Mittwoch, 24. August 2011

Idiotmusic for Idiotpeople


Looplab: "Looped Labour - Selected Offenbach am Main Tracks" (C-60, sht 047/elHu 009, 1997)

Was hat sich der Künstler dabei nur gedacht???
Eine Frage, die einem ja bei so manchem Kreativerguss, den man hören, lesen oder sehen muss sofort in den Sinn kommt... eine Frage ganz anderer Dimension aber, wenn man noch dazu selbst der Künstler ist, dessen Intentionen man nicht so ganz nachvollziehen kann...

Soviel mal als Einleitung zum ersten Kassetten-Album von Looplab, das elektronische Musikprojekt, mit dem ich meine ersten Ausflüge in die rein elektronische Musik unternahm... Das war 1997 und es waren die Tage von Cubase 3 und der Möglichkeit, den bis dato nutzlosen PC endlich für was Sinnvolles zu verwenden - nämlich als Midisequencer für durchgeknallte elektronische Idiotenmusik.

Erst war MIDI und das alles für mich eher eine mittelgrosse böhmische Kleinstadt gewesen, dann gab es den ersten Synthesizer in der WG meines Bruder Raul und mir, mit dem wir bereits seit 1995 verrückten Kram auf dem Vierspurrekorder aufgenommen hatten - nun aber hielt der erste PC (natürlich Windows 95!) bei uns Einzug und tatsächlich gelang es uns nach und nach, alle elektronischen Instrumente, die wir bereits angeschafft hatten, miteinander zu verbinden und gleichzeitig anzusteuern.

Dieser Wissenssprung war hauptsächlich dem technischen Verständniss meines Bruders geschuldet, der sich in dieses Thema hereinsteigerte und sogar herausbekam, wie man die Prä-MIDI-Teile unseres Equippments (- zum Beispiel unseren allerersten Punkschlagzeuger: den Korg-Drumcomputer ddm110, vergl hier) in diesen Kreislauf einbinden konnte (...nämlich mit dem M.A.U.S.I. von Doepfer, anybody remember das M.A.U.S.I. ??)...

Jedenfalls, ab nun wurden unsre Nächte zu Tagen und wir schoben die ganze Nacht kleine Soundklötze auf dem Rechner hin und her. Wir fühlten uns wie in der Zukunft angekommen und hatten sogar hin und wieder das Gefühl, wir würden so etwas wie Techno produzieren. Ha, wie man sich selber täuschen kann.

Denn diese Musik war eher - besonders, was die Looplab-Stücke betrifft - wie eben schon mal beschrieben: einfach bloss elektronische Idiotenmusik.
Auf gar keinen Fall tanzbar, gerne mal ins Atonale rutschend und mit einer seltsamen Vorliebe für die besonders cheesigen General-Midi-Sounds, die unsere AKAI Synthesizer damals so ausspuckten.


Na, ich will mal objektiv bleiben, meinem Bruder gelang das ganz gut mit dem tanzbar und trotzdem komisch klingen, wie sein erstes Tape-Album immer noch eindrucksvoll beweist (sieh und hör hier).

Aber den Tracks, die ich damals produziert habe, kann ich bis auf wenige Ausnahmen heute noch nur ein "mangelhaft" (oder höchstens ein "ausreichend" wegen der mündlichen Beteiligung) erteilen. Das ist kranker unfertiger Scheissdreck, den anzuhören einfach niemandem Spass machen kann!!

Nur drei Stücke entgehen diesem ehrlichen Urteil. Da sind erstmal die beiden Versionen von "Magic Motor", ein schön monoton puckerndes Ambientstück, allerdings mit einem viel zu hektischen, scheinbar amphetaminbefeuerten Beat, der ja fast schon Gabber ist (ohne, dass das Stück wirklich Gabber ist, wie Herr Ritter neulich anmerkte). Und "La Clatche Permanent", das irgendwie echter Breakbeat ist, ohne, dass ich damals gewusst hätte, was Breakbeat eigentlich ist (und irgendwie vage von diesen superhektischen Aphex Twin Tracks beeinflusst ist, die man damals immer hörn musste, um als hip zu gelten oder sich wenigstens so zu fühlen)...

Das Stück, dessen Titel durch geschickte Buchstabenerweiterung sowohl dem kosmischsten aller Free Jazz Orchester wie gleichzeitig auch meiner damaligen Freundin gewidmet war, ist zwar echt scheisse, ich verbinde aber aus den vorher gennanten Gründen doch mehr damit, als das Stück euch je geben kann.


