Freitag, 17. Februar 2012

Es gibt wichtigere Dinge als in Frieden zu leben! (A.Haig)




U.F.D. (Uncounted Faces Of Death) -
First Demo (C-20, 1988, unveröffentlicht)



Und jetzt: UFD. Eigentlich ja Uheffdeh, aber ausgesprochen haben es alle immer "Ufd"... Die - wie sie sich ursprünglich nannten "Uncounted Faces Of Death" - sind so etwas wie das Flaggschiff (um mal einen herrlich unpassenden militärischen Ausdruck zu verwenden!) der Spät-Achtziger/Früh Neunziger Hanau Punkszene.

Keine Hanauer Band war krasser, härter und kontroverser. Und sicher auch keine bekannter in der internationalen Hardcoreszene. Und ganz gewiss auch keine eindrucksvoller und energiegeladener bei Liveauftritten. Ich glaube, ihre superharten, superkurzen Punkausbrüche mit einem Frontmann, der alles tat  ausser schöne Melodien zu singen - schreien, brüllen, röcheln, heulen, kreischen und sich dabei auf dem Boden wälzen, vorangepeitscht von dem unfassbar präzisen Höchstgeschwindigkeitsdrummer Jeff - konnten damals niemanden, der sie erlebte, unbeeindruckt zurücklassen, selbst wenn er mit den schweren Metalriffs, die UFD-Gitarrist Arno einbrachte, vielleicht nur wenig anfangen konnte (wie z.B. ich selbst, als ich zum ersten Mal irgendwann im Herbst 1987 im Hanauer Kultur-Basar live sah).





Das Wunderwort von der Authenzität muss hier zwangsläufig mal wieder bemüht werden, denn scheiße nochmal waren UFD authentisch in dem, was sie da taten!
Live verstand man zwar kein einziges Wort, aber durch die regelmässig bei Konzerten verteilten Textblätter wurden Themen wie Sexismus, Rassismus, und die sonstige Ausbeutung von Mensch & Tier (etcetera etcetera!) dem Publikum näher gebracht, als manchen der Metallica-/ Smiths-/ oder Depeche Mode hörenden Kids (wie uns!) im Publikum erstmal recht war. Politisierung durch künstlerische Mittel - immer noch die effektivste und nachhaltigste, die es gibt! Da UFD ihren Proberaum und ihre ersten Konzerte im "Haus" hatten - dem autonomen Kulturzentrum Metzgerstrasse in Hanau, das inzwischen seit über 25 Jahren (!) besetzt ist - stand die Band quasi als Sinnbild für eine damals politisch hochmotivierte autonome Szene und hatte dadurch eine Autorität, die viele (wenn nicht alle) anderen "Punk"Bands in der HU-Szene irgendwie beeinflusste.

Um mal kurz wieder in den autobiografischen Modus zu schalten, der mich ja schließlich immer wieder antreibt, dies alles hier zu schreiben: weder der abstruse Star-Trek Hit "Uhura" (siehe hier) von Asozialsky und Hatsch - eine direkte dadaistische Reaktion auf den Zwei-Sekunden-UFD-Klassikers "Es gibt wichtigere Dinge als in Frieden zu leben" - noch die musilalische Härte der Kaktuxxe in ihrer Anfangsphase (namentlich ihre erste Single "Fight The Nazi-Baby", siehe hier) wären ohne die direkte Beeinflussung durch das Phänomen UFD so denkbar gewesen!





Einen sehr umfangreichen Rückblick auf die gesamte UFD-History bietet deren myspace-Seite (von der auch die hier präsentierten Videoclips stammen), die gesamte Diskographie von UFD kann man irgendwo anders im Netz finden (wenn er will, kann der Herr Schlawiner den link zum entsprechendem blog bei den Kommentaren nochmal posten?).

Damit aber genug von meinen eigenen Worten! Das heute vorgestellte tape von UFD ist nämlich eine große Rarität, über deren Entstehung aus erster Hand berichtet werden soll. Deshalb schalten wir nun um zum EX-Sänger Norman, der freundlicherweise folgenden Text verfasst hat, der sich mit seiner Detailbessesenheit sehr elegant in das Labertaschen-Format dieses blogs einfügt! Bitte, Norman:

"Nachdem im Oktober 1988 Jeff (drums) zur Band gestossen war, hatte sich die langlebigste Besetzung (1988-92) von UFD gefunden: Jeff, Arno (gitarre), Roi (bass) und ich, Norman (gesang). Im Dezember 88 machten wir uns dann daran unser erstes offizielles Demo-Tape aufzunehmen. Mit dabei natürlich auch unser langjähriger Soundtechniker Steini.
Wir liehen uns also ein 4-Spur-Sony-Tapedeck - mein Gott, was für eine steinzeitlich anmutende Technik aus heutger Sicht - packten unser Equipment ein und machten uns auf den Weg nach Ravolzhausen in den Keller des Hauses von Roi´s Eltern.
Eine erste deutliche Erinnerung ist die Fahrt von Hanau nach Ravolzhausen. Aufgrund von plötzlich einsetzenden Schneefällen brauchten wir für die 10 km knapp 3 Stunden. Ohne Scheiss. Das zweite an das man sich erinnert war der äusserst knapp bemessene Platz des Aufnahmeraumes. (Ich erinnere mich nicht mehr, warum wir das eigentlich nicht in unserem Proberaum in der Metzgerstrasse gemacht haben?) Verstärker, Schlagzeug, Aufnahmeequipment plus 5 Personen in einem ca. 3x3 Meter grossem Raum. Wir nahmen Live im "Studio" auf, also alle Instrumente gleichzeitig und in dem winzigen Räumchen war an Bewegung überhaupt nicht zu denken. Die einmal eingenommene Position musste beibehalten weden, es wr unmöglich zu verhindern, dass alle 4 Mikros alle Instrumente gleichzeitig aufnahmen.
Unter diesen suboptimalen Bedingungen nahmen wir acht Stücke auf, die dann auf dem Tape noch durch drei Livestücke ergänzt wurden. Damals waren wir sehr unzufrieden mit der Soundqualität des Tapes, was dazu führte, dass die Aufnahmen nahezu unveröffentlicht blieben, auch deshalb, weil sich uns schon kurz darauf die Möglichkeit eröffnete, in Homburg an der Saar im Studio von 2Bad professionellere Aufnahmen zu machen. Wir haben damals nicht mal ein Cover oder Casettenlabels gemacht für die Tapes, es blieb eine schmucklose schwarze Casette ohne jegliche Aufschrift. (Anm.: Für die Wiederveröffentlichung auf unpop kam Norman allerdings nicht umhin, ein Cover zu gestalten, denn bei unpop hört das Auge mit!) Ich schätze heute, das wir ca. 20-25 Kopien von dem Tape angefertigt haben, die wir unter Freunden und Bekannten verteilten. Eine echte Rarität also.
Dabei handelt es sich um historisch bedeutendes Material, sind es doch die einzigen Studio- oder Proberaumaufnahmen, die von den Songs "Rich & Poor" und "Alte Bilder" existieren. Besonders interesant ist dabei "Alte Bilder", war es doch eines unserer wichigsten Lieder! Neben "Negerkussperversion" der einzige Song, der vom ersten bis zum letzten Konzert fester Bestandteil unseres Liveprogramms war. Es bildete immer den Abschluss und Höhepunkt unserer Gigs und Jeff zerlegte beim Finale regelmässig sein Schlagzeug. Der Text von "Alte Bilder" stammt übrigens von Jochen, unserem ersten Drummer. Im Download enthalten sind auch einige Scans von "zeitgenössischen" Textblättern, die wir damals auf Konzerten verteilten.
Aus heutiger Sicht wundere ich mich etwas, dass wir das Tape damals so schlecht fanden, der krachige Sound stört mich heute gar nicht mehr, schön roh und rauh, eigentlich genau passend zu den Songs die wir zu dieser Zeit spielten.  Ich selbst habe die Aufnahmen seit mindestens 15 Jahren nicht mehr gehört und geniesse die Zeitreise, und ich hoffe es möge einigen von euch genauso gehen. "

