Posts mit dem Label experimental tape werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label experimental tape werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Samstag, 11. Juli 2026

LOOPLABS (beinahe) vergessenes Audioarchiv

 

Looplab: Die Experimental-Tapes Volume 1 (1995-96)

 


Hier kommt eine Compilation nie zuvor veröffentlichter Kassettenaufnahmen aus meinem Archiv, mit einigen der experimentellsten elektronischen und elektroakustischen Tracks, die ich jemals aufgenommen habe.

All diese Stücke entstanden Mitte der 1990-er Jahre. Musikalische war dies eine Zeit des Umbruchs für mich, in der die bisher verfolgten Punk- und Postpunk-Einflüsse nach und nach der Neugierde auf elektronische und experimentellere Musikstilen wichen. Es war die Zeit, als der Hype um Techno in Deutschland erstmals die breitere Öffentlichkeit erreichte und auch meinen Blick auf andere musikalische Strömungen ausrichtete - eine Zeit, in der ich anfing, die legedären Krautrockbands wie Faust, Can und Kraftwerk zu entdecken und zu erforschen (aber auch Progressive Rock von Bands wie King Crimson oder auch Gong) und in das Werk von Komponisten wie Karlheinz Stockhausen, György Ligeti - vor allem aber John Cage - eintauchte...

In dieser Zeit entstanden die ersten verspielten Demoaufnahmen für zwei meiner musikalischen Projekte, die mich für den Rest des Jahrtausends beschäftigten sollten - einerseits SUPERSTOLK 2000 (später ohne die "2000"), wo ich mich mit den NDW-Einflüssen meiner frühen Jugend - besonders auf der textlichen Ebene - befasste und dem Projekt LOOPLAB, das für meine "elektronischen Stücke OHNE Text und Gesang" zuständig war.

Während Superstolk in den folgenden Jahren immer mehr kreativen Raum einnahm (und sich in den Nuller Jahren zusammen mit Jörg Ritter zu einer veritablen, spannenden und sehr unterhaltsamen Liveband entwickelte), ist das Werk von LOOPLAB, von einigen wenigen Aufnahmen abgesehen (wie einige digitale EPs auf unpop-media.blogspot.com und auf Bandcamp, aber z.B. auch die B-Seite der Superstolk 2000 Debüt-Vinyl-Single. "Was Kostet Die Welt") bis heute weitgehend unveröffentlicht geblieben.

Diesem geschichtsverfälschende Umstand wird nun durch eine Reihe digitaler LOOPLAB-Compilations ein Ende gesetzt - denn die Welt wird nun endlich das Gesamtwerk von LOOPLAB für sich entdecken können (- hörst du auch , wie sie darüber jubelt!?).

Da das Format des digitalen Albums sich nicht darum scheren muss, ob es genügend Käufer findet, die die Produktionskosten wieder hereinholen, beginnt die Reihe der LOOPLAB Compilation Alben gleich mit einigen besonders unkommerziellen, besonders experimentellen Kassettenaufnahmen, die mir persönlich aber besonders ans Herz gewachsen und wichtig sind.

Dies sind:

1. EXPERIMENTAL ASTRO EXPRESS
Ein kurzlebiges Krautrock/Elektronik-Projekt von meinem Bruder Raul und mir - aus der kurzen Zeit, bevor unser erster Synthesizer Einzug in unseren WG-Haushalt nahm und wir noch mit den Casio-Keyboards unsrer Jugend sowie den Saiteninstrumenten unserer Punk-Phase auskommen mussten. Da dieser erste Synthie schon sehr bald nach diesen Aufnahmen ins Haus kam, haben EAE nie mehr als diese vier hier vorliegenden Aufnahmen eingespielt...