Tut euch also selber einen Gefallen, und ladet euch das Teil bloss nicht runter, damit ihr die magischen Motormelodien nicht hören müsst - manchmal ist nämlich everything better without music. Tut, wie ich euch sage, gehorcht!

Für die jedoch, die sich ihre Meinung immer noch lieber selber bilden, oder auch für die Komplettisten (dies ist ja trotzallem schweinehund-tape nr. 47!) - und nicht zuletzt natürlich für alle Idioten da draussen, die endlich mal wieder SCHÖNE MUSIK hören wollen:

Download: LOOPLAB "Looped Labour": Mediafire


Seite A

A1. Magic Motor (normal)
A2. Brilliant
A3. Original Spast (Minusmix)
A4. Sun Tra
A5. Aerotron
A6. Stahlnetz

Seite B

B1. La Clatche Permanent

B2. Golden Retriever
B3. Deepsnare Seventy-Six
B4. Magic Motor (bleifrei)
B5. Art Simulator


Für wesentlich angenehmere elektronische Sound von mei'm Bruder und mir (später haben wir das ziemlich gut hingekriegt, finde ich) empfehle ich weiterhin die beiden "el.Hund Compilation tapes" (Nummer Eins hier, Nummer Zwei hier) oder gleich die sechsteilige, geschmackvolle CD-Serie "KIXmusik", die man nach wie vor hier finden kann. Weil besser gings auch damals schon immer!.


Don't listen to this unless you are an idiot - for it's real idiot's music! This is the first tape album by my electronic music project "Looplab" and - to be honest - it's scheisse. There are some quiet interesting tracks but most are strange and extremly undanceable midi mutations you wouldn't ever like to hear. be warned. and do as i tell you: do not download. just don't do it. obey! or you will regret it even more than you could imagine now... unless you're an idiot that is. in this case: download this tape here (or here), it sounds sweeter than anything you have ever heard in your whole life. and you can dance to it, too. hey...

Mittwoch, 17. August 2011

Ich liebe doch alle...alle Menschen...ich setzte mich doch dafür ein... (E. Mielke)


ON: Still Waiting (C-20, No Label, 1991)

ON war das Audio-Projekt von Robert Piesenecker, Hanauer Künstler, Szenegrösse und Dokumentator der damaligen Zeit. Aufmerksame unpop-Leser (gibts ja eh nicht!) könnten hier oder hier bereits über den Projektnamen gestolpert sein (und nicht zuletzt stammten auch diese Dokumentaraufnahmen von Robert).

Das ON-Projekt ist - das darf man wohl ungestraft behaupten - hochgradig von den abstrusen Soundcollagen der experimentellen US Band Negativland beeinflussst und überträgt deren künstlerische Verdichtung von Audiozitaten sehr souverän auf deutsche - man muss schreiben "deutsch-deutsche" Verhältnisse.

Denn das "Still Waiting"- Tape entstand zwischen 1990 und 1991 und bietet eine historisch enorm interessante Collage von Radio- und TV- Schnipseln aus den Monaten vor und nach der deutschen Wiedervereinigung.


Die Orginal Stimmen von alten SED-Haudegen wie Honnecker, Krenz, Mielke & Modrow, Nachrichten aus der noch existierenden DDR ("...die Wiedervereinigung steht nicht auf der Tagesordnung..." "..die DDR denkt zur Zeit nicht an einen Abriss der Berliner Mauer") aber auch selbst geführte Interviews werden geschickt miteinander verschachtelt und verzahnt - oder gerne auch mal mit eingespieltem Lachen vom Band oder Zitaten aus Kinderhörspielplatten unterlegt ( - eine Technik, die wir auch von einem anderen geistesverwandten Künstler der damaligen Zeit - Herrjoergritter - kennen, vergleiche mit seinen tapes, hier bzw. hier... Wenn mich nicht alles täuscht, kommt ein 20 Jahre jüngerer Herr Ritter auf dem Track "Andere" sogar persönlich zu Wort!!).

Unterhaltsamer wurde die Wiedervereinigung jedenfalls nie mehr, schon gar nicht in echt.