Download UFD "First Demo" hier: Mediafire

A1. Kinderaugen
A2. Makers
A3. Es gibt wichtigere Dinge...
A4. Negerkussperversionen
A5. Alte Bilder

B1. Heilige Dreifaltigkeit

B2. Frau
B3. Rich & Poor
B4. Aktion Sorgenkind (live)
B5. TAMITTTLIP (live)
B6. Bomben (live)





01 U.F.D. Makers

U.F.D. (Uncounted Faces of Death) | Myspace Video



U.F.D. were without a doubt the best known Punkband from Hanau in the late 8oies/early 90ies. You can read their complete biography in english at their myspace and find most of their tapes, 7''es and their LP for free somewhere else in the net. But what we have here is their very first demo tape, recorded on 4 Tracks and never properly released before. It even contains some songs that were never recorded again ("Alte Bilder", "Rich & Poor") and was donated by Ex- UFD singer Norman. Thanks a lot!

Mittwoch, 8. Februar 2012

Legendäre Hitzusammenstellungen

 v.a. - "Fremde Stimmen, schreiend" 
(C-90, KomistA, 1986)


KomistA's erstes Tape!


Mit diesem Kassettensampler fing alles an und ich freue mich, dass eine Kopie davon bei mir gelandet ist (eine Leihgabe direkt aus dem Archiv Robert Riesenecker, Danke schön nochmals!). Wie ich im letzten post über KomistA schon andeutete (siehe nämlich hier): this tape made me do it!

Der obskure Kassettensampler zweifelhafter Qulität fiel mir 1987 in die Hände und ließ mich mit ungläubigem Staunen zurück: darüber, was für unglaublich schräge fremde schreiende Stimmen offenbar in nächster Nachbarschaft - dem Einzuggebiet Hanau - lebten und Musik machten, und: wie genial einfach die Idee war, die alle auf einem einzigen Medium zu vereinen! Es war die allererste Kassettenveröffentlichung auf KomistA, ein Tape-Label, das die Brüder Claus und Wolfgang Sterneck gemeinsam betrieben, damals noch (mutmasslich) in ihrem Elternhaus in Maintal. Eine Menge weiterere Informationen zu KomistA, von den Machern selbst verfasst sind nach wie vor hier nachlesbar !

Die musikalischen Stile auf dieser Kassette reichen von ultrakurzen derben Hardcorepunkstücken über experimentelle Elektronik bis hin zu Pianomusik mit Frauengesang - der einzige gemeinsame Nenner ist, dass dir all die schreienden Stimmen hierdrauf fremd sind... (aber dann wieder - so funktioniert nämlich Musik - eben doch nicht fremd!). Dabei sind die meisten der Bands und Projekte auf dieser Kassette nie aus dem Bereich des Obskuren hinausgekommen.

Durch Recherche weiss ich inzwischen, dass bei Schulcore Claus Sterneck am Mikrofon stand, daß Hirnsäge die Vorläuferband von UFD - den "Uncounted Faces of Death" war, jene Hanauer Hardcore-Band, die sich einige Jahre später durch zahlreiche Tonträger und noch mehr Livekonzerte eine gewisse internationale Bekanntheit in der entsprechenden Szene erspielte (- und über die es hier demnächst noch einiges mehr zu berichten gibt!).
Deren späterer Sänger Norman war bei Hirnsäge noch an der Gitarre - und ist als The Norman auf "Fremde Stimmen, schreiend" auch mit einem Solo-Stück vertreten, über daß er mir eine Anekdote berichtet hat, die viel über die Arbeitsweise sowohl von den Musikern als auch von den Kassettenmacher dieser Compiltaion erzählt:

"the norman - das bin wohl ich, alleine mit meiner gitarre. aufgenommen hab ich das mit nem kleinen monocasettenrecorder in meinem kinder/jugendzimmer in der wohnung meiner eltern. die casette ist irgendwie bei wolfgang sterneck gelandet und der hats einfach auf den sämpler, war natürlich nie für ne veröffentlichung gedacht. der song heisst "huono" oder so, stimmts? das hat wolfgang ebenfalls im alleingang so bestimmt [;-)] es ist finisch und bedeutet "schlecht oder schlechter werdend" "


