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Samstag, 22. Dezember 2012

Wir warten auf's Kristkind No.5

Hanau Punkrock History





Kaktuxxe: "Das Kaktuxxe Archiv Volume 2, 1990-1991" (C-60, 1991, Privatveröffentlichung)

Was es auf sich hatte, mit den "Archivtapes" der Kacktusse/Kaktuxxe konnte man ja bereits vorgestern im post für Vol. 1 lesen. Wie die erste Ausgabe so enthielt auch diese zweite (und leider letzte) Ausgabe des "Kaktuxxe Archivs" Studio-Outtakes, Demos, Proberaum-und Live Aufnahmen der Band aus der Zeit von 1990-1991, die, zusammengestellt von ihrem Rhythmusgitrarristen (also mir), der Band zu Weihnachten 1991 liebevoll kredenzt wurde.
Dieser zweite Teil ist besonders interessant wegen der zwei Studio-Outakes von der (hier bereits ausgiebig dokumentierten) Studio-Session für die erste Kacktusse-Single "Fight The Nazi Baby". Hier finden sich nämlich der längst vergessene "Take 1" des Titelstücks (mit geflangter Gitarre) sowie die komplette Version des obskuren Jazz-Stück "Das Jäzzige", das schließlich nur als kurzer Instrumental-Schnipsel auf der Platte landete, ursprüngliche aber eine Zweiminütige Funk-Nummer mit Gesang gewesen war. Beide Mixe wurden am ersten Aufnahmetag schnell mal auf Kassette gemischt und anschliessend verworfen und die Orginalspuren gelöscht. Die beiden Rough-Mixes dieser tapes finden sich hier - und nur hier - auf dieser Kassette!

Daneben finden sich viele Proberaum-Aufnahmen aus dem damals frisch bezogenen Proberaum im Turmzimmer des Hanauer Schloss Phillipsruhe, an dem wir endlich ausschweifend die ganze Nacht durch jammen konnten, ohne einen Anwohner zu stören. Der Hall auf den Aufnahmen ist erstaunlich - und natürlich, so klang es damals im Turmzimmer - und auch deshalb ist es kein Wunder, dass sich der ursprünglich sehr trockene und dreckige Punkrocksound der Kacktusse?Punk? (vergl. Volume 1) in diesen Jahren immer mehr in sphärisches Hippie-Kraut-Gedröhne verwandelte - ein Titel wie "Grobschnitt-Session" sagt dazu ja wohl alles! Und sogar alter 70-er Rock (wie Lou Reed's "Sweet Jane") wurde bei uns wieder salonfähig! Eine besonders ausschweifende akustische Version des Kacktusse-Shanties "Sailor" stammt z.B. aus einem gemeinsamen Bandurlaub in (natürlich) Holland! Weiterhin finden sich viele Live-Mitschnitte der zahlreicher werdenden Konzerte auf dieser Kassette, dabei auch so Eskapaden wie "Smoke On The Water", dass ich mich nur Linkshändig zu spielen bereit erklärte (und das auch entsprechend klingt!).
Ja, auch weitere Live-Mitschnitte aus diesem kultigen Keller-Konzert in Hanau 1991 sind auf der Kassette enthalten:



Im Gegensatz zum ersten Archiv-Tape fügte ich diesem zweiten Tape sogar noch ein kleines Booklet mit erläuternden Informationen bei (das nun im Download als pdf beiliegt und hoffentlich auch weiterhin erklärende Wirkung hat!).

"Das Kaktuxxe Archiv Volume 2, 1990-1991"
A1. Nazi Baby (Studioversion Take 1)
A2. Das Jäzzige - Vokalversion (Studio Outtake)
A3. Try to give love (Improvisation)
A4. Sweet Jane
A5. Faschos und Krawall (Vokalversion)
A6. Glückliche Welt (Liveimprovisation 12-90)
A7. Im Strumental (Liveversion 1 & 2, 12-90)
A8. Im Strumental  (Live im Proberaum Version)
A9. GDR
A10. Rock'n'Roll Lärm
A11. Grobschnitt-Session Part 1
A12. Grobschnitt-Session Part 2
A13. Das Jäzzige '91


B1. Old Men (JUZ Langenselbold, Feb 91)
B2. S.P.A. (JUZ Langenselbold, Feb 91.1)
B3. Der Kleine Spatz ( Live Hanau Feb 91)
B4. Smoke on the water ( Live Hanau Feb 91)
B5. GDR (Demo)
B6. Sailor (akustisch) (Live in Holland Apr 91)
B7. Kleine Laterne (Live-Improvisation März 91
B8. Little Birdies (Live Hanau Mai 91)
B9. Ten Years Part 1  (Live Hanau Mai 91)
B10. Ten Years Part 2  (Live Hanau Mai 91)
B11. Alkoholiker '91


Download "Das Kaktuxxe Archiv Volume 2, 1990-1991" hier




Und hier wieder ein paar obskure Kaktuxxe-Fotos (diesmal eine "Instrumental"-Portrait-Serie der Band):

Flo

Raul

Pepi

tvuzk

Blick in den Proberaum im Turmzimmer
des Schloss Philippsruhe in Hanau


Second Edition of the "Kacktusse Archiv Tape" (but the band's name was now written "Kaktuxxe") containing Live- and Demotracks from the years 1990-1991. The most interesting tracks might be the two studio outtakes from the recording session od our first 7'' Singles that were mixed down only once to tape and than wiped out. Just like the first edition, this tape was never oficially "released" but only handed out to the band members in an edition of 10 as a Xmas gift in 1991. Now for the whole world to hear (and hey, isn't that exactly what the world wants today, right??)

Mittwoch, 18. Juli 2012

Frühe Abenteuer der Verlassenen


HANAU PUNKROCK HISTORY PART Soundsoviel:

Forsakes - "Early Demo Tapes 1991" (unveröffentlicht)

Forsakes - "Wrong" (C-30, No Label, 1992. Reissue: schweinehundtapes 1993, sht022)

Forsakes live 1993

So - ich finde es wird Zeit, mich hier wieder mal historisierend zu betätigen und der wahrscheinlich niemals endenden Saga von den wilden Punkrocktagen meiner verschwendeten Jugend in Hanau ein neues Kapitel hinzuzufügen.

Und was für ein Kapitel!
Denn hier kommen die Forsakes - die Urformation jener Hanauer Punk- (oder "Grunge"? Oder "Alternativ Rock"?)-Band, die es schliesslich, Jahre später und nach einigen Umbesetzungen, unter dem Namen "Seesaw" am "weitesten" von uns allen gebracht hatte, mit Major-Plattenvertrag, Tourneen, Festivalauftritten und was weiss ich noch alles.

