs in nem kleinen Schuber gegeben, "Kannste die vielleicht verkaufen? Hör doch mal rein!". Und da kam ich am nächsten Tag wieder und der Typ nur "Unhörbar, kann ich nicht verkaufen...".
Und dann hab ich damals auch aufgelegt, im "Haus" in Kassel, und da auch hin und wieder eigenes Zeug gespielt, und ich weiss noch, eine Situation, da gabs ne Diskussion und einer sagte "mach doch mal Musik". Und da sagte ein anderer "Ja aber der Matze legt doch grade auf".. "Aber welche Musik denn?" Denn das waren nur so leise Töne und Blub-blub-Geräusche...

T. - Also, ich mag diese Kassette sehr, das fließt so schön vor sich hin und geht eine Stunde so durch...Und wegen des Titels "Unikat" hatte ich mir überlegt, ob du das alles in einer mehrstündigen Session live auf tape gespielt hast, jedes tape also einen individuellen Teil aus der kompletten Session enthielt...

M. - Ja, klar, das ist alles live eingespielt worden - aber ich hatte nicht das Konzept, dass jede einzelne Kassette für sich live aufgenommen wurde.
T. - Was ist denn hier jetzt eigentlich der Projektname und was der Titel des Tapes??
M. - "Copyright" war das Projekt und "Dermic" sollte wohl das Stück heissen...aber warum weiss ich nicht mehr...hört sich n bisschen an wie "Gedärme"...
T. - Oder wie "Der Mikrofon"
M. - Wahrscheinlich sollte nur etwas mit "mic" drin sein und ein "R" sollte auch drin sein... Wahrscheinlich irgendein Anagram von irgendwas, was ich schon wieder vergessen habe... Und NoGround sollte ein Label werden und die Idee war wirklich, Leute mit Kassettenaufnahmen zu featuren...
T. - Ja, mein Stück "Balkon Electrique" ist da doch damals auch erschienen...Mit deinem gesprochenen Stück auf der B-Seite...
M. - Damals kam von Microstoria diese Scheibe raus mit den Balkonen auf dem Cover (Init Ding) - und das passte oberflächlich gesehen genau zu deinem Stück, obwohl denen ging es ja eher um die repetative Wiederholung eines Musters und um industrielle Architektur - aber es war genau der Hinweis zwischen innen und aussen, zwischen Innenraum und Aussenraum... Das war einfach so simpel, das kam genau richtig, kam genau richtig... Das war privat und war doch nicht privat....in diesen Schluchten in Offenbach...

Download: Copyright "Dermic" Unikat


Viertes tape:
"berro COM" & "2I-I" (tracks, 1997)




T. - Dieses tape hier - du hast selber vorgestern gesagt, du könntest dich überhaupt nicht mehr daran erinnern??
M. - Nee...
T. - Ich weiss, dass das 2 Stücke waren, die du speziell für meine tape-Compilation Reihe "elektr Hund" aufgenommen hast (vergl hier und hier) - und ich weiss noch, dass du drauf bestanden hast, dass die Typo genauso geschrieben werden musste, wie du sie vorgegeben hattest und ich dann verzweifelt in den Sonderzeichen nach irgendetwas suchte, um einen sekrechten Strich zu erzeugen...Das ist die selbe Zeit, auch 1997...
M. - Die Klackersounds hab ich mit einem Synth erzeugt und das andere ist pitching - es läuft da was von Kassette und ich pitch da rum...mit der Geschwindigkeitsregulierung... Das war ein Yamaha Viersprurrecorder, den ich damals hatte...Also, da erinner ich mich nur noch ganz dunkel dran, ich würde das Stück nicht als eines von mir identifizieren, wenn ichs jetzt irgendwo hören würde...
Das war ne sehr autistische Phase bei mir... Ich hab mit ganz vielen Leuten was gemacht, so Projektchen, ganz viel Action, Action, Action - und dazwischen dann wieder ein, zwei Tage, wo ich nur zu Hause so Sachen aufgenommen habe...
Ich hab damals immer so Keyboards und so'n Kram gekauft und musste das immer vor meiner Freundin verstecken, damit die nicht mitkriegt, dass ich schon wieder Geld ausgegeben hatte für irgendwas, was ich mir nicht hätte leisten dürfen...
T. - Oh ja, das kommt mir auch noch sehr vertraut vor...
Beim nächsten Stück - da konnte ich mich auch nicht mehr dran erinnern - hast du Stücke von mir und meinem Bruder reingemischt, das ist also quasi ein Remix von den Stücken, die auf dem ersten Elektr. Hund Compilation Tape vertreten waren als Stück für das zweite Elektr. Hund Compilation Tape... aber da weisst du wohl auch nichts mehr davon??
M. Nee, da weiss ich nix mehr von...

Download: Matze Schmidt "berro com" & "2I-I"



Dr. Matze Schmidt mit modischem Hut (2)

This is an interview with Dr. Matze Schmidt, because i do since more than 20 years musical stuff with him (from time to time) and when he was here last may i took the oportunity to ask him about four tapes i got from him but had no informations about them anymore. Very intelectual and experimental electronic art stuff that you are only allowed to download, if you can read the full interview in german without googling for words you don't know. Otherwise don't touch or your head will explode (or implode, depending on what's inside).