Mein persönliches Highlight damals waren aber Die Ärsche, die - im Vergleich zu den meisten Krachexperimenten hier - recht soliden Deutschpunkrock machten. Damals genau das Richtige für mich & meine Leute, und noch dazu die erste Punkrockband, die wir damals wirklich wahrhaftig live gesehen haben! Der Name schien mir immer auch eine lustige Anspielung auf die "beste Band der Welt" zu sein, die seinerzeit ebenfalls hoch angesagt waren bei uns. Jedenfalls: die Songs der Ärsche kopierte ich mir sogar auf einen eigenen Deutschpunk-Kassettensampler, der noch Jahre lang auf allen möglichen Tapedecks und Autoradios dröhnen sollte. Später sollte ich einige Bandmitglieder der Ärsche bei unser aller Hanauer Lieblings-Kult-Punkband der damaligen Zeit, den legendären The Swamp (siehe hier), wiedersehen. Wie es dazu kam, weiss der Ex-Swamp Bassist Christian zu berichten:

"Ärsche warn ne Schülerband von der Hola, alles eine Jahrgangsstufe und die gabs dann auch nur solang. Johannes Draxler v./ Christoph Sternal g./ Jens Breyer g../ Robert Wiedemann b./ Gerald Posselt d. Ich sollte ursprünglich singen, kann das aber nicht. Über Hanau kamen wir auch nicht hinaus. Aber auf so einer Schülerdemo auf dem Marktplatz lernte Gerald den Schulz kennen, der da auch spielte, und so ging die Geschichte weiter."


Fremde Stimmen, schreiend ( KomistA, 1986)

Seite A

01. schulcore - müller
02. schulcore - apartheid
03. schulcore - scheiss kohl
04. schulcore - müller
05. schulcore - scheiss thatcher
06. schulcore - jatetuote
07. schulcore - krieg
08. schulcore - müller
09. schulcore - müller
(Track 1-9 sind auf einem mp3, ungeschnitten)
10. hirnsäge - arschloch
11. hirnsäge - stinkis lied I
12. hirnsäge - stinkis lied II
13. hirnsäge - memoiren eines alten säufers
14. hirnsäge - tauber vogel
15. hirnsäge - stinkis lied III
16. die ärsche - die herren der kriege
17. die ärsche - die stadt
18. die ärsche - einmal leb ich nur
19. kollektiv VII - farce
20. kollektiv VII - manipulations-technicken
21. the norman - huono
22. ffs - fremde stimmen, schreiend
23. pogozei - pogozei
24. pogozei - no. 5
25. pogozei - kotzen
26. pogozei - noch'n lied
27. mathe ohne müller - m.o.m. 2
28. tote maschine - phase
29. und dennoch - es ist
30. volksmuzak - blume
31. volksmuzak - ein rhythmus

Seite B

32. seelische zangsjagge - es lebe der kommerz
33. seelische zangsjagge - so endet ein beatles lied
34. seelische zangsjagge - ruhe
35. schulcore - müller
36. schulcore - ei
37. schulcore - kaaos
38. schulcore - suruguhla
39. schulcore - hounontaa
40. schulcore - deine antwort
41. schulcore - krieg
42. schulcore - verkauft
43. schulcore - shit
44. schulcore - mörder
45. schulcore - einige momente
46. schulcore - nicht wichtig
47. schulcore - müller
48. schulcore - apartheid
49. zwei gestrige - selbstdisziplin
50. pogozei - demokratie
51. pogozei - justiz
52. die vergessenen - shanima
53. die vergessenen - komm lieber mai
54. die vergessenen - flohwalzer
55. die vergessenen - the end of the man
56. die vergessenen - tane-nomo
57. bakunin - gottespest
58. bakunin - chemische kriegsführung
59. bakunin - selektiv
60. bakunin - genozid
61. bakunin - frieden durch befreiungskampf
62. volksmuszak - aquarium
63. wäscht noch weisser (porentief) - erdrückende liebe
64. wäscht noch weisser (porentief) - mit dem produkt das bedürfnis produzieren
65. die ärsche - ärsche
66. die ärsche - tschüss
67. die ärsche - mein sohn
68. die ärsche - no name
69. mathe ohne müller - m.o.m.8
70. ffs - fremde stimmen, schreiend



Download 
Part 1 (A-Seite) hier
Part 2 (B-Seite) hier



 v.a. - "Der K-R-S-Sampler"(C-60, RJT, 1988)

Die "Hola" - die Hohe Landesschule Hanau war - und ist - eines der beiden Gymnasien in Hanau, die sich seit - ich schätze immer -  gegenseitig Konkurenz machen. Ich selbst ging auf das andere Gymnasium - die "KRS", die Karl-Rehbein-Schule. Und ich erinnere mich genau, dass ich den "Fremde Stimmen"-Sampler als "Hola-Sampler" wahrnahm (möglicherweise, weil der Freund, der ihn mir geliehen hatte, dort zur Schule ging und das tapes dort in der Schule erworben hatte?). Das ist insofern interressant, weil ich als damaliger Chefredakteur der KRS-Schülerzeitung in diesem Kontext erstmals die Idee hatte, selbst eine tape-Compilation zu veröffentlichen: Den K-R-S-Sampler!

Eine Karl-Rehbein-Schule-Compilation von 1988

Wohl in der Hoffnung, eine Band wie Die Ärsche auch auf der eigenen Schule zu entdecken, stellte ich 1988 als einmalige "Beilage" zur Schülerzeitung eine C-60-Audio Kassette mit Musik von Bands und Projekten von Schülern der Karl-Rehbein-Schule zusammen. Diese - nicht ohne Grund - seit fast 25 Jahren nicht mehr gehörte Compilation zeigt eine völlig andere Interpretation von fremden Stimmen, die hier auch nicht wirklich schreien, sondern sich zweifelhaftem Weichspüler-Pop, Frühformen von Techno (bevor der erfunden war) und dem Blues, immer wieder dem Blues hingeben. Ja, die demokratisch zusammengetragene Tracksammlung ("jeder darf mitmachen, wenn wenigstens ein Bandmitglied auf der KRS ist") ist in einem Wort zusammengefasst: scheusslich.

