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Samstag, 11. Juli 2026

LOOPLABS (beinahe) vergessenes Audioarchiv

 

Looplab: Die Experimental-Tapes Volume 1 (1995-96)

 


Hier kommt eine Compilation nie zuvor veröffentlichter Kassettenaufnahmen aus meinem Archiv, mit einigen der experimentellsten elektronischen und elektroakustischen Tracks, die ich jemals aufgenommen habe.

All diese Stücke entstanden Mitte der 1990-er Jahre. Musikalische war dies eine Zeit des Umbruchs für mich, in der die bisher verfolgten Punk- und Postpunk-Einflüsse nach und nach der Neugierde auf elektronische und experimentellere Musikstilen wichen. Es war die Zeit, als der Hype um Techno in Deutschland erstmals die breitere Öffentlichkeit erreichte und auch meinen Blick auf andere musikalische Strömungen ausrichtete - eine Zeit, in der ich anfing, die legedären Krautrockbands wie Faust, Can und Kraftwerk zu entdecken und zu erforschen (aber auch Progressive Rock von Bands wie King Crimson oder auch Gong) und in das Werk von Komponisten wie Karlheinz Stockhausen, György Ligeti - vor allem aber John Cage - eintauchte...

In dieser Zeit entstanden die ersten verspielten Demoaufnahmen für zwei meiner musikalischen Projekte, die mich für den Rest des Jahrtausends beschäftigten sollten - einerseits SUPERSTOLK 2000 (später ohne die "2000"), wo ich mich mit den NDW-Einflüssen meiner frühen Jugend - besonders auf der textlichen Ebene - befasste und dem Projekt LOOPLAB, das für meine "elektronischen Stücke OHNE Text und Gesang" zuständig war.

Während Superstolk in den folgenden Jahren immer mehr kreativen Raum einnahm (und sich in den Nuller Jahren zusammen mit Jörg Ritter zu einer veritablen, spannenden und sehr unterhaltsamen Liveband entwickelte), ist das Werk von LOOPLAB, von einigen wenigen Aufnahmen abgesehen (wie einige digitale EPs auf unpop-media.blogspot.com und auf Bandcamp, aber z.B. auch die B-Seite der Superstolk 2000 Debüt-Vinyl-Single. "Was Kostet Die Welt") bis heute weitgehend unveröffentlicht geblieben.

Diesem geschichtsverfälschende Umstand wird nun durch eine Reihe digitaler LOOPLAB-Compilations ein Ende gesetzt - denn die Welt wird nun endlich das Gesamtwerk von LOOPLAB für sich entdecken können (- hörst du auch , wie sie darüber jubelt!?).

Da das Format des digitalen Albums sich nicht darum scheren muss, ob es genügend Käufer findet, die die Produktionskosten wieder hereinholen, beginnt die Reihe der LOOPLAB Compilation Alben gleich mit einigen besonders unkommerziellen, besonders experimentellen Kassettenaufnahmen, die mir persönlich aber besonders ans Herz gewachsen und wichtig sind.

Dies sind:

1. EXPERIMENTAL ASTRO EXPRESS
Ein kurzlebiges Krautrock/Elektronik-Projekt von meinem Bruder Raul und mir - aus der kurzen Zeit, bevor unser erster Synthesizer Einzug in unseren WG-Haushalt nahm und wir noch mit den Casio-Keyboards unsrer Jugend sowie den Saiteninstrumenten unserer Punk-Phase auskommen mussten. Da dieser erste Synthie schon sehr bald nach diesen Aufnahmen ins Haus kam, haben EAE nie mehr als diese vier hier vorliegenden Aufnahmen eingespielt...


2. RECONSTRUCTED MUSIC
1995 gab es auch noch keinen Computer in unserem Hause, der genügend Arbeitsspeicher gehabt hätte, um damit Musik aufzunehmen und zu bearbeiten... Stattdessen hatte ich meinen Viespurrekorder, mit dem ich schon seit vielen Jahren experimentierte und zahlose Mehrspuraufnahmen gemacht hatte...
Da die (Studenten-)Zeit massgeblich von Geldknappheit gepägt war, verwendete ich oft bereits bespielte Musikkassetten für meine Aufnahmen. Und so waren auf meinen Sessiontapes oftmals Reste zuvor aufgenommener Musik zu finden - und eines Tages entdeckte ich, daß diese Reste, rückwärts abgespielt und schneller oder langsamer gepitcht eine interessante, abstrakte und oftmals schier wahnsinnige Ebene in meine Tracks hinein brachten...
Anfangs besorgte das der Zufall, später führte ich verschiedene "mutierte" Audiospuren bewusst zusammen - und es entstand diese Sammlung von rekonstruierten Miniaturen, die ich sehr liebe und froh bin, sie nach 30 Jahren endlich in "die Öffentlichkeit" entlassen zu können. Wie groß immer diese auch sein mag...