Viel zu wenig Beachtung wurde damals den interessanten Vierspur-Dub-Stücken, die den ganzen Zitatbrei einrahmen und zusammenhalten, geschenkt. Denn Stücke wie "Sog", "47253" oder "Outro" sind typischer experimenteller-aber-nicht-nerviger Vierspurpop mit Drumcomputer und interessanten Hallexperimenten, von denen man gerne auch noch mehr gehört hätte. "Still Waiting" ist aber, wenn ich richtig informiert bin, das einzige ON-Kassettenalbum geblieben, sonst gab es wohl (wie oben erwähnt) nur einige Beiträge auf verschieden Hanauer Tape Compilations... (Weiterführende Kommentare aus dem Langzeitgedächtniss des Künstlers würden uns alle freuen, wie siehts aus Herr P ??).

French Grenadier of the Imperial Guard 1815

Unbedingt erwähnenswert ist natürlich noch die abgefahrene Verpackung der Limited Edition: die ersten - ich glaube - zehn Exemplare des tapes kamen nämlich in der Schachtel mit einem Orginal AIRFIX 1:12 Modell- Bausatzes eines französichen Gardeoffiziers zu Napoleons Zeiten.



Die Orginal "ON" tape-Verpackung: ein napoleonischer
Gardeoffizier zum Selberkleben!



Inwieweit dies als politisches Statement zur Deutschland-Thematik des Tapes zu verstehen war, entzieht sich meiner Kenntniss - ich meine mich aber zu erinnern, dass Robert die Schachteln als unnütze Ladenhüter in dem Laden, in dem er damals arbeitete, abstauben konnte. Einschlägige Modellbau-Fans wissen zu berichten, dass dieser Modellbausatz bereits 1976 erschien und wohl auch nur kurze Zeit erhältlich war. Eine Modellbausatz-Rarität als Verpackung für eine Kassetten-Rarität, wow, wo gibt's das schon? Wenn man kein Tonträger-Sammel-Nerd wäre und deshalb lieber alles im Orginalzustand belassen würde, hätte man sich die Figur auch zusammenbasteln können (wie der hier z.B. getan hat). Oder bei ebay verhökern ( - da ging der Franzose zuletzt für 10 Dollar über den virtuellen Ladentisch). Aber ein Bastler würde es nicht verstehen: der Grenadier bleibt lieber ungebastelt in der Kassetten-Sammlung.


Download - ON: Still Waiting (inkl. Artwork)
Mediafire



ON was the audio project by Hanau artist Robert Piesenecker and was highly influenced by the work of bands like Negativland. The "Still Waiting" tape is a very dense audio collage about the months before and after the german reunification, containing a lot of radio & TV-news snippets, quotes from DDR-politicians then still in power and weird samples from old german children records - but also selfmade interviews about that german topic. Limited to the first ten tapes it was delivered inside of an original AIRFIX model kit of a French Grenadier of the Imperial Guard 1815. Wonder if the other 9 people have their kit still - i do (though i could have so much fun painting and glueing that soldier like this guy here had. but as a real music collector i never would!).

Freitag, 5. August 2011

Napalmtod in der Tschuff-Tschuff-Uhr ??

HU Punk History Part 12





Kacktusse - "Kacktusse" (sht 014, C-30, 1991)
DE LUXE EDITION inkl: Kacktusse - Live JUZ Langenselbold, 15.2.1991 (bisher unveröffentlicht)

Im Gegensatz zu dem, was bei Punkbands meistens üblich war (und ist) erschien das erste Demotape der Kaktuxxe - damals, als sie sich noch Kacktusse nannten - knapp ein halbes Jahr NACHDEM sie ihre erste 7'' Single veröffentlicht hatten (die ja grade neulich hier ausführlich abgefeiert wurde).


Die Kaktuxxe (noch als "Kacktusse") - Live 1991


Der Hanauer Musiker und Produzent Norbert Weinzierl - eigentlich allen ausschliesslich als Nobby bekannt - bot sich an, uns für kleines Geld ein gut klingendes Demotape mit seinem portablen Achtspurstudio aufzunehmen...

Recorded live im Schloss
Weil diese Aufnahmesession also "daheim" stattfand und entsprechend locker angegangen wurde, gab es hier erstmals den authentischen Kacktussesound zu hören, so, wie wir wirklich klangen...Denn eingespielt wurden die Stücke dieser Kassette ganz gemütlich im herrschaftlichen Proberaum der Band, denn seit kurzem hatten wir doch allen Ernstes ein Turmzimmer im altehrwürdigen Schloss Philipsruhe in Hanau ergattert, in dem wir - ungestört von dem Rest der Welt - rund um die Uhr proben konnten. Fehlende Anwohner ermöglichten nun also auch exzessive Nachtsessions (...bei denen wir nicht nur mit der Musik experimentierten...).