Der objetiv beste Track auf dieser Kassette stammte von Sedat Gündüz, einem Schüler, der die allerersten Versuche auf seinem neugekauften Yamaha-Keyboard aufnahm und einsendete. Dieses Stück ist so dilletantisch, unstrukturiert und schlecht - und eben doch "herausgebracht" - dass es von vorneherein 10000 Zusatz-Authenzitäts-Punkte einheimst, egal wie sich die Blueser oder die Jungs an den klassischen Gitarren auch angestrengt haben mögen. Ein Paradebeispiel für "So schlecht, dass es schon wieder gut ist"!!


An meinen Wunsch, so etwas wie Die Ärsche auf unserer Schule zu entdecken, kamen allenfalls Stretta heran, eine legendäre Hanauer Trash Metal Band, die immerhin bis 2000 existiert hat - aber mit Trash Metal konnte ich noch nie wirklich was anfangen und deswegen war die Freude über solch durchaus subversive Sounds auf meiner Compilation eher gedämpft... (Stretta haben immer noch eine informative Webseite, siehe hier. Dort konnte man auch alle Demos der Band runterladen - zur Zeit jedoch nicht, weil sie ihren Stoff bei Megaupload hochgeladen hatten! Scheiss FBI!!)

Glück Gluck Glück
Ach so, und noch eine andere Band vom K-R-S-Sampler sollte hier Erwähnung finden: auf dieser Compilation befinden sich zwei Stücke von Glück Gluck Glück, dem 80-er Jahre Kassettenprojekt von mei'm Bruder Raul und mir - die einzigen Stücke, die wir zu Lebzeiten unserer Band je in einer größeren Stückzahl (immerhin 50 Stück) veröffentlich haben. Einen der Songs, "Der Sinn", spielten wir auch später noch als Asozialsky und Hatsch (und kann auch auf diesem tape gefunden werden!). Passt also, wenn dies auch die ersten beiden Stücke sind, die hier auf unpop von Glück Gluck Glück zu finden sind. Weitere werden noch folgen, irgendwann!





Der K-R-S-Sampler (1988)

A1. Just 4 - Zart
A2. Just 4 - The Crystal of Salt
A3. Just 4 - The Promise
A4. Crossroads - Depressive Cities
A5. Crossroads - Sweet Home Chicago
A6. Kurt Schellhaas & Henning Vogel - Toccata
A7. Kurt Schellhaas & Henning Vogel - Duo Concertante
A8. Kurt Schellhaas & Henning Vogel - Tango
A9. Sedat Gündüz: The First Try

B1. Bluesedelic - E String Blues
B2. The Random Melody Project - Pappet-onna-String
B3. The Random Melody Project  - Electronic Arena
B4. The Random Melody Project - Medien Echo
B5. Glück Gluck Glück - Der Sinn
B6. Glück Gluck Glück -  Neunzehnhundertachtundachtzig
B7. Stretta - Stretta
B8. Stretta - Into the Abyss
B9. Stretta - Coroner
 

Download hier


(Danke an Robert, Norman & Christian für Informationen!!)

Here are two very different examples of old tape compilations from the eighties that were important for me. The "Fremde Stimmen, schreiend" tape was the first release on the legendary tape label "KomistA" and I was delighted when I first heard it because I realized all you had to do was to get together all the guys doing more or less interesting noises and put them all on one tape and suddenly it all was interesting!!  From there I started do do my own tape label "schweinehundtapes" some years later. My first compilation tape however was the "K-R-S-Sampler", a compilation made for the school magazine i was publishing then.  It contains a lot of bands of all styles - but in no way as radical as those on the KomistA tape. Most of these Pop/Electronic/Blues-bands here are pretty boring and uninteresting if you listen to the tracks today. But regarding the beautiful unpop-media universe, there's one important thing about this tape: it contains the only two ever released tracks by  "Glück Gluck Glück" the band/ tape project by me and my brother Raul (which aren't too good as well but are of historical importance! For me at last!).

Donnerstag, 2. Februar 2012

"Die Sex Pistols waren ja gar keine richtigen Punks"

Ein kleines Wunder aus der Welt der privaten Pop-Archäologie: Nachdem er ein Jahrzehnt lang als verschollen und das Orginal-Masterband als gelöscht galt, ist eine fast vollständige Kopie des (wenigstens für uns) legendären Asozialsky und Hatsch-Spielfilms „The Great Rock‘n‘Kohl Schwindl“ von 1988 aufgetaucht. Leider sind die ersten ca. 5 Minuten dieses Filmes überspielt worden, aber unter Verwendung eines ebenfalls aufgetauchten Bandes mit Outtake-Szenen konnte ein alternativer Anfang geschnitten und der verlorengeglaubte Film zu neuem Leben erweckt werden.


"The Great Rock'n'Kohl Schwindl": Die DVD

Den Film „The Great Rock‘n‘Kohl Schwindl“, der die schier unfassbare Karriere einer durch und durch unglaublichen Zwei-Mann-und-ein-Drumcomputer-Punk-Band namens "Asozialsky und Hatsch" - auch von der entmenschten Seite - beleuchtet, drehte die Band gemeinsam mit einigen Freunden und einigen befreundeten Bieren in ihrem Elternhaus.  Im Jahre 1988, zu Zeiten der Schreckensherrschaft von Helmut Kohl. Angereichert sind die fiktiven Spielszenen mit schlecht ausgeleuchteten Orginal Livemitschnitten von Konzerten der Asozialsky und Hatsch "Fuckin' For Fleischmann 1988"- Hessentour, die sie auf die Bühnen so berühmter Rock'n'Roll Spielstätten wie etwa das Anglerheim Oberissigheim oder den Partykeller von Fisch führte. Ausserdem zeigt der Film die einzig existenten Filmaufnahmen des noch viel berühmteren Kultkaninchens Fleischmann.


Kultkaninchen Fleischmann auf DVD!

 
Now NOT on youtube!
Angereichert mit etlichem Bonusmaterial ist der Film ab nun auf selbergebrannter DVD bei unpop-media erhältlich. Als Hommage an den echten Untergrund aus der Zeit vor dem internet ist er jedoch ausschliesslich über die direkten Kanäle zu beziehen: kein Vertrieb, kein Download, kein youtube. Wer ihn will, muss sich melden! Wie früher.

