Looplab: Die Experimental-Tapes Volume 1 (1995-96)
Hier kommt eine Compilation nie zuvor veröffentlichter Kassettenaufnahmen aus meinem Archiv, mit einigen der experimentellsten elektronischen und elektroakustischen Tracks, die ich jemals aufgenommen habe.
All diese Stücke entstanden Mitte der 1990-er Jahre. Musikalische war dies eine Zeit des Umbruchs für mich, in der die bisher verfolgten Punk- und Postpunk-Einflüsse nach und nach der Neugierde auf elektronische und experimentellere Musikstilen wichen. Es war die Zeit, als der Hype um Techno in Deutschland erstmals die breitere Öffentlichkeit erreichte und auch meinen Blick auf andere musikalische Strömungen ausrichtete - eine Zeit, in der ich anfing, die legedären Krautrockbands wie Faust, Can und Kraftwerk zu entdecken und zu erforschen (aber auch Progressive Rock von Bands wie King Crimson oder auch Gong) und in das Werk von Komponisten wie Karlheinz Stockhausen, György Ligeti - vor allem aber John Cage - eintauchte...
In dieser Zeit entstanden die ersten verspielten Demoaufnahmen für zwei meiner musikalischen Projekte, die mich für den Rest des Jahrtausends beschäftigten sollten - einerseits SUPERSTOLK 2000 (später ohne die "2000"), wo ich mich mit den NDW-Einflüssen meiner frühen Jugend - besonders auf der textlichen Ebene - befasste und dem Projekt LOOPLAB, das für meine "elektronischen Stücke OHNE Text und Gesang" zuständig war.
Während Superstolk in den folgenden Jahren immer mehr kreativen Raum einnahm (und sich in den Nuller Jahren zusammen mit Jörg Ritter zu einer veritablen, spannenden und sehr unterhaltsamen Liveband entwickelte), ist das Werk von LOOPLAB, von einigen wenigen Aufnahmen abgesehen (wie einige digitale EPs auf unpop-media.blogspot.com und auf Bandcamp, aber z.B. auch die B-Seite der Superstolk 2000 Debüt-Vinyl-Single. "Was Kostet Die Welt") bis heute weitgehend unveröffentlicht geblieben.
Diesem geschichtsverfälschende Umstand wird nun durch eine Reihe digitaler LOOPLAB-Compilations ein Ende gesetzt - denn die Welt wird nun endlich das Gesamtwerk von LOOPLAB für sich entdecken können (- hörst du auch , wie sie darüber jubelt!?).
Da das Format des digitalen Albums sich nicht darum scheren muss, ob es genügend Käufer findet, die die Produktionskosten wieder hereinholen, beginnt die Reihe der LOOPLAB Compilation Alben gleich mit einigen besonders unkommerziellen, besonders experimentellen Kassettenaufnahmen, die mir persönlich aber besonders ans Herz gewachsen und wichtig sind.
Dies sind:
Dies sind:
1. EXPERIMENTAL ASTRO EXPRESS
Ein kurzlebiges Krautrock/Elektronik-Projekt von meinem Bruder Raul und mir - aus der kurzen Zeit, bevor unser erster Synthesizer Einzug in unseren WG-Haushalt nahm und wir noch mit den Casio-Keyboards unsrer Jugend sowie den Saiteninstrumenten unserer Punk-Phase auskommen mussten. Da dieser erste Synthie schon sehr bald nach diesen Aufnahmen ins Haus kam, haben EAE nie mehr als diese vier hier vorliegenden Aufnahmen eingespielt...
2. RECONSTRUCTED MUSIC
1995 gab es auch noch keinen Computer in unserem Hause, der genügend Arbeitsspeicher gehabt hätte, um damit Musik aufzunehmen und zu bearbeiten... Stattdessen hatte ich meinen Viespurrekorder, mit dem ich schon seit vielen Jahren experimentierte und zahlose Mehrspuraufnahmen gemacht hatte...
Da die (Studenten-)Zeit massgeblich von Geldknappheit gepägt war, verwendete ich oft bereits bespielte Musikkassetten für meine Aufnahmen. Und so waren auf meinen Sessiontapes oftmals Reste zuvor aufgenommener Musik zu finden - und eines Tages entdeckte ich, daß diese Reste, rückwärts abgespielt und schneller oder langsamer gepitcht eine interessante, abstrakte und oftmals schier wahnsinnige Ebene in meine Tracks hinein brachten...
Anfangs besorgte das der Zufall, später führte ich verschiedene "mutierte" Audiospuren bewusst zusammen - und es entstand diese Sammlung von rekonstruierten Miniaturen, die ich sehr liebe und froh bin, sie nach 30 Jahren endlich in "die Öffentlichkeit" entlassen zu können. Wie groß immer diese auch sein mag...
3. KÜCHENTECHNO
Das "Küchentechno"-Tape lag zwei Jahre in unserer WG-Küche neben dem Kassettenrekorder und wurde jedesmal für Aufnahmen eingelegt, wenn sich am Küchentisch etwas musikalisches ergab - kurze Skizzen mit einem Spielzeugkeyboard, Experimente mit dem Casio SK-1 Sampler - und sehr gerne auch Atmo-Aufnahmen der diversen Küchengeräte in Aktion, also im Sinne John Cage bereits vollendete Ambient- und Geräuschstücke.
Auch besonders orginelle Nachrichten vom damals noch überall im Einsatz befindlichen Anrufbeantworter wurden auf der Kassette verewigt - zwei authentische Beispiele finden sich auf dieser Compilation. Das "Küchentechno"-Tape wurde erst viele Jahre später (um die 2010-er Jahre herum) wiederentdeckt und endlich digital ausgewertet. Seitdem habe ich immer auf eine Gelegenheit gewartet, dieses obskuren Aufnahmen einmal zu veröffentlichen - jetzt und hier ist es nun so weit!
Und dies ist nur der Anfang! Weitere Compilation mit Musik von LOOPLAB werden folgen!
Torsten Kauke im Juli 2026

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