The Forsakes - den Name fand ich immer ganz schön seltsam, denn sie nannten sich nicht "The Forsaken" oder "The Forsaking" oder sowas in der grammatikalisch korrekten Art sondern eben "The Forsakes", was sich also in etwa als "Die Verlässt" übersetzen ließe, wenn man kleinlich sein will (will ich aber nicht). 

The Forsakes also entstanden aus den Resten der legendären Funpunk-Kapelle "Die Schwiegersöhne", bei denen der Linus Volkmann (vom Intro) Sänger war (und deren nur unter Vorsicht geniessbares Gesamtwerk seit Jahr und Tag hier zu finden ist).

Die Ex-Schwiegersöhne Lothar Müller (git, voc) und Christian Horn (bass) planten nach dem Ende dieser Band einen neue Formation und fanden in diesem Plan Unterstützung von niemand anderem als Frunk, dem Ex-Schlagzeuger der No Funny Handtoys/Asozialsky und Hatsch (- also die Bands in denen ich selbst und mein Bruder Raul die Chefs waren). Wie unser Schlagzeuger Frunk damals aus dieser unsren kleinen Band durch Umstände wie Zeit und Material rausgemobbt wurde, habe ich ja auch schon ausführlich berichtet, und zwar genau hier.
Seit Herbst 1990 probte die neue Band also zusammen, und zwar, soweit das mein Langzeitgedächtnniss noch zusammenkriegt, im ehemaligen Friseursalon von Christian Horn's Mutter, dem legendären echten "Salon Exquisit". 
Mitte 1991 hatte das neuformierte Trio schliesslich genügend Songs geschrieben und einstudiert, daß es für sie an der Zeit war, diese für ein erstes Demo-Tape auf Magnetband zu bannen. Und wen fragte man anno 1991 in Hanau, ob er diesen Job für einen erledigen könne? Na klar, den Chef vom "Inneren Schweinehund" und dem dazugehörigen Tape-Label "Schweinehundtapes". Und der war ich.

So kam es also, dass sich die Forsakes an einem Juli-Wochenende 1991 mit ihren Instrumenten und ihren Songs im Turmzimmer des berühmten Hanauer Schloss Phillippsruhe einfanden. Denn dort hatte die Künstlergruppe KIX bekanntlich einen elfenbeinturmartigen, feudalen Proberaum, wo sie mit ihren Bands Kaktuxxe, Fishkicks und Holly Golightly probten, und das oftmals bis spät in die Nacht (wenn sie dort keinen anderen, verbotenen Unsinn trieben!).

Dort spielte die Ur-Besetzung der Forsakes also - unter meiner "Tonregie" - ihre allerersten Demoaufnahmen ein. Live auf zwei Spuren aufgenommen und mit Gesangs-Overdubs versehen war das natürlich immer noch die denkbar trashigste Aufnahmemethode, aber wir waren jung und anspruchslos bzw. hatten weder Ahnung, wie man es besser machen konnte, noch Geld für das dafür erforderliche Aufnahme-Equipment.

Ach richtig - und es gab auch noch einen weiteren Grund, diese Aufnahmen zu machen, plante ich doch zu dieser Zeit die Veröffentlichung meiner enthusiastischen Compilation-Kassette "Der zweite innere Tapesampler", auf dem ich auch unbedingt ein Stück der Forsakes haben wollte. Und da sie keines hatten, musste ich es also selber aufnehmen. Ihr damaliger Hit "K.W.", aufgenommen während dieser Session, fand sich dann natürlich auch auf diesem Sampler (wie man hier detailreich lesen und hören kann ) - und ist wohl auch das einzig jemals 'offiziell' veröffentlichte Stück aus dieser Aufnahmesession.


Forsakes' erste Demo-Session 13.7.91.
hier: Christian Horn am Bass.

Forsakes' erste Demo-Session 13.7.91.
hier: Frunk.
Obwohl der Sound also eher scheiße ist, obwohl die Band noch längst nicht so eingespielt klingt, wie sie es später - vorallem mit ihrem zweiten Gitarristen Matze - war, obwohl die Gesangslinien bei Lothar streckenweise noch nicht hundertprozentig sitzen und obwohl Frunks Charme immer größer als sein Schlagzeugspiel war (- nur der Horn macht hier schon alles richtig!) - trotz all dieser 'künstlerischen' Vorbehalte, die man diesen Aufnahmen entgegenhalten könnte... - ich finde, man hört bereits hier das gewaltige Potential und das "echte" Pop-Appeal heraus, das die Band später eben zur beliebtesten und erfolgreichsten Band aus unserem kleinen Provinzsumpf machen würde.


Forsakes' erste Demo-Session 13.7.91.
hier: Lothar Müller.

Forsakes' erste Demo-Session 13.7.91.
hier: Der Herr Produzent Torstn Kauke.

Forsakes' erste Demo-Session 13.7.91.
hier: Lothar Müller beim hängen.

Forsakes' erste Demo-Session 13.7.91.
hier: Frunk beim hängen und essen.

Natürlich bin ich da stolz, derjenige zu sein, der die ersten Gehversuche dieser Band aufgenommen hat! Und nachdem mir nun neulich das Masterband dieser Session unter kam, dachte ich mir: nach 21 Jahren kann man das doch wirklich mal der (imaginären oder tatsächlich existierenden?) sehnsüchtigen Menge alter Forsakes-Fans zum Frass vorwerfen, oder? Guten Appetit dabei!


Forsakes' erste Demo-Session 13.7.91.
hier: Zaungast Raul will nicht gefilmt werden.

Forsakes' erste Demo-Session 13.7.91.
hier: Lothar Müller wirkt eher skeptisch.
Die für das Cover-Artwork verwendeten und hier erstmals gezeigten Fotos von diesem Ereigniss stammen übrigens von einem uralten VHS-Band, auf dem sich zufälligerweise ca. 2 minuten Film-Footage fanden, die genau an diesem Tag im KIX-Proberaum entstanden.Wie passend! Was für eine Freude für den Dokumentator! 

Als Bonus-Tracks zu diesen Demos gibt es sogar noch älteres (und allerdings auch soundmässig noch dumpferes) Material zu hören - Liveaufnahmen eines frühen (wenn nicht sogar dem wirklich allerersten?) Konzerts der Forsakes, die sich zu diesem Zeitpunkt noch "Here Flies The Fish" nannten. Inwieweit der da wirklich flog, im Mai 1991, kann man ja beim Hören selbst überprüfen!