 
A&H schreiben einen Hit

  
„The Great Rock‘n‘Kohl Schwindl“
Ein Punkrockfilm von 1988. Länge: 41 min. Farbe!
Mitwirkende: The Asozialsky und Hatsch, Karsten Viscious, 
Fisch, Jenz, Sören, Lara. 

Regie & Musik: The Asozialsky und Hatsch.
Restauriert, repariert und digitalisiert von Torstn Kauke 2009.

Bonus Features:
  • „The Great Rock‘n‘Kohl Schwindl“ - Outtakes, die eigentlich niemand  sehen will (8:39)
  •  The Asozialsky und Hatsch - Live at Fisch‘s, Hanau Mittelbuchen, 5.11.1988 (40:33)
  • The Asozialsky und Hatsch - Live im Anglerheim, Oberissigheim, 3.12.1988 (16:41)
  • Eindrucksvolle Diashow mit Filmstills, Livefotos, Musik und anderen Dokumenten aus der völlig verrückten Asozialsky und Hatsch-Punkrockwelt von 1988
 
Drogen, Sex und Punkrockmusik
 
Ihr dürft ihn "Fränk" nennen!

A&H präsentieren ihr neues Livealbum (siehe hier)

 
P.S. - Das Zitat aus der Überschrift zu diesem post stammt übrigens von A&H- Bassist Hatsch - aus dem Orginal Anfang des Filmes, der leider gelöscht wurde. Mehr rückt das Langzeitgedächtnis davon nicht mehr raus, aber da dieses Zitat Konzept, Inhalt und Moral des gesamten Filmes in wenige Worte zusammenfasst, wollte ich es euch auf keinen Fall vorenthalten.

Ein bisschen doch auf youtube: Hier ein Asozialsky und Hatsch Live-Mitschnitt, der auch im Film vorkommt:




DVD-Release of the legendary lost Asozialsky und Hatsch-Punkrock movie "The Great Rock'n'Kohl Schwindl", filmed in 1988 and then lost for nearly 10 Years until a copy of it resurfaced somewhere. This DVD-Release is a hommage to the 'real' underground: it's not available anywhere except at unpop. No download and not on youtube (except for the short clip above). Something you can't have too easily!


Dienstag, 31. Januar 2012

Damals, im Jahr der Kuh...

 
Torstn Kauke: 
"Das Jahr der Kuh /Aufgeschlitzter Neil Young"
(unreleased sound collage tape, C-30, 1993)


Seit Wochen betreibe ich Hardcore-Archiv-Digitalisierung auf allen Ebenen: während alte Audiotapes von 1986 bis 1996 direkt in den Digitalrekorder laufen, scanne ich dazu parallel unentwegt alte Flyer, Broschüren, Hefte, Comics aus Tagen der glorreichen Künstlergruppe KIX oder editiere alte Videomitschnitte.  Dass das eine aufregende Arbeit ist, kann sicher jeder nachempfinden, der auch mal den Job des Archiv-Verwalters bei seinen Lieblingskünstlern ausüben durfte. Schade ein bisschen nur, daß ich selbst mein Lieblingskünstler bin, denn ich bin leider ausserstande, mich für die geleistete Arbeit auch angemessen zu bezahlen. Naja, macht nix, ich werde dafür anderweitig belohnt. Mit dem trügerischen Gefühl von Ewigkeit, den analogen Kram und die gilbbedrohten Papierberge mit der Digitalisierung vor dem Vergessen bewahrt zu haben (wobei wir da natürlich erstmal sehen müssen, inwieweit das neue Windows 2040 (wenn es erscheint) die erstellten Daten überhaupt noch lesen können wird!) und mit oh! so süßen Erinnerungen

Wobei: das beste sind natürlich die Entdeckungen an die man sich überhaupt nicht mehr erinnert...
Aus dieser Abteilung "Komplett vergessen" stammt das heute vorgestellte tape, das die letzte 19 Jahre in einer nie mehr geöffneten Pappschachtel verbracht hat, bis ich es neulich plötzlich erstaunt in Händen hielt. Es handelt sich hierbei um zwei Soundcollagen, die ich 1993 als Eröffnungsmusik für eine KIX-Veranstaltung in der Hanauer Schweinehalle... komponierte? ...erstellte? ...mixte?
Als Basis hierfür diente eine alte Audiocassette, die beidseitig mit Neil Young Musik bespielt war und auf dem Vierspurrekorder auf unterschiedlichen Geschwindigkeiten abgespielt wurde. Dazu wurden weitere Soundquellen gemischt und das ganze durch Delay, Echos, Verzerrer und was weiss ich noch alles geschickt.
Eine düstere Melange aus Stimmfetzen (immer wieder sticht die markante Stimme Neil Youngs raus und klingt dabei im wahrsten Wortsinn aufgeschlitzt!) plus seiner jetzt rückwärts gespielten Gitarre schwebt da aus den Boxen, überlagert von seltsamen Sprach- und Geräuschtapes, von denen ich beim besten Willen nicht mehr sagen kann, wo die herkamen und ob ich die extra für das Stück aufgenommen hatte. 

Das ganze erinnert mich mal ein bisschen an John Lennons "Revolution #9", dann mal an klassisches Tapegefrickel von Klassikern wie Eimert, Schaefer, Stockhausen (- nur nicht bescheiden sein mit den Referenzen!).
Moderne Bezeichnungen für solche Sounds schießen mir durch den Kopf - Drone, Noise, Dark Ambient, vielleicht sogar Mashup oder gar Remix? - und versetzen mich ich echtes Erstaunens darüber, was ich in den Neunzigern so alles betrieben habe...

Ein Stück selber gemachte Noise-Kunst, neunzehn Jahre gelagert. Wär das Malzschnapps gewesen, hätten wir hier nun einen teuren Whisky vor uns stehen! Und so - mit den Augen des Whisky Connaisseur - sollte man dieses tape auch geniessen (und nur, wenn man den Geschmack überhaupt mag).
Und das ist nur der Anfang, der erste post einer neuen Reihe mit experimentellen Aufnahmen, die ich in den letzten Jahrzehnten eingespielt, aber nie veröffentlicht habe, weil der Pop immer den Zuschlag bekam vor dem Lärm. Und weil's hier ja eh egal ist, ob sich das auch tatsächlich jemand anhört.   