2. RECONSTRUCTED MUSIC
1995 gab es auch noch keinen Computer in unserem Hause, der genügend Arbeitsspeicher gehabt hätte, um damit Musik aufzunehmen und zu bearbeiten... Stattdessen hatte ich meinen Viespurrekorder, mit dem ich schon seit vielen Jahren experimentierte und zahlose Mehrspuraufnahmen gemacht hatte...
Da die (Studenten-)Zeit massgeblich von Geldknappheit gepägt war, verwendete ich oft bereits bespielte Musikkassetten für meine Aufnahmen. Und so waren auf meinen Sessiontapes oftmals Reste zuvor aufgenommener Musik zu finden - und eines Tages entdeckte ich, daß diese Reste, rückwärts abgespielt und schneller oder langsamer gepitcht eine interessante, abstrakte und oftmals schier wahnsinnige Ebene in meine Tracks hinein brachten...
Anfangs besorgte das der Zufall, später führte ich verschiedene "mutierte" Audiospuren bewusst zusammen - und es entstand diese Sammlung von rekonstruierten Miniaturen, die ich sehr liebe und froh bin, sie nach 30 Jahren endlich in "die Öffentlichkeit" entlassen zu können. Wie groß immer diese auch sein mag...


3. KÜCHENTECHNO
Das "Küchentechno"-Tape lag zwei Jahre in unserer WG-Küche neben dem Kassettenrekorder und wurde jedesmal für Aufnahmen eingelegt, wenn sich am Küchentisch etwas musikalisches ergab - kurze Skizzen mit einem Spielzeugkeyboard, Experimente mit dem Casio SK-1 Sampler - und sehr gerne auch Atmo-Aufnahmen der diversen Küchengeräte in Aktion, also im Sinne John Cage bereits vollendete Ambient- und Geräuschstücke.
Auch besonders orginelle Nachrichten vom damals noch überall im Einsatz befindlichen Anrufbeantworter wurden auf der Kassette verewigt - zwei authentische Beispiele finden sich auf dieser Compilation. Das "Küchentechno"-Tape wurde erst viele Jahre später (um die 2010-er Jahre herum) wiederentdeckt und endlich digital ausgewertet. Seitdem habe ich immer auf eine Gelegenheit gewartet, dieses obskuren Aufnahmen einmal zu veröffentlichen - jetzt und hier ist es nun so weit!



Und dies ist nur der Anfang! Weitere Compilation mit Musik von LOOPLAB werden folgen!

Torsten Kauke im Juli 2026

Dienstag, 30. April 2013

Eine kleine Tapemusik...

ATMO TAPES 98 - Live im Institut für Neue Medien/Frankfurt am Main (27.4.2013)

Hier ein kleiner Rückblick auf meine Live-Performance mit ATMO TAPES 98 im INM letztes Wochenende. Der Auftritt war (im schönen, bestuhlten "Instituts-Ambiente" des Tagungsraum) und vor nettem, aufgeschlossenen und sehr aufmerksamen Publikum ein echtes Highlight in meiner persönlichen Werteskala der tollen eigenen Konzerte... Danke dem Phonophon e.V., daß der so etwas in Frankfurt überhaupt möglich macht - und doppeldanke, daß er mich dazu einlud!

Danke auch an Konrad
Korabiewski, der mit seinem ART BOOK ORCHESTRA auf komplett andere Art und Weise (durch das Seitenumblättern präparierter Bücher!) erstaunlicherweise einen ganz ähnlichen Sound zauberte wie ich...


Der Herr von Atmo Tapes auf dem Dach des INM

Atmo Tapes 98 - das Live Setup

Konrad Korabiewski bereitet seine
musikalischen Bücher vor


Pizzaboy-Power: Verpackung meiner
Phonophon-Catering Schinkenchampionpizza



Das Atmo Tapes 98 Setup bei spärlicher aber
bunter Bühnenbeleuchtung



Atmo Tapes 98 live (Foto: Phonophon)

Atmo Tapes 98 live (Foto: Phonophon)


Atmo Tapes 98 live (Foto: Herr D.)


Das AUDIOBOOTLEG

Über dunkle Kanäle wurde mir ein illegaler Audiomitschnitt meiner halbstündigen Live-Performance im INM zugespielt. Dieses mit einem Smartphone mitgeschnittene Mono-Bootleg hat eine sehr sehr abenteuerliche Soundqualität, die den eigentlichen Klancharakter meiner Performance auf ganz seltsame Art uminterpretiert. Was mich sehr amüsiert - weswegen ich dieses Audio File hier zum freien Download zu Verfügung stellen möchte. (Ein weiterer, besserer Mitschnitt des Konzerts wird noch eine Weile im Archiv auf seine Veröffentlichung warten müssen...)
Download ATMO TAPES 98 AUDIO BOOTLEG (Mono). (Danke Herrn D. für's aufnehmen!)