Forsakes - "Early Demo Tapes 1991"

01. Intro
02. Smoke Turns Grey
03. Money
04. K.W.
05. Life 1 (abgebrochen)
06. Life 2
07. All And Nothing
08. Doubts
09. Is This No Fault?
10. Frunky Town
11. Truth Is A Lie
12. Frunk's Blues

13. Money (Live 5/91)
14. Doubts/ K.W. (Live 5/91)
15. Truth's A Lie (Live 5/91)
 
Natürlich ist es ein bisschen unfair gegenüber der Band, hier nur das ganz frühe Material zu veröffentlichen, das die Band selber lieber unter Verschluss gehalten hatte. Noch dazu historisch-kritisch inklussive aller abgebrochenen Stücken und komischen Outtakes (vergl. "Frunk's Blues") - und dann auch noch, ohne eines der Ex-Mitglieder direkt um Erlaubniss gefragt zu haben!

Um den vermeintlich falschen Eindruck hier nun ein wenig zu relativieren und die musikalischen Qualitäten der Forsakes besser zu beleuchten, gibt es jetzt auch gleich noch das erste tatsächlich veröffentlichte Demotape der Forsakes, das ca. ein dreiviertel Jahr nach den Schloss Phillipsruhe-Aufnahmen entstand. Hier war dann der Aufnahmeleiter einmal mehr Norbert "Nobby" Weinzierl, der das "richtige" Equippment in Form einer Acht-Spur-Maschine und den erforderlichen Mikrofonen besass (mit denen er auch schon für die KIX-Band Kaktuxxe famose Aufnahmen gemacht hatte, vergl hier).

Dieses Forsakes Tape mit dem Titel "Wrong" löste eigentlich alles ein, was der Sound und das Charisma der Band von Anfang an zu versprechen schien und ich würde es mal getrost als einen der Hanau-Klassiker der frühen Neunziger bezeichnen!

Und ich erinner mich daran, dass viele Leute eine Kopie dieses Tapes besassen und auch nicht davor zurückschreckten, es oft und gerne abzuspielen. Vielleicht freut sich da ja jetzt einer, es nun in digitaler Form wiederzuhören? (Danksagungen in der Kommentar-Leiste werden immer gerne gelesen!). Dass das hier mehr als einmal an Dinosaur Jr. und/oder Buffalo Tom erinnert ist natürlich kein Zufall, waren das doch zu diesem Zeitpunkt angesagten Fixpunkte im musikalischen Indie-Universum vieler deutscher "Nachwuchs"-Bands.
Aber in Sachen Authenzität waren die Forsakes bereits in dieser frühen Phase ihrer Karriere vielen dieser anderen Bands, die bloss den Sound iher damaligen Lieblingsbands reproduzierten, um Klassen voraus. Noch dazu, weil bei diesem Tape bereits Matze Gruber die versierte Leadgitarre beisteuert (und auf zwei Stücken auch selber singt), ja, der Matze Gruber, dem wir auf diesem Blog bereits im Zusammenhang seiner ersten Band Mayflower Madam begegnet sind! Die Querverweise werden hier immer zahlreicher (und so soll das auch sein!).

Das "Wrong" Tape wurde erstmals 1992 direkt von der Band veröffentlicht und die Erstauflage war schnell vergriffen. Ein Jahr später, also 1993, habe ich es deshalb auf meinem Tape-Label "Schweinehundtapes" wiederveröffentlicht und es wurde dort zu einer der Bestseller-Kassetten (ich würde mal sagen, mindestens noch 50 Exemplare, was damals schon 'ne Menge war). Nun also für alle, die lange schon kein Kassettendeck und erst recht keine Kassetten mehr haben: Download hier!!





Forsakes "Wrong"
(No Label, 1992, Reissue: schweinehundtapes 1993, sht022)


A1. Wrong
A2 Doubts
A3. She's Inside Me
A4. I Don't Wanna Know

B1. K.W.
B2 Charlie Brown
B3. Smoke Turns Grey
B4. Wishing Well




Zum Abschluss noch ein altes Forsakes-Interview (und eine Tape-Besprechung) aus dem "Varous Artists" Nr.3 Fanzine/Leverkusen vom Sommer 1993. (Danke Rautie für's ausgraben!).
Auf der 7'' Single, die dem Heft damals beilag ("Heft inkl. Single 5.- DM", das waren noch Zeiten!), landete sogar einer der Tracks des "Wrong"-Tapes. (Welcher weiss ich grad aber nicht, sollte ich die 7'' irgendwo mal finden, gibt's die dann hier vielleicht auch noch zum runterladen!).


 
Interview aus "Various Artists Nr.3", 1993
(Eine Version dieses Artikels in größerer
Auflösung liegt dem Download bei!)

 
 
Rezension aus "Various Artists Nr.3",
1993. "Schwuchtel-Core" durfte man
damals offenbar selbst in "political
correct" Fanzines noch unreflektiert
sagen und dabei den Namen 'Jude' tragen.
Ei,ei - was für Zeiten, Kinners!




These are the very first demo recordings by The Forsakes, who later became SEESAW and happened to release some CDs in the late nineties on Sony BMG. They were the only band from our little old Hanau punk scene from the nineties who came this "far". And if you listen to their first proper Demo tape "Wrong" you may understand why. They of course did sound a bit like Dinosaur Jr. or Buffalo Tom but unlike most other bands who played that style then, Forsakes always had a very special 'pop appeal' to their songs - they sounded authentical and "true" where other bands obviously just copied their favourite records. These are the oldest known recordings of the band!

Samstag, 28. Januar 2012

Fishkicks on Film!

 
 
Nachdem sie nun endlich im letzten post vorgestellt wurden, hier nun gleich hintendran: ein audio-visueller Galopp durch die Geschichte der Punkband Fishkicks. Unter Zuhilfenahme eindrucksvoller historischer Videoaufnahmen, die der Flo aus seinem Archiv gezaubert hat. Teilweise allerdings so historisch, daß man leider auch nicht viel darauf erkennt... Unsere alten dampfbetriebenen VHS-Kameras vor 20 Jahren konnten halt noch nicht so gut bei absoluter Dunkelheit filmen wie das eure Apfeltelefone heute können. Aber mit etwas Fantasie wird es gehen! Mit etwas Fantasie geht nämlich fast alles!
 
 
 
 
Hier nun also ein wenig schlecht ausgeleuchtete Liveaction auf verschiedenen Bühnen in und um Hanau herum, 1991-1993. Kinners, was warn das für Zeiten:
 
 









Und nun bei Fishkicks daheim! 1993 in unsrem Proberaum im altehrwürdigen Schloss Philipsruhe, brav probend. Dies ist aus der Spätphase der Band, mit Songs vom letzten fishkicks-tape von 1993 (das natürlich auch demnächst hier gepostet werden wird!). Ich hatte keine Erinnerung mehr daran, daß wir diese Videoaufnahmen gemacht hatten, ich wette, du auch nicht, Raul? Danke nochmals dem Hernn Drössler für's sichten und digitalisieren:









 
 
 
 
 
 
 
 
 
Fishkicks:

tvuzk - git/bass, voc
Raul - bass/git, voc
Flo - drums, voc



Fishkicks playing live in Hanau/ somewhere else in Hessen (maybe JUZ Gelnhausen) and in their practicing room inside the famous Schloss Philipsruhe in Hanau/ Hessen/ Germany. 1991-1993. Sorry: Some of this is very rare historical material - if you can't see anything, it's because you can't see anything.
 