Mittwoch, 2. Juni 2010

3. JUNI: 38317 & Kauke-Ritterschmidt-Trio live

kasslerschule
Die Kasseler Schule kommt auf "Never Starting Tour" in den Waggon.
Obwohl der offizielle Bandname 38317 keine ist, jedenfalls keine PLZ
in Europa, aber in Tennessee. Die Zahl ist bloß das altbekannte
romantische Spiel mit dem Taschenrechner, tipp ein und dreh um.
Man diskutiert Noise als Verweigerungsklang anti-revolutionärer Revolutionäre, lässt das Drumpad ein bisschen posen und rekonstruiert "Re-Jam-Sessions". Mit Stücken wie "Best of... Music Browser", das am Barcodescanner im Plattenladen entstand oder "Boom Crash Bang", einer Übersetzung des Krisenzyklus von Rezession Belebung Prosperität Boom Krach undsoweiter in nicht-avantgardistisches auditives Material. Frau beachte bitte den Puma von Krauss-Maffei in aktuellem Camouflage.
www.38317.tkDanach gibt es absurden Un-Jazz mit dem Kauke-Ritterschmidt-Trio (aus Berlin-Offenbach... - Offenbach ist bekanntlich der am weitesten ausserhalb liegende Stadtteil Berlins!), bestehend aus Mitgliedern der Bands 7000 Arschgeigen, 38317 und Superstolk. Wir sehn euch dort!

(Waggon Offenbach, Do, 3.6.2010, Beginn 21:00 Uhr, Eintritt frei!)

Nachtrag 12.06:
Ausschnitte aus dem Konzert anhören auf dem Waggonblog

Donnerstag, 5. Juni 2008

John Cage hatte wieder mal recht...

Looplab / Matze Schmidt "Balkon Elektrique / Electrischer Balcon" (1997, C-60 N0Ground/schweinehundtapes)

"Balkon Elektrique" ist ein 30 minütiges Ambient-Stück meines elektroakustischen Projektes Looplab.
Es ist eine Collage aus Sounds und Geräuschen, die direkt vom Balkon meiner damaligen Wohnung im 13. Stock eines Offenbacher Hochhauses aufgenommen wurden, während ich drinnen im Heimstudio live ein Stück mit Midi-Instrumenten (und Samples hängengebliebener Debussy-CDs) improvisierte. Das fröhliche Kindergeschrei stammt vom Kinderspielplatz, der sich 13 Stockwerke unter dem Balkon befand. Die 5 Hochhäuser, die ihn einkreisen, wirkten dabei wie ein überdimensionales, natürliches Hallgerät. No Delay was used!

1997 wurde "Balkon Elektrique" zusammen mit dem Sprechtext "Electrischer Balcon" von Matze Schmidt in einer seeehr limitierten Auflage auf Schmidt's damaligen N0Ground-Label (noch in Kassel) veröffentlicht. Dieses - vom Autor selbst gelesene - Essay formuliert viel zu gut, worum es eigentlich ging, als daß ich's jetzt nochmal neu verfassen wollte. Ich zitiere deshalb mal zwei Absätze lang Herrn Schmidt:

" Ein Elektrischer Balkon ist das Pendant zu Club und Disco, aber, und das ist der entscheidende Unterschied, er ist immateriell, potentiell nomadisch (...). Vom Wohnungsinneren der geschachtelten Räumlichkeiten betritt man den offenen Vorbau, der aus dem Stockwerk der großen Schachtel (Gebäude, Mietshaus) herausragt und über der Straße hängt. Quasi eine Schnittstelle der sog. Privatsphäre zum sog. Öffentlichen Raum, ein begehbares "Fenster zur Welt", ein halböffentlicher Raum, aus dem man sich wieder in die 4-Wände zurückbewegt. Das Heimstudio befindet sich in der Nähe der Elektrik, die Beschallung von außen wird gemein als Lärmpegel aufgefaßt, das Drinnen des privaten Musikspiels ist die Abgrenzung zum Außermusikalischen, die Beschallung innen ermöglicht die Selektion von Musikalischer Erfahrung, "um sich" mit Monitorboxen oder Kopfhörern "gegen den Ansturm der Töne und Geräusche des täglichen Lebens zu schützen" (John Cage in Dibelius 211). Die berühmte Cagesche Anekdote von den New Yorker Straßengeräuschen, die er, ohne dabei zusätzlich noch durchstrukturierte (determinierte) Musik aus der Konserve abrufen zu müssen, im soundsovielten oberen Stockwerk als ästhetisch Tönendes, eben als potentielle Musik, bewertet (totale Indetermination), übernimmt die Patenschaft für die Entscheidung, eine "atmoaufnahme von unsrem balkon auf den 13 stöcke tieferliegenden spielplatz inklussive flug- & straßenlärm" (Torsten Kauke von LOOPLAB) zu verwenden. Heim und Musik - Außen und Lärm.