Some Pictures from the ATMO TAPES 98 Liveperformance last weekend at the INM in Frankfurt/Main. And a downloadlink of an audio bootleg recording of that concert, which was recorded by a smartphone and sounds completly different than what the original show was sounding like. I love this new "interpretation" of my performance by the recording app on that phone- so you can download the mp3  here - if you like to!

Donnerstag, 25. April 2013

Selektion Nummer Eins

April 2013: Diesen Monat habe ich mein experimentelles Kassettenprojekt ATMO TAPES 98 wieder mal reaktiviert. Nach einem Auftritt als support act für ABSENT WARRIOR und FOXOUT! (am 17.4. 2013. im Waggon Offenbach) steht nun noch ein weiterer Auftritt für kommenden Samstag (27.4.2013) an, dann gemeinsam mit dem dänischen Polen (oder wars ein polnischer Däne?) Konrad Korabiewski im Institut für neue Medien (INM), Schmickstraße 18, 60314 Frankfurt! 
Konrad Korabiewski und ATMO TAPES 98 live am 27.4.2013

Während der Vorbereitung für den Auftritt im Waggon entstanden wieder zahlreiche Aufnahmen, die meine experimentellen, vom Zufallsprinzip geleiteten Magnettonband-Audiocollagen gut dokumentieren. Wie z.B. dieser brandneue Track:






ATMO TAPES 98 live im Waggon/Offenbach, 17.4.2013
(Foto: Jörg Ritter)


Nach dem Prinzip "Wenn schon, denn schon" habe ich mich nun entschlossen, eine erste CD mit Stücken von ATMO TAPES 98 zu produzieren.
"SELEKTION NUMMER EINS" (unpop 013) enthält genau das: Eine interessante Auswahl von 7 sehr kurzen und sehr langen Stücken zwischen Ambient, Noise und field recordings. Überraschend kurzweilig, find ich selbst! Die Erstauflage der CD ist auf 20 Stück limitiert und wird zu meinem Auftritt im Institut für neue Medien (INM) in Frankfurt erstmals erhältlich sein. Und vorerst NICHT im internet!


ATMO TAPES 98: Selektion Nummer Eins  (unpop 013)

Nachtrag 30.4.2012:

Seit 27.4. erhältlich: Die Erstauflage von "Selektion Nummer Eins" (limitiert auf 20 Exemplare! KEINE Veröffentlichung im Internet!):


1. Étude #12 
2. Étude #4 
3. Mainuferfest*
4. 21.05.57
5. April Rehearsal #4
6. Take Sechs
7. Souvenir

all tracks created by torstn Kauke (july 2012 - april 2013).
*track 3 recorded live 6-16-2012 (no overdubs). 

 (c) unpop-media 2013.  this is unpop 013. 

  




 
I decided to release a CD with some tracks from my experimental tape project ATMO TAPES 98. "SELEKTION NUMMER EINS" (unpop 013) contains 7 very short and very long tracks between Ambient, Noise and field recordings. First Edition is strictly limited to 20 CDs and will be available at my concert at Institut für neue Medien (INM), Frankfurt. And NOT in the internet for now...


Montag, 16. Juli 2012

Live in der Klirrbar!

13.7.2012
ATMO TAPES 98 live @ Klirrbar im Waggon Offenbach.


Brillianterweise hat das mit der Dokumentation bei einem meiner Auftritte mal so richtig geklappt, weswegen ich hier nicht bloss Fotos sondern sogar die komplette Live-Aufnahme meiner ATMO TAPES 98 Performance vom letzten Freitag vorstellen kann. Das ist fast so gut, wie dabei gewesen zu sein (-wenn ich an das bescheidene Wetter von letztem Freitag denke, möglicherweise sogar besser!)


Ein Doppeldanke geht an Daniel Herrmann, der die Fotos machte und auch noch unaufgefordert seinen Digitalrekorder für den famosen direkt-aus-dem-Mischpult-Mitschnitt am Start hatte. That was really nice!


ATMO TAPES 98 live in Offenbach
(Foto: Daniel Herrmann)




ATMO TAPES 98 live in Offenbach
(Foto: Daniel Herrmann)



ATMO TAPES 98 live in Offenbach
(Foto: Daniel Herrmann)



ATMO TAPES 98 live in Offenbach
(Foto: Daniel Herrmann)



ATMO TAPES 98 live in Offenbach
(Foto: Daniel Herrmann)



Dienstag, 10. Juli 2012

Alte Tapes in neuen Abenteuern!