 Das Jahr der Kuh - auf dem Titelbild von KIX #19
 

Das Jahr der Kuh

Anlass für dieses Tape war ein Konzert - naja, eigentlich schon eher ein Happening mit zusätzlichen Ausstellungen & Performances - aber natürlich rockten die Kaktuxxe als Hauptattraktion schwer ab an diesem Abend, im Jahre 1993. 

Und 1993 hatte die Künstlergruppe KIX - ohne irgendjemandem genau zu erklären, warum eigentlich? - zum Jahr der Kuh erklärt (und das bereits 16 Jahre, bevor das gleichnamige Jahr im chinesischen Horoskop dran war).

Diesem "Festjahr" lag eine tollkühne Ideologienmischung aus Hindu-, Vegetar- und Dadaismus zugrunde, die in erster Linie dazu diente, Aufmerksamkeit zu erzielen, das selbstverlegte Comicheft interessanter zu machen und ganz einfach auch ungeniert und lauthals in der Öffentlichkeit muhen zu können! 


Sagte "Muh" im Jahr der Kuh (1993): Die KIX-Family
(v.l n r.: Rautie, tvuzk, döz, steff a.k.a. Holly Golightly, Raul, Pepi)

























Spastelbogen aus
dem
"Jahr der Kuh"

Dennoch war das mit der Kuh nicht alles  ausgemachter Blödsinn, denn es beflügelte die Künstlerfantasie immens und schuf Charaktere wie z.B. Loretta, die Kuh, die noch viele Jahre im KIX-Universum herumspuken sollten und immer wieder mal - hier in einem Song, da in einem Bild, dort in einer Comicstory - auftauchten. Und das öffentliche Muhen, vergesst das öffentliche Muhen nicht!

Nun gut, das ist ein Thema, das an anderer Stelle noch weiter ausgelotet werden kann (im Download enthalten ist z.B ein 4 seitiger Artikel aus dem Fanzine "Der innere Schweinehund", der sich genauer mit dem Phänomen "Das Jahr der Kuh 1993" auseinandersetzt), hier dient es eigentlich nur dazu, mit Texten, Zeichnungen und Fotos aus dieser Zeit diesen post interesanter zu machen, da das Stück auf der A-Seite ja nunmal passenderweise "Das Jahr der Kuh" heisst.
Mieser Trick, aber funktioniert!

Download "Das Jahr der Kuh" - Mediafire




I'm very sure, you all know this feeling: you dig in your old tape archive and suddenly you find a tape you haven't listen to for about 19 years and when you listen to it you realize that these two dark sound collages from 1993, based on an old audiotape with Neil Young songs played in reverse, mixed  with other sound and speech tapes and sent through a lot of delays, reverbs and distortions might today be called Drone, Noise, Dark Ambient, maybe Mashup or even Remix? Yes, you sure know that! And guess what: it happened to me again today. Take a listen! (This has absolutly nothing to do with cows. Don't ask about the cows!)

Samstag, 28. Januar 2012

Fishkicks on Film!

 
 
Nachdem sie nun endlich im letzten post vorgestellt wurden, hier nun gleich hintendran: ein audio-visueller Galopp durch die Geschichte der Punkband Fishkicks. Unter Zuhilfenahme eindrucksvoller historischer Videoaufnahmen, die der Flo aus seinem Archiv gezaubert hat. Teilweise allerdings so historisch, daß man leider auch nicht viel darauf erkennt... Unsere alten dampfbetriebenen VHS-Kameras vor 20 Jahren konnten halt noch nicht so gut bei absoluter Dunkelheit filmen wie das eure Apfeltelefone heute können. Aber mit etwas Fantasie wird es gehen! Mit etwas Fantasie geht nämlich fast alles!
 
 
 
 
Hier nun also ein wenig schlecht ausgeleuchtete Liveaction auf verschiedenen Bühnen in und um Hanau herum, 1991-1993. Kinners, was warn das für Zeiten:
 
 









Und nun bei Fishkicks daheim! 1993 in unsrem Proberaum im altehrwürdigen Schloss Philipsruhe, brav probend. Dies ist aus der Spätphase der Band, mit Songs vom letzten fishkicks-tape von 1993 (das natürlich auch demnächst hier gepostet werden wird!). Ich hatte keine Erinnerung mehr daran, daß wir diese Videoaufnahmen gemacht hatten, ich wette, du auch nicht, Raul? Danke nochmals dem Hernn Drössler für's sichten und digitalisieren:









 
 
 
 
 
 
 
 
 
Fishkicks:

tvuzk - git/bass, voc
Raul - bass/git, voc
Flo - drums, voc



Fishkicks playing live in Hanau/ somewhere else in Hessen (maybe JUZ Gelnhausen) and in their practicing room inside the famous Schloss Philipsruhe in Hanau/ Hessen/ Germany. 1991-1993. Sorry: Some of this is very rare historical material - if you can't see anything, it's because you can't see anything.
 

Mittwoch, 25. Januar 2012

Ich glaub mich tritt ein Fisch!



Fishkicks: Sommer 19/90
(C-46, 1991, sht 010)


Die Fishkicks, jaja die Fishkicks... Wieso zum Teufel steht hier im blog bisher eigentlich so wenig über die Fishkicks? Die allerschrägsten und/oder unanhörbarsten Magnettonbänder habe ich hier schon mit Freude diskutiert, aber diese solide kleine Hippie-Punkband wurde bisher schmählich übergangen!


Hippie Punk.
Hippie Punk?? Eigentlich wollten die Fishkicks ja Deutschpunk sein - bei 50% der Stücke kann man einen überdeutlichen EA80 und Boxhamsters-Einfluss heraushören - die übrigen Songs waren aber gerne auch mal getragene Indierock-Nummern, zaghafte Hardrockversuche (unter dem Einfluss von Rauties 70-er Jahre Schallplattensammlung, die wir damals für uns entdeckten) oder eben auch richtige Hippie Balladen! Gerne verunsicherten wir vor allem orthodoxe Punker mit der Bemerkung, daß wir tief im Herzen ja eigentlich Hippies seien.... "Na klar, ihr hängt ja auch in einer Künstlerkomune rum, natürlich seid ihr welche!" Hat zwar nie einer von denen geantwortet, aber ich vermute, so haben sie sich's erklärt. Und ja vielleicht sogar recht damit gehabt?