Zunächst handelt es sich um die Bearbeitung von 'synthetischen' und 'realen' Klängen. (...) Determinierung von Außermusikalischem zu Musik, parallelisiert mit innermusikalischer Musik. Beide gemeinhin als getrennt aufgefaßte Klanguniversen ziehen eine Linie der Produktivität: Sounds herstellen, ordnen, verwandeln, synchronisieren. Auch die konkreten Klänge mußten qua Bandaufzeichung erst hergestellt werden, konkrete Klänge bestehen demnach aus Selektion, der Ausrichtung und der Frequenzleistung des Mikrophons, der Länge der Aufnahme, der Wahl der Location usw. Konkret ist die Aufnahme, der Take. Das Außermusikalische definiert das Musikalische und umgekehrt. (...) Komponieren hieße also nicht projektiver Zusammenbau, sondern abgespeichertes Modellieren." (aus: Matze Schmidt " Electrischer Balcon", 1997)

Download : "Balkon Elektrique / Electrischer Balcon":
Mediafire

Balkon Elektrique - Der Film:

Im Juni 1997 wurde die Kassette während der "documenta X"-Betriebsamkeit in Kassel präsentiert. Zwar nicht direkt von Matze Schmidt's Balkon herab, wie ursprünglich angedacht, sondern in einer Kasseler S-Bahn Unterführung, mit aufgestelltem Kassettenrekorder (aber ohne Hut) - aber Hauptsache gemacht, nicht wahr? Ich habe die Aktion damals gefilmt, aber - bis heute - nie etwas mit dem Material gemacht. Anlässlich dieses posts (und weil die Szenen in 11 Jahren ja nicht aktueller aber - wie wir - immer älter werden) gibt es endlich auch diese frisch fertig geschnittene Dokumentation zum Thema zu gucken:

"Balkon Elektrique 1997" - Dokumentation von T. Kauke



Wegen des Films gibt's hier mal keinen Extra-Audioplayer, wer nur die Musik hörn will, scrollt das youtube-Fenster einfach weg, so einfach kann das Leben sein!

Mittwoch, 18. Juli 2007

"Gib mir Tee und bringe mir Zeitungen, aber ältere -...etwa 5 Tage alt"



The Private Urknall : "The Private Urknall"
(c-15, 1990, schweinehundtapes /sht 007)

Dieser und der nächste post befassen sich mit dem Mann, der mich mit der Musik von Syd Barret bekannt machte! Das klingt irgendwie schön popliterarisch, und ist auch noch wahr...

Matze Schmidt kenne ich seit 19 Jahren, wir lernten uns quasi beim Bund kennen, nämlich 1988 auf einem Zivildienstlehrgang bei Kassel. Außer uns waren alle anderen Zivis ausgemachte Idioten! Wir gründeten innerhalb dieses dreiwöchigen Lehrgangs sofort eine Band ("The Original Niedensteiners"), die ihren ersten und einzigen Auftritt zur Abschlussveranstaltung hatte und unterwanderten den politischen Bildungauftrag dieser Veranstaltungen mit allen subversiven Mitteln, die uns einfielen (Flugzettel, Zeitungen, Schmierereien, Alkoholmissbrauch). Jaja, es war fast wie in der Schlußszene von "Cassablanca", was die langwährende Freundschaft betrifft! Seitdem kommt es alle paar Jahre wieder zu kleinen musikalischen Zusammenarbeiten höchst erfrischender Natur (also stets völlig anders, als vorher erwartet).

The Private Urknall war eines der allerersten gemeinsamen Projekte. Die Aufnahmen auf dieser Kassette entstanden 1989 in unserem Proberaum in Erlensee. Matze Schmidt (der sich damals noch "Schwarze" nannte, um gleich mal Missverständnissen vorzubeugen) kam auf ein Wochenende zu Besuch und wir - d.h. er, mein Bruder Raul und ich - improvisierten 2 Tage einfach drauflos. Direct-to-tragbarer-Kassetten-Recorder. Das war eines der ersten Male, daß ich erleben durfte, wie ideenreich und unerwartet völlig improvisierte Musik sein kann, also nicht nur nerviges Rumgeduddel sondern ein sich ständig neu inspirierender Strom von consciousness.
Der Name "Private Urknall" ist also tatsächlich sehr privat zu verstehen: damals hatte es "bumm" in unseren Köpfen gemacht. Musikalisch handelt es sich hier natürlich trotzdem größtenteils um rohen Punkrock (streckenweise gespickt mit den ersten Dub-Effekten, die ich in meinem Produzentenleben versucht habe), der mich heute in seinen besten Momenten an Einstürzende Neubauten und EA 80 erinnert (keine falsche Bescheidenheit hier, bitteschön). Und noch einen weiteren privaten Aspekt fällt mir ein: Fast alle Texte, die auf dieser Kassette gesungen wurde, stammten aus meinen alten Schulunterlagen, die uns zwei Jahre nach dem Abitur nochmal prima als Text-Quelle dienten (Bio, Deutsch und Englisch). Und hey - hier ist sogar eine Rolling Stones- und eine Hans Albers-Coverversion drauf ! Was will du denn noch mehr ?

Sauge's hier.



The Private Urknall - Welt der Mücken