Neues Projekt: ATMO TAPES 98

Nach all den Anstrengungen rund um die neue Superstolk CD mache ich jetzt zur Abwechslung mal ein bisschen was Experimentelles...
Anlässlich eines bevorstehenden Auftritts in der "Klirrbar" - dem Offenbacher Forum für Noise und experimentelle Musik im Waggon, das sich ständig steigender Beliebtheit bei den Hartgesottenen erfreut, habe ich ein altes Projekt hervorgekramt, mit dem ich mich zum letzten Mal vor 10 Jahren beschäftigt hatte. ATMO TAPES 98 ist der Name des neuen Babies, denn da kommen sie her (Die tapes! Von 1998!).

Immer  das selbe: Das Studio zum Instrument machen!
Nachdem ich einen guten Teil der Neunziger Jahre damit verbracht hatte, Demos und Lieder mit meinem guten alten VIERSPUR-KASSETTEN-RECORDER aufzunehmen, kam ich gegen Ende des Jahrzehnts auf die folgenschwere Idee, dieses Kassettengerät eben nicht nur zur Aufnahme zu verwenden, sondern es bei Liveauftritten auch als Instrument einzusetzen! Zu diesem Zweck stellte ich damals ca. 30 Vierspur-tapes her, auf denen sowohl geloopte Samples wie auch Atmo-Aufnahmen (wie z.B. der Sound der Waschmaschine, eines Gewitters mit Regenfall oder etwa die stets stark befahrene Frankfurter Landstrasse in Hanau, an der ich damals direkt wohnte) zu hören waren.
Die so entstandenen Tapecollagen konnten dann während eines Liveauftritts entweder in ihrer Gesamtheit abgespielt werden, ich konnte aber auch jede einzelne der paralell laufenden vier Audiospuren einzeln abspielen oder Teile davon ein- und ausfaden. 


Echtzeitsampler!
Zusätzlich konnte ich die vier Spuren auch noch in zwei verschiedenen Geschwindigkeiten (und beliebig vielen Zwischenstufen!) abspielen. Verdoppelt wurde die Anzahl der Möglichkeiten noch einmal, indem ich das ganze tape rückwärts abspielte - ich hatte damit also eine Sample-Bank von endlosen Möglichkeiten auf einer einzigen C-90 Kassette (und das dann noch mal 30!)... Somit hatte ich die kostengünstige Alternative zu einem für mich damals noch unerschwinglichen Digital-Sampler mit quasi Endlos-Speicher entwickelt!!
Eingesetzt habe ich diese Vierspur-Samplebank damals bei zahlreichen Liveauftritten des beinahe-legendären Offenbacher/Hanauer Synthesizer-Quartetts Elektr. Hnd Sound Orchestra (höre und siehe hier, wie das war) und später auch noch in den Anfangstagen der Band Microgramma Medium Extended mit Daniel Herrmann (höre und siehe hier, wie das z.B live in Köln war!).

Revival statt Remix!
Danach allerdings gerieten die tapes in Vergessenheit und standen die letzten 10 Jahre ungenutzt im Schrank. Bis ich Anfang dieses Jahres bei einer meiner Tape-Digitalisierungs-Aktionen auf sie stieß und kurz mit dem Gedanken spielte, all diese Echtzeitloops zu digitalisieren. 30 x 4 Spuren á 45 Minuten - das wären 5400 Minuten bzw. 90 Stunden Audiomaterial gewesen (wobei allerdings ca. die Hälfte der Spuren natürlich nur aus geloopten Computersamples, die eine dreiviertel Stunde in Echtzeit ablaufen, bestehen...). Gut also, dass ich diesen Plan alsbald wieder verworfen habe und stattdessen auf die Idee kam, die Audio-Liveperformance von damals einfach nochmal neu aufzuführen! 

Im Gegensatz zu damals, wo sie eher als Hintergrundsound in einem musikalischen Bandkontext dienten, stehen die präparierten Tapes nun im Mittelpunkt der Performance und werden von ein paar kleinen modernen Digital-Gadgets (KORG KAOSSPAD Mini, KORG Monotron sowie ein Weltempfänger, der durch den LFO Filter des Monotrons geschleift wird) ergänzt, um maximale Abwechslung und Kurzweiligkeit zu garantieren, wenn das nötig ist - manchmal ist natürlich auch eine monolitische Monotonie erstrebenswerter!