Mittwoch, 17. August 2011

Ich liebe doch alle...alle Menschen...ich setzte mich doch dafür ein... (E. Mielke)


ON: Still Waiting (C-20, No Label, 1991)

ON war das Audio-Projekt von Robert Piesenecker, Hanauer Künstler, Szenegrösse und Dokumentator der damaligen Zeit. Aufmerksame unpop-Leser (gibts ja eh nicht!) könnten hier oder hier bereits über den Projektnamen gestolpert sein (und nicht zuletzt stammten auch diese Dokumentaraufnahmen von Robert).

Das ON-Projekt ist - das darf man wohl ungestraft behaupten - hochgradig von den abstrusen Soundcollagen der experimentellen US Band Negativland beeinflussst und überträgt deren künstlerische Verdichtung von Audiozitaten sehr souverän auf deutsche - man muss schreiben "deutsch-deutsche" Verhältnisse.

Denn das "Still Waiting"- Tape entstand zwischen 1990 und 1991 und bietet eine historisch enorm interessante Collage von Radio- und TV- Schnipseln aus den Monaten vor und nach der deutschen Wiedervereinigung.


Die Orginal Stimmen von alten SED-Haudegen wie Honnecker, Krenz, Mielke & Modrow, Nachrichten aus der noch existierenden DDR ("...die Wiedervereinigung steht nicht auf der Tagesordnung..." "..die DDR denkt zur Zeit nicht an einen Abriss der Berliner Mauer") aber auch selbst geführte Interviews werden geschickt miteinander verschachtelt und verzahnt - oder gerne auch mal mit eingespieltem Lachen vom Band oder Zitaten aus Kinderhörspielplatten unterlegt ( - eine Technik, die wir auch von einem anderen geistesverwandten Künstler der damaligen Zeit - Herrjoergritter - kennen, vergleiche mit seinen tapes, hier bzw. hier... Wenn mich nicht alles täuscht, kommt ein 20 Jahre jüngerer Herr Ritter auf dem Track "Andere" sogar persönlich zu Wort!!).

Unterhaltsamer wurde die Wiedervereinigung jedenfalls nie mehr, schon gar nicht in echt.

Viel zu wenig Beachtung wurde damals den interessanten Vierspur-Dub-Stücken, die den ganzen Zitatbrei einrahmen und zusammenhalten, geschenkt. Denn Stücke wie "Sog", "47253" oder "Outro" sind typischer experimenteller-aber-nicht-nerviger Vierspurpop mit Drumcomputer und interessanten Hallexperimenten, von denen man gerne auch noch mehr gehört hätte. "Still Waiting" ist aber, wenn ich richtig informiert bin, das einzige ON-Kassettenalbum geblieben, sonst gab es wohl (wie oben erwähnt) nur einige Beiträge auf verschieden Hanauer Tape Compilations... (Weiterführende Kommentare aus dem Langzeitgedächtniss des Künstlers würden uns alle freuen, wie siehts aus Herr P ??).

French Grenadier of the Imperial Guard 1815

Unbedingt erwähnenswert ist natürlich noch die abgefahrene Verpackung der Limited Edition: die ersten - ich glaube - zehn Exemplare des tapes kamen nämlich in der Schachtel mit einem Orginal AIRFIX 1:12 Modell- Bausatzes eines französichen Gardeoffiziers zu Napoleons Zeiten.



Die Orginal "ON" tape-Verpackung: ein napoleonischer
Gardeoffizier zum Selberkleben!



Inwieweit dies als politisches Statement zur Deutschland-Thematik des Tapes zu verstehen war, entzieht sich meiner Kenntniss - ich meine mich aber zu erinnern, dass Robert die Schachteln als unnütze Ladenhüter in dem Laden, in dem er damals arbeitete, abstauben konnte. Einschlägige Modellbau-Fans wissen zu berichten, dass dieser Modellbausatz bereits 1976 erschien und wohl auch nur kurze Zeit erhältlich war. Eine Modellbausatz-Rarität als Verpackung für eine Kassetten-Rarität, wow, wo gibt's das schon? Wenn man kein Tonträger-Sammel-Nerd wäre und deshalb lieber alles im Orginalzustand belassen würde, hätte man sich die Figur auch zusammenbasteln können (wie der hier z.B. getan hat). Oder bei ebay verhökern ( - da ging der Franzose zuletzt für 10 Dollar über den virtuellen Ladentisch). Aber ein Bastler würde es nicht verstehen: der Grenadier bleibt lieber ungebastelt in der Kassetten-Sammlung.


Download - ON: Still Waiting (inkl. Artwork)
Mediafire



ON was the audio project by Hanau artist Robert Piesenecker and was highly influenced by the work of bands like Negativland. The "Still Waiting" tape is a very dense audio collage about the months before and after the german reunification, containing a lot of radio & TV-news snippets, quotes from DDR-politicians then still in power and weird samples from old german children records - but also selfmade interviews about that german topic. Limited to the first ten tapes it was delivered inside of an original AIRFIX model kit of a French Grenadier of the Imperial Guard 1815. Wonder if the other 9 people have their kit still - i do (though i could have so much fun painting and glueing that soldier like this guy here had. but as a real music collector i never would!).

Freitag, 5. August 2011

Napalmtod in der Tschuff-Tschuff-Uhr ??

HU Punk History Part 12





Kacktusse - "Kacktusse" (sht 014, C-30, 1991)
DE LUXE EDITION inkl: Kacktusse - Live JUZ Langenselbold, 15.2.1991 (bisher unveröffentlicht)

Im Gegensatz zu dem, was bei Punkbands meistens üblich war (und ist) erschien das erste Demotape der Kaktuxxe - damals, als sie sich noch Kacktusse nannten - knapp ein halbes Jahr NACHDEM sie ihre erste 7'' Single veröffentlicht hatten (die ja grade neulich hier ausführlich abgefeiert wurde).


Die Kaktuxxe (noch als "Kacktusse") - Live 1991


Der Hanauer Musiker und Produzent Norbert Weinzierl - eigentlich allen ausschliesslich als Nobby bekannt - bot sich an, uns für kleines Geld ein gut klingendes Demotape mit seinem portablen Achtspurstudio aufzunehmen...