3. KÜCHENTECHNO
Das "Küchentechno"-Tape lag zwei Jahre in unserer WG-Küche neben dem Kassettenrekorder und wurde jedesmal für Aufnahmen eingelegt, wenn sich am Küchentisch etwas musikalisches ergab - kurze Skizzen mit einem Spielzeugkeyboard, Experimente mit dem Casio SK-1 Sampler - und sehr gerne auch Atmo-Aufnahmen der diversen Küchengeräte in Aktion, also im Sinne John Cage bereits vollendete Ambient- und Geräuschstücke.
Auch besonders orginelle Nachrichten vom damals noch überall im Einsatz befindlichen Anrufbeantworter wurden auf der Kassette verewigt - zwei authentische Beispiele finden sich auf dieser Compilation. Das "Küchentechno"-Tape wurde erst viele Jahre später (um die 2010-er Jahre herum) wiederentdeckt und endlich digital ausgewertet. Seitdem habe ich immer auf eine Gelegenheit gewartet, dieses obskuren Aufnahmen einmal zu veröffentlichen - jetzt und hier ist es nun so weit!



Und dies ist nur der Anfang! Weitere Compilation mit Musik von LOOPLAB werden folgen!

Torsten Kauke im Juli 2026

Mittwoch, 9. März 2016

Vintage Superstolk - die Zweite


Was sich alles auf 20 Jahre alten DAT Tapes findet, wenn man sie nur aufmerksam durchhört! Beim Remastern des Superstolk 2000 Tapes "Ansonsten Schrank" fanden sich diverse längst vergessene Aufnahmen, sogenannte Outtakes! Einige davon werden als Bonus-Tracks auf der digitalen Version des neuen "Ansonsten Schrank"-Tapes zu finden sein, das LIEBLINGSAMBIENTE von 1996 gibt's jetzt mal hier für alle als free download. Weil warum nicht?



Donnerstag, 17. November 2011

Ein Kaffee, ein Körnerbrötchen - und eine Kassette mit dieser Musik drauf bitte...


"Orig.Cafet.Musik. - electronic cafetenmusik by Raul & tvuzk"
(sht 048, C-90,1998 - recorded 1996)


Heut hat mein Bruder Raul Geburtstag und diesen Freudentag will ich mit einem sehr speziellen tape voller elektronischer Musik zelebrieren. Schon mehr als einmal wurde hier erzählt, wie Brüderchen & ich in unseren Studententagen unseren wöchentlichen Job in der Cafeteria der Hochschule für Gestaltung besonders dazu nutzten, ständig unsere eigene Musik zu spielen bzw. extra für diese Gelegenheit zu produzieren. (Darüber kann man z.B. hier lesen, da steht es auch, auch hier wird es erwähnt und ebenfalls in diesem post. Am Rande wird auch in diesem Interview darüber gesprochen!).

Gebrauchsmusik
Dies hier ist nun allerdings die allererste Cafetenmusik-Kassette, die Raul & ich - bewaffnet nur mit einem Kawai K11 Synthesizer, einem Vier-Spur Kaaetten Rekorder und - in Ermanglung einer vernünftigen Drummachine - einer Kollektion CDs und Platten aus der legendären "Beats, Breaks & Scratches"-Serie an einem sonnigen Sommertag im Jahre 1996 aufnahmen.

Ohne Computer oder Sequenzer - beides befand sich zu dieser Zeit noch nicht in unserem gemeinsamen Haushalt - sind alle Sounds hier (von den Beats natürlich abgesehen) handgespielte Keyboarddudeleien von Leuten, die die letzten 8 Jahre zuvor hauptsächlich lauten Gitarrenhardcorepunk gemacht hatten (in ihrer Jugend aber freilich den ganzen bunten Glamourpop der Achtziger Jahre aufgesaugt haben - beide Einflüsse sind m.E. in dieser Musik gut herauszuhören!).

Die Ergebnisse klingen irgendwie nach 80-ger Jahre Easy Listening Musik jenseits aller elektronischen Konventionen, etwas, was ich ja immer im Zusammenhang mit unserer elektronischen Musik schreibe, weil nicht Techno, nicht House nicht Breakbeat, irgendwie nix von alledem und trotzdem elektronische Musik. Trotzdem da!


So entstand also Orig.Cafet.Musik. - die Orginal Cafeten Musik.
"Cafete" ist/war der liebevolle studentische Kosename fü
r die Cafeteria, die sich für die letzten 20 Jahre (und länger?) im 3. Stock der HfG Offenbach befand - und wo wir, ich werd nicht müde, es immer wieder zu erwähnen, regelmässig Mittwochs die Vor- oder Nachmittags-Schicht (teilweise auch den gesamten Mittwoch) an der Theke und in der Küche arbeiteten, hauptsächlich, um unsere Musik dort spielen zu können (ja gut: und Geld).