Erste Ergebnisse meiner privaten Audio-Studien mit diesen alten Magnettonbändern (als Vorbereitung auf die Live Performance am kommenden Freitag) kann man seit heute bei Soundcloud anhören:






Wer in Offenbach (oder um Offenbach herum) wohnt, ist herzlich eingeladen, am kommenden Freitag - 13.7.2012 - in die Klirrbar (natürlich im Waggon/Offenbach!) zu kommen und sich das ganze live anzuhören, neben ATMO TAPES 98 werden auch noch die unfassbar guten ephemeroL aus Frankfurt sowie und Theo Goodman's unfassbar lauten Buckettovsissors  live spielen. Besser kann ein Freitag der Dreizehnte gar nicht werden!

Link Waggon Offenbach



ATMO TAPES 98 Torstn Kauke resurrects his old Klanginstallation from the nineties. Old prepared four- and two- track tapes will be played simultanously in combination with a few new digital devices to create an absurd and atmospheric wall of analogue sound.

ATMO TAPES 98 Kauke Torstn Klanginstallation auferstehen von der historischen Altstadt der neunziger Jahre. Alt Vorbereitete vier-und Zwei-Spur-Bänder werden simultan in Kombination gespielt werden mit ein paar neuen digitalen Geräten um eine absurde und atmosphärische Wand des analogen Sound zu kreieren.

Dienstag, 31. Januar 2012

Damals, im Jahr der Kuh...

 
Torstn Kauke: 
"Das Jahr der Kuh /Aufgeschlitzter Neil Young"
(unreleased sound collage tape, C-30, 1993)


Seit Wochen betreibe ich Hardcore-Archiv-Digitalisierung auf allen Ebenen: während alte Audiotapes von 1986 bis 1996 direkt in den Digitalrekorder laufen, scanne ich dazu parallel unentwegt alte Flyer, Broschüren, Hefte, Comics aus Tagen der glorreichen Künstlergruppe KIX oder editiere alte Videomitschnitte.  Dass das eine aufregende Arbeit ist, kann sicher jeder nachempfinden, der auch mal den Job des Archiv-Verwalters bei seinen Lieblingskünstlern ausüben durfte. Schade ein bisschen nur, daß ich selbst mein Lieblingskünstler bin, denn ich bin leider ausserstande, mich für die geleistete Arbeit auch angemessen zu bezahlen. Naja, macht nix, ich werde dafür anderweitig belohnt. Mit dem trügerischen Gefühl von Ewigkeit, den analogen Kram und die gilbbedrohten Papierberge mit der Digitalisierung vor dem Vergessen bewahrt zu haben (wobei wir da natürlich erstmal sehen müssen, inwieweit das neue Windows 2040 (wenn es erscheint) die erstellten Daten überhaupt noch lesen können wird!) und mit oh! so süßen Erinnerungen. 

Wobei: das beste sind natürlich die Entdeckungen an die man sich überhaupt nicht mehr erinnert...
Aus dieser Abteilung "Komplett vergessen" stammt das heute vorgestellte tape, das die letzte 19 Jahre in einer nie mehr geöffneten Pappschachtel verbracht hat, bis ich es neulich plötzlich erstaunt in Händen hielt. Es handelt sich hierbei um zwei Soundcollagen, die ich 1993 als Eröffnungsmusik für eine KIX-Veranstaltung in der Hanauer Schweinehalle... komponierte? ...erstellte? ...mixte?
Als Basis hierfür diente eine alte Audiocassette, die beidseitig mit Neil Young Musik bespielt war und auf dem Vierspurrekorder auf unterschiedlichen Geschwindigkeiten abgespielt wurde. Dazu wurden weitere Soundquellen gemischt und das ganze durch Delay, Echos, Verzerrer und was weiss ich noch alles geschickt.
Eine düstere Melange aus Stimmfetzen (immer wieder sticht die markante Stimme Neil Youngs raus und klingt dabei im wahrsten Wortsinn aufgeschlitzt!) plus seiner jetzt rückwärts gespielten Gitarre schwebt da aus den Boxen, überlagert von seltsamen Sprach- und Geräuschtapes, von denen ich beim besten Willen nicht mehr sagen kann, wo die herkamen und ob ich die extra für das Stück aufgenommen hatte. 