Die Kaktuxxe (noch als "Kacktusse") - Live 1991


Die Songs entstammten zum großen Teil noch der ersten Deutschpunk-Phase der Band, waren aber bereits aufwändiger arrangiert - und es machten sich auch erstmals andere Stilelemente aus Funk, Psychedelic oder gar Ska ("Sailor") in der Musik der Kacktusse bemerkbar...

Der "Untertan" ist bestimmt eins der besten politischen Punkstücke, die wir gemacht haben ("...jede Äusserlichkeit des Staates / ein Werkzeug der Unterdrückung / du sollst dir bewusst werden / du bist nichts/ als ein kleines Häufchen / Mittelmässigkeit") und das Stück ist hiermit zum ersten Mal seit vielen Jahren (if not Jahrzehnten) wieder erhältlich.

"Falsche Zungen", "Napalm Death in the Choo Choo Clock", "Das Instrumental" und "Summertime" wurden ein Jahr später nocheinmal neu eingespielt und landeten dann sogar auf der Kaktuxxe-CD "chicalagazelle" (die hier auf dich wartet, wenn du sie noch nicht kennst). Wir haben es hier also mit - teilweise verblüffend abweichenden - Urversionen klassischer Kaktuxxe-Tracks zu tun!!

Der zehnsekündige Song "Kiwikerne" war eine spassige Albernheit, die direkt während der Aufnahmesession von uns zusammenimprovisiert wurde, dafür wechselten Schlagzeuger und Sänger sogar die Arbeitsplätze und wir hören Flo's Stimme, während Manutchehr am Schlagzeug sitzt...


Bei "Kiwikerne" nicht an den Trommeln: Flo


Im Archiv haben sich auch noch 5 Alternativmixe dieser epischen Melodyrocknummer finden lassen, die mit unterschiedlichen Hallräumen auf der Stimme herumjonglieren. Als zweifelhaft erfreuliche Bonustracks zur Kassette kann man sich diese nun alle hintereinander anhören...


Neben den 8 Stücken, die wir mit Nobby im Proberaum aufgenommen hatten, landeten auch noch zwei weitere Lieder auf dieser Kassette. Ersteinmal "Am Ende Bleiben Tränen", die unglaubliche Kacktusse-Schnulze (wie wir heute wissen: eine quasi Roland Kaiser Coverversion!), die bei den Recording Sessions für die Single übriggeblieben war (und über die hier bereits recht ausführlich gesprochen wurde) - und "My Girl in the GDR", ein damals noch brandaktuelles deutsch-deutsches Liebesdrama ("My Girl in the GDR / she's so near / she's so far/ she's suffering beyond the wall ").
"My Girl in the GDR" stammte aus einem Livemitschnitt eines Kacktusse-Konzerts im Februar 1991 in der hessischen Industriemetropole Langenselbold (- wie es sich gehört im örtlichen JUZ natürlich!).


"Live im JUZ Langenselbold"
Weil die ganze Scheisse nun schon mehr als 20 Jahre her ist, fand ich es sowohl hübsch wie auch passend, zur Jubiläumsfeier nun erstmals den kompletten Livemitschnitt dieses Konzertes zu posten. In einer "De Luxe" -Doppel-CD-Edition des klassischen Kacktusse Demotapes. Auf CD2 also die jungen, wilden Kacktusse während einem ihrer ersten Auftritte.

Ich persönlich lernte an diesem Abend was für's Leben, was ich eigentlich schon früher hätte lernen sollen, aber mir wenigstens seitdem gemerkt habe: es ist superdämlich, direkt vor dem Auftritt neue Gitarrensaiten auf sein Instrument zu ziehen, weil sich das Ding beim Konzert dann ständig verstimmt. Gut also, dass wir hier von Punkrock reden, so kann man das erbärmliche Gejaule, das der tvuzk da auf seinem unkontrolierbaren Holzbrett veranstaltet, noch eher ertragen... In einer Progressive Rock Band wäre ich dafür geköpft worden - vornehmlich während der Show!