Das Tape lief gute zwei Jahre regelmässig jeden Mittwoch in voller Länge midesetens einmal, oft aber auch öfters - denn das zogen wir gnadenlos durch. In Zeiten vor Youtube, Soundcloud, Myspace und Bandcamp gab es ja gar keine großen Möglichkeiten, überhaupt so einfach seine Musik unters Volk
zu bringen. So frästen sich die Tracks der "Cafet.Musik"-Kassette in die Großhirnrinde so mancher unserer damaligen Kommilitonen, die schließlich immer öfters nachfragten, ob man diese Musik auch irgendwie auch besitzen könnte...

Wohlgemerkt, in der Vor-Internetz-Zeit hatte Musik noch so etwas wie einen Wert und Leute waren bereit, echte Dehmark zu bezahlen, wenn sie dafür einen Magnettonträger mit den entsprechenden Klängen bekommen konnten!


Obwohl ursprünglich als reine (und eigentlich unverkäufliche) Gebrauchsmusik konzipiert, gab es deshalb gut 2 Jahre nach der ursprünglichen Aufnahme auch ein Tape davon zu kaufen... Zusammen mit 'nem Kaffee und 'nem Vollkornbrötchen am frühen Morgen griff so mancher damaliger Kunststudent gerne zu. Ich denke, zwischen 20 und 40 Stück davon haben wir damals verkauft aber auch verschenkt - das machte schon damals mehr Spass!

Fotos by Baumann
Das Cover stammt übrigens aus einer umfangreichen Fotoserie über die Kauke-Brüder bei der Cafeten-Arbeit, die unser Komilitone Jörg Baumann (heute hier) damals erstellte.
Und - tata - da ich die Orginal Fotos dieser Serie wiedergefunden habe, gibt's hier nun erstmals eine grössere Auswahl von "Alternativcover" zu sehen. Damals warn wir ja noch ganz ansehliche mitt- bis Endzwanziger... Deshalb mögen diese Bilder auch ein wenig als WARNUNG dienen: Lasst das mit dem älterwerden sein, Leute - is voll scheisse!


"Raul und Torstn Kauke in der HfG Cafete, Juni 1996" -
eine Fotoserie von Jörg Baumann


Fotos anclicken für größere Abbildung!


alle Fotos: (c) Jörg Baumann



CAFETE VERSUS CAFETERIA
Aber auch noch einen weiteren Grund gibt es für diesen post. Wie oben schon mal erwähnt, war die klassische "Cafete" im dritten Stock der HfG anzufinden und immer soetwas wie das - vom Asta selbstverwaltete und -organisierte - Herz der Hochschule, der Treffpunkt, das Forum: the place to be. Denn hier standen die Futtertröge (bitte: nur im übertragenen Sinne Tröge!).
So war es - bis zur Transplantation neulich! Denn seit Anfang des Monats hat die HfG eine neue Cafeteria im Erdgeschoss des Neubaus, hier gibt es regelmässig warme Speisen und was man noch so braucht, eine richtig echte Mensa, wie sie andere Unis schon immer hatten. In aufgeschnappten Gesprächen von Studenten und Professoren ist die Bezeichnung für diesen Ort schon herauszuhören: Cafeteria. Guckt sie euch hier einfach selbst mal an.


Während also in der neuen Cafeteria alles seinen gastronomisch folgerichtigen Gang geht, steht die arme alte Cafete oben im dritten Stock nun einsam und verlassen da, die Berechtigung, Speisen & Getränke zu verkaufen, entzogen, heruntergekommen, ausgebrannt... - NEIN!


So ist es dann eben doch wieder nicht, denn der RAUM, wie die Ex-Cafete nun gennant wird, soll auch weiterhin von eifrigen Studenten als Ort des Zusammenkommens, der Feier und des Exzess genutzt werden, genau so wie die letzten Jahrzehnte schon. Im donnerstäglichen "Private Club" finden regelmässig nach Vorlesungsende wilde, zügellose Studentenparties wie früher statt!!!

Und was soll ich euch sagen: genau heute abend, dem 17.11.2011, spielt dort sehr spontan und nur sehr kurzfristig angekündigt eure POPGRUPPE SUPERSTOLK auf!!


Denn echte Kultstätten kommen bekanntlich noch besser, wenn dort auch echte Kultbands auftreten, das weiss ja jeder. Mehr über diesen Auftritt vielleicht später hier.



Jetzt aber erstmal: DOWNLOAD ORIG.CAFET.MUSIK.

Mediafire


This is an old tape specially recorded to be played at the Cafeteria of our old Artschool - the Hochschule für Gestaltung - where 15 years ago me & my brother were working one day in the week - only to have the opportunity to play our own electronic music there (okay, and maybe for the money...).

While there are already a bunch of these "Cafete"-tapes to be found on this blog, this here is the absolutly very first tape we ever recorded for that reason, without any sequencers or computers just straight from the synth into the four track recorder, using beats from the legendary "Beats, Breaks & Scratches"-Series. Every student who was studying from 1996-2000 at the HfG Offenbach and used to have a breakfast or lunch break on wednesday might have some memories of these tracks in their unconsciousness because we played it on and on and on. Now for the first time on unpop for free download - enjoy!!