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Mittwoch, 22. Juni 2011

Ein historischer Fund!

HU Punk History Part 11

"Schwiegersöhne live bei Kaukes 1990"
(Privattape, C-20 einseitig bespielt, ca. Oktober 1990)

Dieses hier ist ein sensationelles historisches Fundstück direkt aus dem schweinehundtapes Archiv, von dessen Existenz bis vor Kurzem gar nichts bekannt war...



Die Schwiegersöhne, das waren Ende der Achtziger Jahre die Punkrockband des heutigen INTRO-Redakteurs und Schriftstellers Linus Volkmann, über deren Taten und Skandale an anderer Stelle bereits ausführlich berichtet wurde.

Im Oktober 1990 war das alles bereits Vergangenheit und die Schwiegersöhne sollten ihr offiziell letztes Konzert im Frankfurter Untergrundladen "Negativ" geben. Es fehlte ihnen nur ein Bassist dazu (die Bassistenstelle war bei den Schwiegersöhnen, soweit ich mich erinnere, meistens vakant)...
Für diesen Gig jedenfalls bekamen sie den besten, den sie kriegen konnten! Kurzfristig sprang nämlich mein Bruder Raul, Bassspieler der Kaktuxxe und Fishkicks, ein und wurde ein Konzert lang Schwiegersöhnebassist...



Die Schwiegersöhne live im Negativ/ Frankfurt, Herbst 1990
(links hinten: Volkmann, rechts hinten - im weissen T- Shirt - Raul.
Man beachte auch die legendäre "Schwiegersöhne-Bomberjacke" mit
dem gelben Bandschriftszug (ganz rechts).)



Ob ein Livemitschnitt des Konzertes existiert, weiss ich garnicht - offenbar aber gibt es dieses tape! Ein zehnminütiger Proberaummitschnitt, ca. 2 Wochen vor diesem Konzert im Hobbykeller unseres Elternhauses in Erlensee aufgenommen...

Wir hören, wie sich die Band durch zwei ihrer Hits ("Waffen für die Welt" und "Thaimädchen") kämpft, zwischendurch lauthals die Bühnen-Choreografie diskutiert und noch einen dritten (mir unbekannten) Song anfängt, bevor die Aufnahme abreisst, weil das Band zuende geht und niemand dran denkt, die 20 Minutencassette umzudrehen...


Klar würde das keinen interessieren, wenn hier nicht Linus Volkmann persönlich am Mikrofon stehen würde - dadurch aber wird die Aufnahme historisch auch für die interessant, die das Unglück teilen, nicht aus der Hanau-Szene zu stammen.

Ja, dieser Mitschnitt taugt noch nichtmal dazu, den Volkmann oder seine Ex-Bandkollegen zu dissen, denn die Performance hier ist wirklich gut und - wie oft verlangt und hier auch zutreffend - authentisch! Im Vergleich zu den frühen Dilettanten-Aufnahmen des "Davon Abgesehen"-Tapes sind die Schwiegersöhne hier eine richtig tighte Punkrockband - was neben dem mehrstimmigen Gesang und den obligatorischen Oh-ho-ho-ho-Chören im übrigen nicht zuletzt auch am uhrwerkgenauen Bassspiel vom Raul liegt!



Die Schwiegersöhne live im Negativ/ Frankfurt, Herbst 1990.
(wer tanzt da so ausgelassen vor der Bühne, ist das nicht -...??)


Der Zufall persönlich ist wieder mal dafür verantwortlich, daß völlig unverhofft auch noch die zwei hier abgebildeten Fotografien vom Schwiegersöhne-Abschiedskonzert aufgetaucht sind, die diesen kleinen post wunderbar abrunden.

Download "Schwiegersöhne live bei Kaukes 1990"

Mediafire


This is an interesting find from the bottom of the schweinehundtapes archive. It's "Die Schwiegersöhne", the early punkrock/ funpunk band of Linus Volkmann, today writing for the german "INTRO" magazine and also author of some funny books (all not translated yet, ätschbätsch). This is a historic recording from autumn 1990 of the band practising in the cellar of my parents' house for their farewell gig, together with my brother Raul playing the bassguitar for this event. Here the band sounds tighter and better than on any other known Schwiegersöhne recording!!