Eine von beiden war immer verstimmt:
tvuzk & seine Gitarre.


Neben diesen Eskapaden ins atonal-aleatorische gibt es aber auch gut gespielten Kacktusse-Punk, der eindrucksvoll demonstriert, wie gut die Band damals aufeinander eingespielt war, trotz Scheisssound auf der Bühne. Und hey: mit den beiden Kacktusse-Nummern "Old Men" und "S.P.A." (= schwul, pervers und arbeitslos) gibt es sogar zwei frühe, niemals im Studio aufgenommene Songs zu hören. So wollen wir unsere Raritäten doch serviert haben, oder???

Nach dem Konzert gab es noch eine ausufernde Jam Sesssion, da eine der Bands, mit denen wir damals zusammen auftreten sollten wegen der schlimmen Schneestürme an diesem Abend nicht zum Konzert erschienen war. Während der größte Teil dieser Jam Sesssion fürchterlich langweilig und uninspiriert war (und zwar so dermassen, dass ich ihn mir 20 Jahre lang nicht mehr angehört hatte), kamen zum Ende der Session noch einmal die Kacktusse als Kacktusse auf die Bühne und spielten zwei Stücke ihres Repertoires in wesentlich druckvolleren, ja schöneren Versionen (auch meine Gitarre scheint da endlich die Stimmung so einigermassen halten zu wollen...). Ein versöhnlicher Abschluss für dieses immerhin historisch wertvolle Tondokument!


Kacktusse - "Kacktusse" De Luxe Edition 2011

CD1 - Das Orginal Tape

01. Untertan

02. Ants Are Dead
03. Napalm Death in the Choo Choo Clock
04. Kiwikerne
05. Am Ende bleiben Tränen
06. Summertime
07. Falsche Zungen
08. Das Instrumental (a.k.a. Im Strumental)
09. Sailor
10. (My Girl in the) GDR (live in Langenselbold)
11. Kiwikerne (Alternativ Mix 1)
12. Kiwikerne (Alternativ Mix 2)
13. Kiwikerne (Alternativ Mix 3)
14. Kiwikerne (Alternativ Mix 4)
15. Kiwikerne (Alternativ Mix 5)



CD2 - Kacktusse live JUZ Langenselbold, 15.2.1991

01. Das Instrumental (a.k.a. Im Strumental)
02. Kufte
03. Ants Are Dead
04. Die Art von Frau
05. Nazi Baby
06. Old Men
07. Am Ende bleiben Tränen / S.P.A.
08. Das Jäzzige
09. Falsche Zungen
10. (My Girl in the) GDR
11. Sailor
12. Kill Yr. Wife / S.P.A.
13. Nazi Baby (Jam Session)
14. Am Ende bleiben Tränen (Jam Session)



Download: H I E R


P.S. - Natürlich gibt es mal wieder kein Bildmaterial von diesem Konzertabend, die abgebildeten Fotos zeigen stattdessen die Kacktusse bei einem Konzert in der Hohen Landesschule Hanau, ca. Juni 1991, das unter ähnlich widrigen Umständen stattfand - und Hauptsache, die Leute auf den Fotos sind tatsächlich die Leute, die diese Musik auch gespielt haben ( - und das sind sie! Ich schwörs!).



Er war der 6. Kaktuxx: Rautie, der berühmte Comiczeichner
als Mann für's Visuelle an seinem Diaprojektor...



Im Hintergrund zu sehen: Rautie's Dia-Multimedia-Comicshow
(noch mehr so im Urlaubs-Diashow Style, aber hey...)




The first Demotape by Kaktuxxe (when they were still calling themselves "Kacktusse") was released about a half year AFTER their first 7'' vinyl single. It was recorded in june 1991 with a mobile 8 track studio at their practicing room - which is the reason why it a sounds a lot more like the band really was compared to the single. When it was released 20 years ago, it contained the live track "My Girl From The GDR" from an early concert, now in the 2011 De Luxe Edition you can hear the whole concert on a second CD. What else would you like to know?

Sonntag, 17. Juli 2011

Eine Kollektion schöner Musik schöner Menschen (und solcher die es werden wollen)


v.a. - "Der zweite innere tapesampler"
(C-60, 1991, sht 015)



Und wo wir gerade bei klassischen schweinehundtapes waren, ich denke, das hier ist auch eines: Der zweite innere tapesampler.
Für die, die den Titel bis heute noch nicht verstanden haben: ein Wortspiel auf mein Fanzine "Der innere Schweinehund", eine Art "klingender Schweinehund", das Heft zum Anhören sozusagen...