Das ganze erinnert mich mal ein bisschen an John Lennons "Revolution #9", dann mal an klassisches Tapegefrickel von Klassikern wie Eimert, Schaefer, Stockhausen (- nur nicht bescheiden sein mit den Referenzen!).
Moderne Bezeichnungen für solche Sounds schießen mir durch den Kopf - Drone, Noise, Dark Ambient, vielleicht sogar Mashup oder gar Remix? - und versetzen mich ich echtes Erstaunens darüber, was ich in den Neunzigern so alles betrieben habe...

Ein Stück selber gemachte Noise-Kunst, neunzehn Jahre gelagert. Wär das Malzschnapps gewesen, hätten wir hier nun einen teuren Whisky vor uns stehen! Und so - mit den Augen des Whisky Connaisseur - sollte man dieses tape auch geniessen (und nur, wenn man den Geschmack überhaupt mag).
Und das ist nur der Anfang, der erste post einer neuen Reihe mit experimentellen Aufnahmen, die ich in den letzten Jahrzehnten eingespielt, aber nie veröffentlicht habe, weil der Pop immer den Zuschlag bekam vor dem Lärm. Und weil's hier ja eh egal ist, ob sich das auch tatsächlich jemand anhört.   


 Das Jahr der Kuh - auf dem Titelbild von KIX #19
 

Das Jahr der Kuh

Anlass für dieses Tape war ein Konzert - naja, eigentlich schon eher ein Happening mit zusätzlichen Ausstellungen & Performances - aber natürlich rockten die Kaktuxxe als Hauptattraktion schwer ab an diesem Abend, im Jahre 1993. 

Und 1993 hatte die Künstlergruppe KIX - ohne irgendjemandem genau zu erklären, warum eigentlich? - zum Jahr der Kuh erklärt (und das bereits 16 Jahre, bevor das gleichnamige Jahr im chinesischen Horoskop dran war).

Diesem "Festjahr" lag eine tollkühne Ideologienmischung aus Hindu-, Vegetar- und Dadaismus zugrunde, die in erster Linie dazu diente, Aufmerksamkeit zu erzielen, das selbstverlegte Comicheft interessanter zu machen und ganz einfach auch ungeniert und lauthals in der Öffentlichkeit muhen zu können! 


Sagte "Muh" im Jahr der Kuh (1993): Die KIX-Family
(v.l n r.: Rautie, tvuzk, döz, steff a.k.a. Holly Golightly, Raul, Pepi)

























Spastelbogen aus
dem
"Jahr der Kuh"

Dennoch war das mit der Kuh nicht alles  ausgemachter Blödsinn, denn es beflügelte die Künstlerfantasie immens und schuf Charaktere wie z.B. Loretta, die Kuh, die noch viele Jahre im KIX-Universum herumspuken sollten und immer wieder mal - hier in einem Song, da in einem Bild, dort in einer Comicstory - auftauchten. Und das öffentliche Muhen, vergesst das öffentliche Muhen nicht!

Nun gut, das ist ein Thema, das an anderer Stelle noch weiter ausgelotet werden kann (im Download enthalten ist z.B ein 4 seitiger Artikel aus dem Fanzine "Der innere Schweinehund", der sich genauer mit dem Phänomen "Das Jahr der Kuh 1993" auseinandersetzt), hier dient es eigentlich nur dazu, mit Texten, Zeichnungen und Fotos aus dieser Zeit diesen post interesanter zu machen, da das Stück auf der A-Seite ja nunmal passenderweise "Das Jahr der Kuh" heisst.
Mieser Trick, aber funktioniert!

Download "Das Jahr der Kuh" - Mediafire




I'm very sure, you all know this feeling: you dig in your old tape archive and suddenly you find a tape you haven't listen to for about 19 years and when you listen to it you realize that these two dark sound collages from 1993, based on an old audiotape with Neil Young songs played in reverse, mixed  with other sound and speech tapes and sent through a lot of delays, reverbs and distortions might today be called Drone, Noise, Dark Ambient, maybe Mashup or even Remix? Yes, you sure know that! And guess what: it happened to me again today. Take a listen! (This has absolutly nothing to do with cows. Don't ask about the cows!)