Sonntag, 25. Mai 2008

"Gestern noch schlechter Punk, heute schon Legende"


Heute beginne ich endlich mal die Kolumne, die mir schon länger am Herzen liegt - eine Topographie der Spät-Achtziger Hanau Punk-Szene, in der ich und meine Leute aufgewachsen sind... Unter dem Titel "HU Punk History" werde ich nun hin und wieder in die tapekiste greifen und eine von den Kassetten rausfischen, mit denen ich musikalisch nichts zu tun hatte - die aber zur selben Zeit im selben sozialen Umfeld entstanden sind wie mein eigenes schweinehund-KIX-Imperium. Den Anfang soll dabei ein tape machen, von dem ich fast sicher bin, daß es auch überregional für Interesse sorgen wird:


Die Schwiegersöhne: "Davon abgesehen" 1988-1990
(C-60, 1991, Privatveröffentlichung, remastered 2008)


Ja, hier handelt es sich um die einzige veröffentlichte Kassette der Hanauer Punkband, in der Linus Volkmann Sänger und Texter war.
Volkmann ist heute freier Autor und Redakteur beim Musikpropaganda-Magazin "INTRO" und außerdem ein Teil des Elektropopduos "Bum Khun Cha Youth".
Lange aber, bevor es uns Schlümpfe alle mehr oder weniger weit in die große Welt hinausgetrieben hat, waren er und Die Schwiegersöhne fester Bestandteil unseres provinziellen Punkrock-Universums "Hanau und Umland". Das für uns alle irgendwann Mitte der Achtziger begann, als in der damaligen Hauptstadt des kulturellen Hippietums endlich - bloß 15 Jahre verspätet - auch mal Punk vorbeischaute. Lange vor Internet und globaler Information, noch auf handgenähte Fanzines und Mund-zu-Mund-Empfehlungen angewiesen, entwickelte sich ganz langsam eine "lokale Szene". Plötzlich gab es ein besetztes Haus in der Metzgerstraße, ein regelmässiges internationales Liveprogramm mit hippen Bands direkt im Hanauer Kulturbasar (Höhepunkte z.B. My Bloody Valentine 1988 und Nirvana 1989) und dann war es auch schon geschehen: allerhand Jugendliche begannen, ihre Jugend in komischen Bands zu verschwenden.

Den Schwiegersöhnen eilte ein Ruf voraus, der - heruntergerechnet auf das Verhältnis "Die-ganze-Welt zu Hanau" ungefähr dem der Sex Pistols entsprach! Sie trugen uniforme blaue Bomberjacken mit aufgesprühtem, gelbem Bandschriftzug und polarisierten damit die Leute wie eine Rockerbande (ich selbst wurde als Zivildienstleistender Zeuge, wie ganze Dorfgangs Pläne schmiedeten, der gesamten Band aus Maul zu hauen).
Das beste an ihnen aber war: sie waren wirklich Punk, d.h. sie konnten (anfangs) überhaupt nicht spielen, taten das aber trotzdem. Mit einer beherzten Großmäuligkeit und Songs mit Titeln wie "Amnestie für Polizistenmörder", "Sex mit Toten" oder eine Ich-will-Spaß-Coverversion mit dem Refrain "Skinhead, Skinhead hörst du mich, deine Freundin vögel ich"...Was sonst kann man von seiner örtlichen Punkband verlangen?

Dabei findet sich in diesen Stücken - wie bei Frühwerken gern mal üblich - bereits rudimentär alles angelegt, was sich an selbstreflektiven und -kritischen Humor heute auch in Volkmann's tollen Romanen (check hier oder hier) und in seinen Bum Khun Cha Youth -Texten tummelt.
Natürlich ist das auch noch durchsetzt mit Abiturienten-Proll-Humor (wir waren doch alle noch soooo jung!.) und von der damals bei Punkers obligaten politischen Korrektness.
Wenn die sich mit den Jahrzehnten auch bei manchen etwas relativiert haben mag (fleischessen find ich geil), ist doch eine gewisse Grundhaltung zu den Dingen - wie sie sind und sein könnten - zurückgeblieben. Für immer und immer.
Deswegen darf es kein Wunder sein, daß diese Aufnahmen von mir höchstselbst sanft digital aufbereitet und remastert wurden, um euch die bestmöglichste Soundqualität gleich mitzuschenken. Sei es vielleicht für manchen nur aus historischen oder kuriosen Gründen: diese Aufnahmen müssen gehört werden! Auf die herrlich aufschlußreichen Anekdoten im Booklet sei da nochmal extra verwiesen (welches natürlich als pdf dem Download beiliegt...)

mediafire



Die Schwiegersöhne: Alkoholiker

Dienstag, 13. Mai 2008

Hilfe, hilfe, sind Sie Arzt ?