Recorded live im Schloss
Weil diese Aufnahmesession also "daheim" stattfand und entsprechend locker angegangen wurde, gab es hier erstmals den authentischen Kacktussesound zu hören, so, wie wir wirklich klangen...Denn eingespielt wurden die Stücke dieser Kassette ganz gemütlich im herrschaftlichen Proberaum der Band, denn seit kurzem hatten wir doch allen Ernstes ein Turmzimmer im altehrwürdigen Schloss Philipsruhe in Hanau ergattert, in dem wir - ungestört von dem Rest der Welt - rund um die Uhr proben konnten. Fehlende Anwohner ermöglichten nun also auch exzessive Nachtsessions (...bei denen wir nicht nur mit der Musik experimentierten...).



Die Kaktuxxe (noch als "Kacktusse") - Live 1991


Die Songs entstammten zum großen Teil noch der ersten Deutschpunk-Phase der Band, waren aber bereits aufwändiger arrangiert - und es machten sich auch erstmals andere Stilelemente aus Funk, Psychedelic oder gar Ska ("Sailor") in der Musik der Kacktusse bemerkbar...

Der "Untertan" ist bestimmt eins der besten politischen Punkstücke, die wir gemacht haben ("...jede Äusserlichkeit des Staates / ein Werkzeug der Unterdrückung / du sollst dir bewusst werden / du bist nichts/ als ein kleines Häufchen / Mittelmässigkeit") und das Stück ist hiermit zum ersten Mal seit vielen Jahren (if not Jahrzehnten) wieder erhältlich.

"Falsche Zungen", "Napalm Death in the Choo Choo Clock", "Das Instrumental" und "Summertime" wurden ein Jahr später nocheinmal neu eingespielt und landeten dann sogar auf der Kaktuxxe-CD "chicalagazelle" (die hier auf dich wartet, wenn du sie noch nicht kennst). Wir haben es hier also mit - teilweise verblüffend abweichenden - Urversionen klassischer Kaktuxxe-Tracks zu tun!!

Der zehnsekündige Song "Kiwikerne" war eine spassige Albernheit, die direkt während der Aufnahmesession von uns zusammenimprovisiert wurde, dafür wechselten Schlagzeuger und Sänger sogar die Arbeitsplätze und wir hören Flo's Stimme, während Manutchehr am Schlagzeug sitzt...


Bei "Kiwikerne" nicht an den Trommeln: Flo


Im Archiv haben sich auch noch 5 Alternativmixe dieser epischen Melodyrocknummer finden lassen, die mit unterschiedlichen Hallräumen auf der Stimme herumjonglieren. Als zweifelhaft erfreuliche Bonustracks zur Kassette kann man sich diese nun alle hintereinander anhören...


Neben den 8 Stücken, die wir mit Nobby im Proberaum aufgenommen hatten, landeten auch noch zwei weitere Lieder auf dieser Kassette. Ersteinmal "Am Ende Bleiben Tränen", die unglaubliche Kacktusse-Schnulze (wie wir heute wissen: eine quasi Roland Kaiser Coverversion!), die bei den Recording Sessions für die Single übriggeblieben war (und über die hier bereits recht ausführlich gesprochen wurde) - und "My Girl in the GDR", ein damals noch brandaktuelles deutsch-deutsches Liebesdrama ("My Girl in the GDR / she's so near / she's so far/ she's suffering beyond the wall ").
"My Girl in the GDR" stammte aus einem Livemitschnitt eines Kacktusse-Konzerts im Februar 1991 in der hessischen Industriemetropole Langenselbold (- wie es sich gehört im örtlichen JUZ natürlich!).


"Live im JUZ Langenselbold"
Weil die ganze Scheisse nun schon mehr als 20 Jahre her ist, fand ich es sowohl hübsch wie auch passend, zur Jubiläumsfeier nun erstmals den kompletten Livemitschnitt dieses Konzertes zu posten. In einer "De Luxe" -Doppel-CD-Edition des klassischen Kacktusse Demotapes. Auf CD2 also die jungen, wilden Kacktusse während einem ihrer ersten Auftritte.

Ich persönlich lernte an diesem Abend was für's Leben, was ich eigentlich schon früher hätte lernen sollen, aber mir wenigstens seitdem gemerkt habe: es ist superdämlich, direkt vor dem Auftritt neue Gitarrensaiten auf sein Instrument zu ziehen, weil sich das Ding beim Konzert dann ständig verstimmt. Gut also, dass wir hier von Punkrock reden, so kann man das erbärmliche Gejaule, das der tvuzk da auf seinem unkontrolierbaren Holzbrett veranstaltet, noch eher ertragen... In einer Progressive Rock Band wäre ich dafür geköpft worden - vornehmlich während der Show!


Eine von beiden war immer verstimmt:
tvuzk & seine Gitarre.


Neben diesen Eskapaden ins atonal-aleatorische gibt es aber auch gut gespielten Kacktusse-Punk, der eindrucksvoll demonstriert, wie gut die Band damals aufeinander eingespielt war, trotz Scheisssound auf der Bühne. Und hey: mit den beiden Kacktusse-Nummern "Old Men" und "S.P.A." (= schwul, pervers und arbeitslos) gibt es sogar zwei frühe, niemals im Studio aufgenommene Songs zu hören. So wollen wir unsere Raritäten doch serviert haben, oder???

Nach dem Konzert gab es noch eine ausufernde Jam Sesssion, da eine der Bands, mit denen wir damals zusammen auftreten sollten wegen der schlimmen Schneestürme an diesem Abend nicht zum Konzert erschienen war. Während der größte Teil dieser Jam Sesssion fürchterlich langweilig und uninspiriert war (und zwar so dermassen, dass ich ihn mir 20 Jahre lang nicht mehr angehört hatte), kamen zum Ende der Session noch einmal die Kacktusse als Kacktusse auf die Bühne und spielten zwei Stücke ihres Repertoires in wesentlich druckvolleren, ja schöneren Versionen (auch meine Gitarre scheint da endlich die Stimmung so einigermassen halten zu wollen...). Ein versöhnlicher Abschluss für dieses immerhin historisch wertvolle Tondokument!


Kacktusse - "Kacktusse" De Luxe Edition 2011

CD1 - Das Orginal Tape

01. Untertan

02. Ants Are Dead
03. Napalm Death in the Choo Choo Clock
04. Kiwikerne
05. Am Ende bleiben Tränen
06. Summertime
07. Falsche Zungen
08. Das Instrumental (a.k.a. Im Strumental)
09. Sailor
10. (My Girl in the) GDR (live in Langenselbold)
11. Kiwikerne (Alternativ Mix 1)
12. Kiwikerne (Alternativ Mix 2)
13. Kiwikerne (Alternativ Mix 3)
14. Kiwikerne (Alternativ Mix 4)
15. Kiwikerne (Alternativ Mix 5)



CD2 - Kacktusse live JUZ Langenselbold, 15.2.1991

01. Das Instrumental (a.k.a. Im Strumental)
02. Kufte
03. Ants Are Dead
04. Die Art von Frau
05. Nazi Baby
06. Old Men
07. Am Ende bleiben Tränen / S.P.A.
08. Das Jäzzige
09. Falsche Zungen
10. (My Girl in the) GDR
11. Sailor
12. Kill Yr. Wife / S.P.A.
13. Nazi Baby (Jam Session)
14. Am Ende bleiben Tränen (Jam Session)



Download: H I E R


P.S. - Natürlich gibt es mal wieder kein Bildmaterial von diesem Konzertabend, die abgebildeten Fotos zeigen stattdessen die Kacktusse bei einem Konzert in der Hohen Landesschule Hanau, ca. Juni 1991, das unter ähnlich widrigen Umständen stattfand - und Hauptsache, die Leute auf den Fotos sind tatsächlich die Leute, die diese Musik auch gespielt haben ( - und das sind sie! Ich schwörs!).