Der zweite innere tapesampler war das erste schweinehundtape mit integriertem Minibooklet! Weil es mich immer ärgerte, dass die mitgelieferten Booklets von selbstproduzierten tapes dazu verdammt waren, verloren zu gehen, suchte ich nach einer Lösung, alle infos und texte IN die kleine Kassettenhülle hineinzubekommen. Die Lösung war schließlich: ein Mini-Din-A7-Heftchen, das in das Kassettencover eingeklebt wurde.

Für das Cover des zweiten inneren tapesamplers war - wie schon beim ersten inneren tapesampler und beim inneren Sprachsampler - wieder Jörg Ritter zuständig, der nicht nur ein tolles schwarz-weiss-Cover gestaltete sondern - für die auf 50 Stück limitierte Edition mit Farbcover - auch noch vier unterschiedliche Farbcover entwarf (die hier und heute erstmals gemeinsam abgebildet werden!).


Die Musik auf dieser Kassette stammte ca. zur Hälfte aus eigener Produktion und zeigte den Zwischenstand der musikalischen Entwicklung unserer eigenen Bands an, die andere Hälfte bestand aus Bands von Freunden und Bekannten, die ich bei Konzerten persönlich kennengelernt hatte und die sich stilistisch grob alle in die Punk, Alternativrock oder Indierock-Schublade einordnen lassen...

Es finden sich Stücke der Stuttgarter Band mit dem schön sexistischen Namen Violent Pussyriders, die einen US-Indierock á la Dinosaur Jr. spielten (und sich noch vor Veröffentlichung dieses tapes sicherheitshalber in From Outer Space umbennanten um als solche noch eine 7'' und eine CD zu veröffentlichen). Dort spielte der schweinehund-Fan Oli Grimm Schlagzeug, der ansonsten als Sänger und Gitarrist des obskuren Trios Psötik'z Tschernobeef einen beinahe surrealen Poppunk spielte, der besonders durch die schrägen Texte auffiel, die in einem ganz eigenem (und eigenartigem) Kunst-Deutsch verfasst waren ("Koffre und Bank // weil niemals Geld // Darum Koffre krank // Beweist Farbe Gelb").
Mit der Bezeichnung ihres Stiles als "Pseudofundadakultpsychogruftpunkcorerock'n'roll" hat die Band gewiss nicht übertrieben (und machte insgesamt drei oder vier tapes, von denen hier irgendwann auch nochmal die Rede sein wird).


Dann gab es die HC/Hardrock-Band Das Drama, in der Jens Neumann Bass spielte. Neumann, heute beim Ventil-Verlag in Mainz und damals ein aussergewöhnlicher Fanzine-Enthusiast, war es tatsächlich gelungen, das Wahnsinnsprojekt "D.L.R." zu realisieren: ein Zentral-Vertrieb für obskure deutschsprachige Fanzines und ähnlichen, in geringen Stückzahlen erschienene Untergrundheftlis - und am Laufen zu halten! Beim D.L.R.-Vertrieb konnte man in den frühen Neunzigern wirklich beinahe fast jedes verdammte Fanzine, dass es damals gab, bekommen (- und waren sie auch noch so obskur, wie etwa "Der innere Schweinehund" oder das "KIX" Comicmagazin, die es dort natürlich auch zu erwerben gab). Die Musik von Das Drama wurde sehr kontrovers aufgenommen, in sofern, dass jeder in meinem Bekanntenkreis sie hasste - während mich die Musik (trotz gewöhnungsbedürftigem Sänger und schweren Metalriffs) auf eine mir nicht erklärliche Weise gepackt hatte (- so sehr, dass ich ein Jahr später sogar ein tape mit unveröffentlichten Demoaufnahmen von Das Drama auf schweinehundtapes herausbrachte, sht 020: "The Whole Drama").