Bum Khun Cha Youth "Am Strande von St. Antoine"


Zwei emails der Bum Khun Cha Youth zum video:

1. offiziell
"liebe freundinnen und freunde, liebe gäste, ja, toll. wer bekommt nicht gern dauernd links von allem und jedem geschickt? hier ist zumindest unserer. also der von bum khun cha youth. rummelplatz, männerschwarm und kein fleisch. besser ging’s nicht. beste grüße, linus"
2. privat
"kleintiere is the nigger of the world. wurde zumindest gerade eben im fernsehen gesagt. habe aber nur halb zugehört. vermutlich war der satz doch in den details anders. hier jedenfalls noch mal an deine funktionierende adresse das video mit uli. wir haben es schön schwul gehalten, wie du es so magst. und bei dir so? schon voll? oder wieder?"

Donnerstag, 12. Juli 2007

"Zuhause mit der doofen Weltschmerzplatte einen Nachmittag verbracht"


Bum Khun Cha Youth - "Ersatzpunk" ( 7'' Vinyl Single, Kaleido/Rock-o-Tronic Records, 1997)

Diese Platte dürfte wohl, wenn man internet-wikis wie
indiepedia Glauben schenkt, mein musikalisches Hauptwerk darstellen! (...das kommt davon, wenn man erst 2007 auf die Idee kommt, der Welt vorzubloggen, bei wievielen anderen Gelegenheiten es Einritzungen ins eigene künstlerische Kerbholz gab.).

Die Bum Khun Cha Youth - benannt nach dem koreanischen 70-er Jahre Eintracht-Frankfurt-Spieler - war (und ist) die Band von Linus Volkmann. Ja, der Volkmann, den man aus der Musikzeitschrift "intro" oder gar aus seinen eigenen köstlichen Büchern kennen könnte (=sollte).
Volkmann und ich kennen uns noch aus alten Hanauer Deutsch-Punk-Tagen, in denen wir beide in entsprechenden Bands spielten (er: "Die Schwiegersöhne", ich: "Asozialsky und Hatsch"). Das, liebe Kinder, war sogar noch in den Achtziger Jahren. In den Neunziger arbeiteten wir beide beim legendären "Komm Küssen"-Fanzine und zu ungefähr dieser Zeit war es auch, daß die erste Platte seiner Band aufgenommen werden sollte. Ihre ersten Studio-Aufnahmen waren der Band aber zu "clean" und aus diesem Grund wollten sie alles nochmal in dem primitiven 4-Spursound einspielen, mit dem ich damals meine zahlreichen Schweinehundtapes produzierte. So kam es zu einem exzessiven Recording-Wochenende im KIX-Proberaum, bei dem wir 5 Songs aufnahmen. Und weil die keinen Bassisten hatten, spielte ich das Instrument selber, nachdem man mir schnell die nötigen Akkordwechsel erklärt hatte (war ja Punkrock, ging also schnell). Das ist quasi die ganze Geschichte meiner Bum Khun Cha Youth-Karriere. Letzten Endes entschieden sie sich dann doch zu 75% für die ursprünglichen Studio-Aufnahmen (auf denen ich NICHT Bass spiele!) - aber mit der Lo-Fi Version von "Nicht so Egal" kam dann immerhin ein Stück dieser Session doch noch auf die Platte. In den nächsten 2 Jahren gab es noch ein paar weitere Versuche von mir, Bum Khun Cha-Material zu bearbeiten (da liegen noch einige interessante, nie veröffentlichte Remixe von Superstolk 2000 auf meiner Festplatte...), aber irgendwie kamen all die Versuche dann nie wirklich zu einem Ergebnis. Schade.

Findense also hier - die Ersatzpunk-EP der Bum Khun Cha Youth.


LINKPARADE:
Lesense hier alles relevante zur Band auf der Bum Khun Cha Youth-Fanpage.
Kaufense
hier noch erhältliches Vinyl der Band. Erfahrense hier alles über die famosen Bücher von Sänger und Bum Khun Cha Youth-Chef Linus Volkmann (aber bestellense die nicht direkt dort sondern supportense lieber ihren local bookshop!). Informierense sich hier über die bald anstehende Veröffentlichung des neuen Albums "Alarm! Hanns-Martin ist verschwunden".

BONUSTRACK:
Weil es so gut passt (und ich ja nicht ausschliesslich fremde Platten illegal ins Netz stellen will), gibt es hier doch mal einen der noch nie zuvor veröffentlichten Superstolk-Remixe. Dieser ist zugegebenermassen etwas sehr Wall-of-Sound-verliebt, enthält aber immerhin eigens eingespielte Synthesizerparts von mir. Was immer ich damit sagen will.


Bum Khun Cha Youth (feat. T. Kauke) - Nicht so egal (LoFi)