Er war der 6. Kaktuxx: Rautie, der berühmte Comiczeichner
als Mann für's Visuelle an seinem Diaprojektor...



Im Hintergrund zu sehen: Rautie's Dia-Multimedia-Comicshow
(noch mehr so im Urlaubs-Diashow Style, aber hey...)




The first Demotape by Kaktuxxe (when they were still calling themselves "Kacktusse") was released about a half year AFTER their first 7'' vinyl single. It was recorded in june 1991 with a mobile 8 track studio at their practicing room - which is the reason why it a sounds a lot more like the band really was compared to the single. When it was released 20 years ago, it contained the live track "My Girl From The GDR" from an early concert, now in the 2011 De Luxe Edition you can hear the whole concert on a second CD. What else would you like to know?

Sonntag, 17. Juli 2011

Eine Kollektion schöner Musik schöner Menschen (und solcher die es werden wollen)


v.a. - "Der zweite innere tapesampler"
(C-60, 1991, sht 015)



Und wo wir gerade bei klassischen schweinehundtapes waren, ich denke, das hier ist auch eines: Der zweite innere tapesampler.
Für die, die den Titel bis heute noch nicht verstanden haben: ein Wortspiel auf mein Fanzine "Der innere Schweinehund", eine Art "klingender Schweinehund", das Heft zum Anhören sozusagen...


Der zweite innere tapesampler war das erste schweinehundtape mit integriertem Minibooklet! Weil es mich immer ärgerte, dass die mitgelieferten Booklets von selbstproduzierten tapes dazu verdammt waren, verloren zu gehen, suchte ich nach einer Lösung, alle infos und texte IN die kleine Kassettenhülle hineinzubekommen. Die Lösung war schließlich: ein Mini-Din-A7-Heftchen, das in das Kassettencover eingeklebt wurde.

Für das Cover des zweiten inneren tapesamplers war - wie schon beim ersten inneren tapesampler und beim inneren Sprachsampler - wieder Jörg Ritter zuständig, der nicht nur ein tolles schwarz-weiss-Cover gestaltete sondern - für die auf 50 Stück limitierte Edition mit Farbcover - auch noch vier unterschiedliche Farbcover entwarf (die hier und heute erstmals gemeinsam abgebildet werden!).


Die Musik auf dieser Kassette stammte ca. zur Hälfte aus eigener Produktion und zeigte den Zwischenstand der musikalischen Entwicklung unserer eigenen Bands an, die andere Hälfte bestand aus Bands von Freunden und Bekannten, die ich bei Konzerten persönlich kennengelernt hatte und die sich stilistisch grob alle in die Punk, Alternativrock oder Indierock-Schublade einordnen lassen...

Es finden sich Stücke der Stuttgarter Band mit dem schön sexistischen Namen Violent Pussyriders, die einen US-Indierock á la Dinosaur Jr. spielten (und sich noch vor Veröffentlichung dieses tapes sicherheitshalber in From Outer Space umbennanten um als solche noch eine 7'' und eine CD zu veröffentlichen). Dort spielte der schweinehund-Fan Oli Grimm Schlagzeug, der ansonsten als Sänger und Gitarrist des obskuren Trios Psötik'z Tschernobeef einen beinahe surrealen Poppunk spielte, der besonders durch die schrägen Texte auffiel, die in einem ganz eigenem (und eigenartigem) Kunst-Deutsch verfasst waren ("Koffre und Bank // weil niemals Geld // Darum Koffre krank // Beweist Farbe Gelb").
Mit der Bezeichnung ihres Stiles als "Pseudofundadakultpsychogruftpunkcorerock'n'roll" hat die Band gewiss nicht übertrieben (und machte insgesamt drei oder vier tapes, von denen hier irgendwann auch nochmal die Rede sein wird).


Dann gab es die HC/Hardrock-Band Das Drama, in der Jens Neumann Bass spielte. Neumann, heute beim Ventil-Verlag in Mainz und damals ein aussergewöhnlicher Fanzine-Enthusiast, war es tatsächlich gelungen, das Wahnsinnsprojekt "D.L.R." zu realisieren: ein Zentral-Vertrieb für obskure deutschsprachige Fanzines und ähnlichen, in geringen Stückzahlen erschienene Untergrundheftlis - und am Laufen zu halten! Beim D.L.R.-Vertrieb konnte man in den frühen Neunzigern wirklich beinahe fast jedes verdammte Fanzine, dass es damals gab, bekommen (- und waren sie auch noch so obskur, wie etwa "Der innere Schweinehund" oder das "KIX" Comicmagazin, die es dort natürlich auch zu erwerben gab). Die Musik von Das Drama wurde sehr kontrovers aufgenommen, in sofern, dass jeder in meinem Bekanntenkreis sie hasste - während mich die Musik (trotz gewöhnungsbedürftigem Sänger und schweren Metalriffs) auf eine mir nicht erklärliche Weise gepackt hatte (- so sehr, dass ich ein Jahr später sogar ein tape mit unveröffentlichten Demoaufnahmen von Das Drama auf schweinehundtapes herausbrachte, sht 020: "The Whole Drama").

Tech Ahead stammten aus dem beschaulichen Aindling in Bayern (bei Augsburg) und ich hatte sie bei ihrem Konzert in der Metzgerstraße kennengelernt Das Duo bestand aus einem Gitarrist (Fritz) und einer Bassistin (P) und einem Drumcomputer! Zu unserer Freude also genau das Line Up der frühen Asozialsky und Hatsch, nur eben mit amtlicher und gut produzierter Drummaschine und ausgereifteren Songs, die natürlich allem, was A&H je gemacht hatten, technisch meilenweit voraus war (kann man hier nachhören). Neben diesem Bandprojekt betrieben die zwei auch das Phase 4 Tonstudio, in dem wir als Kaktuxxe ein Jahr später unsere CD "chicallagazelle" aufnehmen sollten...