Diese stiefmütterliche Behandlung, die sich die Fishkicks seit fast 5 Jahren hier auf diesem blog gefallen lassen müssen, ist irgendwo symptomatisch für die gesamte Geschichte der Band. Dauernd war (und ist) was anderes wichtiger als die Fishkicks und sie kamen damals, in den Neunzigern bei der Künstlergruppe KIX meistens zu kurz - die zahlreichen übrigen KIX-Aktionen/ Ereignisse/ Bands bekamen immer wieder gerne den Vorrang... Na ja, eigentlich der übliche Ärger mit Zweit- oder gar Drittbands. Zuwenig Zeit, alles zu machen, was man machen will.


Fischtritt-Illu von Raul

Der Anfang.
Aber erstmal von vorne:
Raul und ich hatten einen Stapel neuer Songs, die wir "als Projekt" mit dem Schlagzeuger der Schwiegersöhne - Florian Dröse - auf dem Vierspur Kassettenrekorder aufnehmen wollten. Eigentlich wollten wir also nur mal so'n bisschen rummachen - aber dann wurde es gleich mehr! Denn wir bemerkten schon nach den ersten Sessions sehr schnell, daß der musikalische Input, den der Flo gab, sich ideal mit unseren Ideen verband, ja, dass er eigentlich genau der Drummer war, nach dem wir schon eine ganze Weile gesucht und in unseren Bisherigen nicht gefunden hatten.

"Uns wurde allzu schnell klar, daß der flo mehr als nur ein weiterer schlagzeuger war, mit dem wir Sessions machten: seine brillianten Ideen veredelten diese "nur" raul & tvuzk -sonx in einer solch unverschämten art + weise, daß wir nur so mit unseren 6 ohren schlackerten (und nicht, wie einige schlecht informierte sexisten in der spex schrieben, mit den Hoden!): A STAR WAS BORN: Wir nämlich." (aus dem Booklet zum tape)

Wir nahmen also in diesem Sommer - 1990 natürlich - annähernd vier Stunden Material auf, entwickelten sowohl neue Songs als auch neue Arrangements für Alte - und entdeckten den Spass, den richtige Hippies an ausschweifenden Improvisationen haben können. Als wir nach ca. 3 Wochen täglicher Recording Sessions mit unseren Aufnahmen soweit fertig waren, daß der Gesang auf die Musik aufgenommen werden sollte, geschah dann leider folgendes: unser Vierspur Rekorder verreckte!


Fischtritt-Illu von Rautie


Eine Reperatur musste aus Geldgründen erstmal aufgeschoben werden, kurzfristig war das viele viele Geld (über 100 Mark!!) bei unseren Lebensumständen damals nicht aufzutreiben - das Projekt schien schon gescheitert! Dann kam auch noch unser Comiczeichner-Kumpel Rautie früher als erwartet aus dem Urlaub zurück, wo ihm nur Schlechtes und Kostenintensives widerfahren war... die ursprünglich euphorische Stimmung des Sommers 19/90 ging also zielstrebig nach unten!
Dann hatten wir aber die Idee mit der Schweinehundparty!

Die innere Schweinehund Party.
Ein sturmfreies Elternhaus und das gesteigerte Bedürfniss nach Spaß ließ uns auf die Idee kommen, eine Party zu machen. Aber eben nicht nur eine Party, sondern die hochofizielle "Der innere Schweinehund Party" im Namen unseres Fanzines, das sich in seiner zweijährigen Existenz bereits einer großen Beliebtheit erfreute. Der Ruf verpflichtete und so wurde für diese Party verschiedene Spezial-Programmpunkte erarbeitet, die sie von einem normalen Saufgelage unterscheiden sollte: Kunstausstellungen, Videoinstallationen, Haarschneideperformances und nicht zuletzt "Der Kaninchenexpress" - eine Führung in den natürlichen Lebensraum (= das Zimmer unserer Schwester Lara) des berühmten Kultkaninchens Fleischmann (Wer Fleischmann war? Siehe hier).


Introducing the Party:
Rautie hielt die Eingangsrede



Wichtige Gäste wurden eingeladen (neben diversen Größen aus der damaligen Comicszene z.B. auch die Boxhamsters, die - wenigstens teilweise - tatsächlich aus Gießen angereist kamen!). Und als Eröffnungsspektakel also das erste Livekonzert der Fishkicks. Das war natürlich nur halb so spektakulär, wie es jetzt an dieser Stelle klingen müsste, denn unsere ganzen schönen neuen Lieder hatten ja größtenteils noch keine Gesangsmelodien und keine Texte.


Livedebüt: Die Fishkicks live auf der Schweinehund Party


Deshalb mussten wir auf die Nummern zurückgreifen, die wir mit Asozialsky und Hatsch schon seit 2 Jahren spielten (z.B. "Summertime" oder "Kassel" - die Orginalversionen dieser Nummern kann man hier finden). Dazu gab es auch eine Coverversion von Flo's bisheriger Band - Linus Volkmann's Schwiegersöhne (click hier) nämlich - bei unsere Version von "Waffen für die Welt" betätigte sich Flo sogar als der Leadsänger.


Fishkicks live 1990



Sang die alte Schwiegersöhne-Schnulze live: Flo



Erfand den Rock'n'Roll an diesem Abend neu:
Rautie gibt sein Debüt als Sänger



Kritische Blicke der Partygäste während des Fishkicksauftritts
(natürlich völlig zu unrecht kritisch!)



Nabelschau (warum eigentlich??) prominenter Schweinehund
Partygäste:
tvuzk (ich) , Philip (Boxhamsters), Co
(Boxhamsters) und Frunk (Mann der 90-ger Jahre)


Zwei Legenden aus den 90-ern vor dem A&H Banner:
Frunk und Eugen (Sänger der Gießner Kultpunkband
"Eugen & der effektive Jahreszins")



Herbst 19/90.
So also war der Sommer 19/90 wirklich - und schon im Herbst kamen die Fishkicks - wie eingangs schon erwähnt - erstmal wieder zu kurz. Denn statt weiter am Repertoire zu arbeiten, nahmen wir Flo mit zu den Proben der Kacktusse?Punk, mit denen wir uns ja bereits seit 1989 - bisher aber leider eher erfolglos - versucht hatten, die allerkrasseste Punkband von ganz Hanau zu werden.

Mit Florian Dröse am Schlagzeug bekam die Band nun einen agressiven Drive, den die groovigen Rhythmen von Manutchehr bisher nicht erreichen konnten. Und da wir ja lieber Punk- statt Funk-Band sein wollten, konnte sich dieser nun am Mikrofon austoben und - wie man so schön sagt - kreativ entfalten. Nur eben die Fishkicks wurden dadurch schon wieder vernachlässigt, ja beinahe schon vergessen.

Erst Anfang 1991 - der Vierspur Rekorder war endlich repariert - erinnerten wir uns an unsere kleine Sommerpunkband und besangen nun endlich die Stücke aus dem Sommer 19/90. Im Frühjahr erschien es dann endlich - das erste Fishkicks Tape!!
Frühjahr 19/91? Genau, das war die Zeit, in der die Kaktuxxe so richtig loslegten, regelmässige Konzerte in ganz Deutschland spielten, Schallplatten und CDs aufnahmen - obendrein hatten wir auch noch den KIX-Verlag gegründet hatten und arbeiteten fieberhaft an den ersten Comicbuch-Veröffentlichungen... da hat doch keiner Zeit noch Lust, jetzt auch noch die ganzen Fishkicks-Lieder dieser Kassette einzustudieren (geschweige denn die Texte auswendig zu lernen!). Das dauerte noch ein gutes Jahr, bis die Fishkicks dann endlich mal etwas aufdrehten, zahlreiche Konzerte hier und da spielten und auch endlich mal ne eigene Schallplatte machten (mit der wir es hier früher oder später natürlich auch zu tun bekommen werden!).


Fischtritt-Illu von tvuzk


Gut, einige Stücke dieser Kassette waren noch viele Jahre später fester Bestandteil des Fishkicks-Repertoires und erschienen später sogar in anderen Versionen auf Vinyl ("Popstars" und "Glücklichmensch"). Auch Nummern wie "I wish I was Dead" oder "Summertime-Blues" (eine ironische Bluesversion des Asozialsky & Hatsch Kloppers "(I hate the) Summertime", da war schon es wieder, der Hippietum in unseren Punkerköpfen!) wurden gerne gespielt.
Und ganz
besonders das ausufernde ins
trumentale Krautrockstück "Mega" (auf der Kassette 8 Minuten, live selten unter 20) war das Highlight für jeden aufrechten Hippie-Punk auf Fishkicks-Konzerten (von denen dort allerdings meist nur 3 anwesend waren, nämlich wir selbst). Aber Songs wie "Sunshine", "Sommer 19/90" (der Titelsong, mit Congas & Keyboard, was für 'ne Hippiekacke!) oder das hysterische "Rocky Horror" haben wir schlicht und ergreifend niemals wieder live gespielt. Wo wollten wir damit nur hin? Frag ich mich heute. Ein bisschen froh, dort nicht angekommen zu sein.

Auf jeden Fall ist es gut und versöhnlich, dass die Fishkicks jetzt hier auch mit dabei sein dürfen, denn jetzt gibt es das Sommer 19/90 Tape zum kostenlosen Download. Und es enthält natürlich auch das 24-Seitige Booklet, das der Erstauflage beilag: alle Texte handgeschrieben und dazu exklussive und längst vergessene Comics & Illustrationen von Rautie, Raul, Flo und mir.

Download "Sommer 19/90" hier: Mediafire



Bonus!
Als Bonusdownload gibt es ausserdem noch - aus den Untiefen meines Tapearchivs zum ersten Mal hinaus in die Welt - den Orginalmitschnitt vom ersten Fishkicks-Konzert auf der besagten Schweinehundparty (vergl. Fotos oben)!

Hört uns "Durst" spielen (ein verlorengegangener Hi
t, aus dem wir noch viel hätte machen können) oder den alten Gassenhauer "Kassel", hier mit mit Rautie am Mikrofon - und eben auch die bereits erwähnte Schwiegersöhne-Coverversion "Waffen für die Welt" ("...ein Oldie aus den Achtziger Jahren"). Und mehr so Zeug. Wilder, ungestümer Hippie-Punk eben. Das Programmheft zur "Inneren Schweinehundparty" liegt als pdf auch noch bei - mach die Augen zu, dann fühlt es sich an als wärst du mit dabei gewesen. Ja - fast ist wieder 19/90!



Download: "Fishkicks live - Die innere Schweinehund Party 14.8.1990" hier: Mediafire


Finally I've made it! Here is the first Fishkicks post on unpop. Fishkicks were one of my favourite bands I've been in (in the nineties). For almost 5 years since I'm doing this blog i managed to postpone to write about them. Now finally they're here - with their first tape released 1991 and with an original bootleg recording of their first live appearance at the "Innere Schweinehund Party". I guess "Schweinehund" is the only word you understand. And hey - you are right!





Dienstag, 24. Januar 2012

Mega war mega - aber jetzt wird gefeuert!


Geschafft! Alle Files sind wieder da!

Alle posts (bis zurück nach 2007) sind mit frischen und funktionierenden links ausgestattet. Jedes hier vorgestellte tape kann nun wieder heruntergeladen werden (und zwar völlig legal und von den Urheberrechtsinhabern autorisiert)!
Bis auf weiteres erstmal ausschliesslich bei Mediafire. Sobald in der Netzlandschaft wieder klarer ist, wem man sein Vertrauen schenken kann (und wer in Wirklichkeit nur einen Vorwand zum Geldwaschen braucht), wird es auch wieder zusätzliche alternative links bei einem weiteren Filehoster geben...
Bis dahin viel Spass beim stöbern! Wünscht Ihr freundlicher Unpop Media Mitarbeiter von der Re-Upload-Abteilung!
P.S.: Eine Menge brandneue posts warten bereits auf ihren Auftritt - also bleibt gestimmt.

All links are back. All files are hosted for now at Mediafire. A lot of new files are already waiting for you... So stay tuned!