Die Highlights des 2. inneren tapesamplers (und sicherlich auch ein Grund für die hohen verkaufte Stückzahl von fast 80 Exemplaren!) waren damals aber die beiden Stücke, die unsre Gießner Lieblingspunkband Boxhamsters zur Compilation beigetragen hatte. Die Stücke "Schleichfahrt" und "Aloha from Helgoland" waren zu dem Zeitpunkt, als das tape erschien (also Herbst 1991) noch gänzlich exklussiv und zuvor unveröffentlicht und erblickten auf dieser kleinen Kassette sozusagen zum ersten Mal das Licht der Welt. Gut, keine zwei Monate später erschien dann der LP Sampler "Life is Change Vol.2" auf dem Hamburger BeriBeri-Label (stiehl ihn hier), auf dem die "Schleichfahrt" ebenfalls erschien - aber die Live-im-Proberaum-Nummer "Aloha from Helgoland" war ausschließlich auf dem schweinehundsampler zu finden (naja, wenigstens 5 Jahre lang, bis sie als Bonustrack auf der CD-Veröffentlichung der ersten Boxhamsters-LP auftauchte).

Mit einer kleinen Boxhamsters-Rarität kann das tape aber sogar bis zum heutigen Tag aufwarten, denn in der Gießener Punkband Eugén & Der Effektive Jahreszins um den spaßigen Uwe Roggenbuck spielte der Boxhamstersbassist Phillip auch schon 1987 (als diese Aufnahme entstand) dieses Instrument. Genaueres weiss die Boxhamsters-eigene Gechichtsschreibung zu berichten

Ansonsten finden sich auf dieser Kassette nur Perlen für den echten KIX- und schweinehundtapes-Fan (wer ist das ausser mir eigentlich??), denn die Beiträge der beiden Hausbands Kaktuxxe und Fishkicks sind exklussive, nur hier erschienene Aufnahmen - z.B. die frühe Vierspurversion von "Rot", dem Hit auf der einzigen, gleichnamigen Single der Fishkicks - oder der heute arg obskur anmutetende Versuch der Kaktuxxe, mit funky Arrangements und - ja: Ragamuffin-vocals - eine Art Punkdisco-Hit zu generieren - mindestens 15 Jahre vor der Zeit, seitdem Punk und Disco überhaupt etwas miteinander haben dürfen.

Die Forsakes - die einzige Hanauer Band aus diesen Jahren, die nach einigen Umbesetzungen später richtig bei 'nem Majorlabel unterkam (als Seesaw, höre hier ) präsentierten hier ihre allerersten (von mir produzierten) Demoaufnahmen (- und man hört denen schon auf diesen ganz frühen Aufnahmen ihr gehöriges musikalisches Potential an!). Aber dennoch: mein liebstes Stück hierdrauf war und ist immer noch das Stück vom ollen Kaktuxxe-Gitarrist Pepi, dass er seiner damaligen Freundin Steff gewidmet hatte (und nun für alle Zeiten diesen Titel trägt), eine hübsch melancholische Disconummer, die mich seit jeher mehr an The Cure erinnert als ihm das recht wäre. (Gut, nicht vom Gesang her - der klingt als habe da einer als Kind zuviele Soulplatten vorgespielt bekommen, was meines Wissens den Tatsachen entspricht - aber allemal von Arrangement und Instrumentierung). Warum haste eigentlich nie noch mehr solcher Songs gemacht, Pep?


Download: Der zweite innere tapesampler (inkl. Artwork)


A1. Einleitung (Monthy Phython)
A2. Violent Pussyriders - Here to stay
A3. Das Drama - All our times (live 1991)
A4. Forsakes - K.W. (Demoversion)
A5. Raul - Overcloud Flight
A6. Fishkicks - Rot (Vierspur-Version)
A7. Tech Ahead - Name of god
A8. Psötik'z Tschernobeef - Koffre & Bank
A9. tvuzk - The Most Beautiful Girl In The World
A10. Boxhamsters - Aloha From Helgoland
A11. Michael Müller - I Don't Like Mondays

B1. Kaktuxxe - Love (Vierspur-Version)
B2. Tech Ahead - Weird Planet
B3. Boxhamsters - Schleichfahrt
B4. Violent Pussyriders - World Outside My Window
B5. Fishkicks - Durst (Vierspur-Version)
B6. Das Drama - Feed Me (Live 1991)
B7. Pepi - Steff
B8. Eugén & Der Effektive Jahreszins - Gunther Sachs Rules Okay (Live 1987)
B9. Psötik'z Tschernobeef - Festre
B10. Kaktuxxe - 193 (Vierspur-Version)
B11. Ausleitung (Monthy Phython)



The "zweite innere tapesamler" is another classic tape from schweinehundtapes that sold a lot. It contains 50% rare and nowhere else released stuff by our own Bands like Kaktuxxe oder Fishkicks (and some solo releases by some members of these bands like Pepi, Raul or even myself) and 50% not-so-rare stuff by bands i knew personally then from concerts played together or from mail contacts. The most interesting tracks here might be the constributions by german punk band Boxhamsters (which were exclussive to this compilation by the time of its release) and the early demo recordings by Forsakes, the band that later became Seesaw (- and was the only of the old hanau bands really happened to become a major label act for a while...). Nice and obscure Punk, HC & Indie stuff from the early ninetees.

Dienstag, 7. Juni 2011

Die gute alte Hanauer Abflussmusik

HU Punk History Part 10

Down The Drain - Demo 1991 & Demo 1988 (C-60 & C-15, no
Label)


Und heute ist mal wieder mal Lokal-Geschichtsstunde bei unpop.
Mit einer weiteren Band aus dem Pool alternativer Indiebands in Hanau, Ende der 80er, Anfang der 90-er, die einigen Einfluss auf die Bands
hatten, in denen ich zu dieser Zeit beschäftigt war...


Bei Down The Drain sogar massgeblich - in Form ihres ersten Schlagzeugers Paul, der, nachdem er bei Down The Drain rausgeflogen war, in der Spätphase unserer Punkband Asozialsky und Hatsch den Drumcomputer ein knappes Jahr lang am echten Schlagzeug ersetzte (eine Anekdote, die man hier nachlesen kann).

Down The Drain waren eine der ersten lokalen Punk- oder Darkwavebands, die ich in meinen Heranwachsensjahren kennenlernte bzw. live erlebte. Eine Band, die es richtig ernst und profesionell meinte und mit dunklen Postpunk-Songs daher kamen, die für mein damaliges Verständniss (und rückblickend auch heute noch) internationales Niveau hatten und kein bisschen provinziell klangen.
Ich weiss noch, wie wir bei Konzerten den schleppenden, dunklen Sound, den die Band auf der Bühne veranstaltete, oft mit offenen Mündern atemlos zuhörten. Oder ich weiss nicht: vielleicht haben wir auch geatmet dabei - beeindruckt waren wir aber auf jeden Fall.

Wesentlich beeindruckter jedenfalls, als es der Nachruhm der Band im internetz vermuten lässt. Denn es ist erstaunlich, wieviele Bands sich da draussen Down The Drain nennen.

Auf der Suche nach irgendwelchen Infos um meine Erinnerungen aufzufrischen, fand ich zwar etliche Band und myspace Seiten von Down The Drains, aber weder Down The Drain noch Down the Drain noch Down The Drain oder etwa Down The Drain sind die Down The Drain, um die es hier geht: Down The Drain aus Hanau nämlich.

Von deren glanzvollen Taten scheinen nur noch ein paar Nebensätze in den jeweiligen Biografien der ehemaligen Musiker auffindbar - etwa bei Ex-Gitarrist Robert: "Seine Gitarre war das Aushängeschild der bekanntesten Indie-Band von Hanau „Down the Drain“, die 5 Jahre als Profi-Band durch Deutschland reiste, und u.a. als Vorgruppe von „Lemonheads“, „Dougboys“, „Dinosaur jr.“, „Rich Kids on LSD“ und „Jingo de Lunch“ ihre größten Erfolge hatte...", beim ehemaligen Bassisten Pesö:
"Zuvor hatte Pesö, der bereits seit 1980 Musik macht, vor allem in der legendären Hanauer Formation Down The Drain gespielt. Seit 1997 ist er allerdings nur noch solo unterwegs und hat als Straßenmusiker die ganze Republik bereist."
oder beim Ex-Down The Drain Schlagzeuger Jens:
"...seines Zeichens Weapon-Officer und Beat-Commander auf dem legenderen Raumschiff "Down The Drain".
Und ob der Kopf, Songwriter und Ex-Sänger von Down The Drain heute Jacques Brel Chanson interpretiert, kann ich nur mutmaßen, seine Online-Bio verrät darüber nix. Aber da Ulf nach dem Ende von Down The Drain Mitte der neunziger Jahre nach Hamburg gegangen war, lässt sich das schon vermuten.
(Nachtrag: richtig vermutet, vergl. Kommentare!)


Ja, liebe Kinder, so spärlich können die Infos von eurem Cassettenonkel sein, wenn er die Protagonisten nicht (mehr) so richtig persönlich kennt und all das auch nur aus der Perspektive des Publikums miterlebt hat - vor, wie gesagt, 20 Jahren.

Trotzdem hat er aber natürlich noch das damals bei einem Auftritt erworbene 1990/1991-er Tape von Down The Drain im Schrank, das hoffentlich wieder ein paar alten Männern (und Frauen??) in Hanau (oder annerswo) die Tränen der Nostalgie in die Augen treiben wird. Und wenn das nicht, dann ja wohl spätestens das nochmal 3 Jahre ältere 1988-er Demotape (das damals Paul in seine Bewerbungsunterlagen gepackt hatte, als er sich um die Asozialsky und Hatsch-Drummer-ABS Stelle bemühte).

Download "Down The Drain 1991"

Download "Down The Drain 1988"

Würde mich aber freuen, wenn dem ein oder anderen Lesern noch weitereführende Anekdoten oder links zu diesem Thema einfallen - ihr wisst ja hoffentlich, wie man die Kommentar-Sektion bedient?? Insbesondere würde mich interessieren, ob es noch mehr tapes von Down The Drain gab - bzw. noch besser: gibt. Darf man dann nämlich gerne digitalisieren und mir zukommen lassen!

Nachtrag 4.7.2011


Ja, facebook natürlich wieder... Ob man es hasst oder aber (wie ich - nach all den Hasstiraden - seit letztens) liebt, man trifft sie dort früher oder später alle... Wie z.B. Jens, Ex-Down The Drain Schlagzeuger, der mich neulich im Chat mit wichtigen weiterführenden Infos zu diesem post versorgte. Hier ein Ausschnitt aus dem "Chat-Interview" mit ihm:

Jens Jeck: Coole Sache!
Übrigens Demo 88 Lied A1 heist persuasion. Bei den anderen muß ich noch nachdenken.
torstn: sehr gute informationen! weiternachdenken!
J: A2 Heißt Smoke Screen B1 hieß XHM was immer das auch heißen soll.
T: fehlt nur noch B2....los komm, das fällt dir auch noch ein!
J: Sehr cool das Demo von 88. Der Sound ist voll Authentisch. Das haben wir doch tatsächlich in der SAE Ffm (Damals noch in der Taunusstr.) aufgenommen. Was hätten wir für Cubase gegeben.
Nee stimmt ja gar nicht. XHM war ein Liverecording vom Pfingsttreffen von 88
B2 ist der Rest von "Waiting und der Anfang von Dont you worry
T: super! ich hoffe, du hast nix dagegen, wenn ich deine infos demnächst in einem update für den DTD-post als eine art "interview" verwende??
J: Nee mach nur. Ey wende Dich doch mal an Robert. Der hat noch soviel Zeug von uns. Auch Videos vom Jugendzentrum Gelnhausen und vom Kuba.
T: Weisst du auch noch denTitel von A6 auf dem 91-er Demo ???
J: Ich schaue nach
Yeah. das ist Massacre Part 1. War übrigens der Jeff an der Schießbude. Ich hatte ne Zeit geschmollt, weil die Jungs nicht nett zu mir waren ;-)
T: Das ging den DTD Schlagzeugern immer so, was ? (ich denk da an anekdoten, die paul damals erzählt hat...)
J: Die A-Seite vom Demo 90-91 ist im Parkhaus vom Falk (united Power Fields) und Thorsten Adam aufgenommen worden. Die B-Seite ist Live in der Mehrzweckhalle Mittelbuchen. Das hies damals Independent Festival.


Jens macht natürlich auch immer noch Musik und freut sich über Besuch von euch auf seiner myspace-Seite !


Der Vollständigkeithalber
nun also die komplette tracklist der beiden DTD tapes:

Down The Drain - Demo 88

A1. Persuasion
A2. Smoke ScreenB1. XHM
B2. Waiting/Don't You Worry



Down The Drain - Demo 90/91

A1. Honeymoon is over
A2. Loveline
A3. The Sponger
A4. Lost in town
A5. Nice price cops
A6. Massacre Part 1B1. Menkind
B2. Strings of Glory
B3. Devil on your head
B4. Red hot punk
B5. Last night with you
B6. Massacre


Here are two old and rare tapes by Down The Drain from Hanau who were one of these local Postpunk/Darkwavebands that influence your own musical development without you're even realizing it. Well, if their ex-drummer plays almost one year in your own band, maybe you're realizing it... Down The Drain is a very common name for a band or a band or a band or a label these days, but you can't find almost anything about these Down The Drain from Hanau. Well until now, that is...:
-)