Tech Ahead stammten aus dem beschaulichen Aindling in Bayern (bei Augsburg) und ich hatte sie bei ihrem Konzert in der Metzgerstraße kennengelernt Das Duo bestand aus einem Gitarrist (Fritz) und einer Bassistin (P) und einem Drumcomputer! Zu unserer Freude also genau das Line Up der frühen Asozialsky und Hatsch, nur eben mit amtlicher und gut produzierter Drummaschine und ausgereifteren Songs, die natürlich allem, was A&H je gemacht hatten, technisch meilenweit voraus war (kann man hier nachhören). Neben diesem Bandprojekt betrieben die zwei auch das Phase 4 Tonstudio, in dem wir als Kaktuxxe ein Jahr später unsere CD "chicallagazelle" aufnehmen sollten...

Die Highlights des 2. inneren tapesamplers (und sicherlich auch ein Grund für die hohen verkaufte Stückzahl von fast 80 Exemplaren!) waren damals aber die beiden Stücke, die unsre Gießner Lieblingspunkband Boxhamsters zur Compilation beigetragen hatte. Die Stücke "Schleichfahrt" und "Aloha from Helgoland" waren zu dem Zeitpunkt, als das tape erschien (also Herbst 1991) noch gänzlich exklussiv und zuvor unveröffentlicht und erblickten auf dieser kleinen Kassette sozusagen zum ersten Mal das Licht der Welt. Gut, keine zwei Monate später erschien dann der LP Sampler "Life is Change Vol.2" auf dem Hamburger BeriBeri-Label (stiehl ihn hier), auf dem die "Schleichfahrt" ebenfalls erschien - aber die Live-im-Proberaum-Nummer "Aloha from Helgoland" war ausschließlich auf dem schweinehundsampler zu finden (naja, wenigstens 5 Jahre lang, bis sie als Bonustrack auf der CD-Veröffentlichung der ersten Boxhamsters-LP auftauchte).

Mit einer kleinen Boxhamsters-Rarität kann das tape aber sogar bis zum heutigen Tag aufwarten, denn in der Gießener Punkband Eugén & Der Effektive Jahreszins um den spaßigen Uwe Roggenbuck spielte der Boxhamstersbassist Phillip auch schon 1987 (als diese Aufnahme entstand) dieses Instrument. Genaueres weiss die Boxhamsters-eigene Gechichtsschreibung zu berichten

Ansonsten finden sich auf dieser Kassette nur Perlen für den echten KIX- und schweinehundtapes-Fan (wer ist das ausser mir eigentlich??), denn die Beiträge der beiden Hausbands Kaktuxxe und Fishkicks sind exklussive, nur hier erschienene Aufnahmen - z.B. die frühe Vierspurversion von "Rot", dem Hit auf der einzigen, gleichnamigen Single der Fishkicks - oder der heute arg obskur anmutetende Versuch der Kaktuxxe, mit funky Arrangements und - ja: Ragamuffin-vocals - eine Art Punkdisco-Hit zu generieren - mindestens 15 Jahre vor der Zeit, seitdem Punk und Disco überhaupt etwas miteinander haben dürfen.

Die Forsakes - die einzige Hanauer Band aus diesen Jahren, die nach einigen Umbesetzungen später richtig bei 'nem Majorlabel unterkam (als Seesaw, höre hier ) präsentierten hier ihre allerersten (von mir produzierten) Demoaufnahmen (- und man hört denen schon auf diesen ganz frühen Aufnahmen ihr gehöriges musikalisches Potential an!). Aber dennoch: mein liebstes Stück hierdrauf war und ist immer noch das Stück vom ollen Kaktuxxe-Gitarrist Pepi, dass er seiner damaligen Freundin Steff gewidmet hatte (und nun für alle Zeiten diesen Titel trägt), eine hübsch melancholische Disconummer, die mich seit jeher mehr an The Cure erinnert als ihm das recht wäre. (Gut, nicht vom Gesang her - der klingt als habe da einer als Kind zuviele Soulplatten vorgespielt bekommen, was meines Wissens den Tatsachen entspricht - aber allemal von Arrangement und Instrumentierung). Warum haste eigentlich nie noch mehr solcher Songs gemacht, Pep?


Download: Der zweite innere tapesampler (inkl. Artwork)


A1. Einleitung (Monthy Phython)
A2. Violent Pussyriders - Here to stay
A3. Das Drama - All our times (live 1991)
A4. Forsakes - K.W. (Demoversion)
A5. Raul - Overcloud Flight
A6. Fishkicks - Rot (Vierspur-Version)
A7. Tech Ahead - Name of god
A8. Psötik'z Tschernobeef - Koffre & Bank
A9. tvuzk - The Most Beautiful Girl In The World
A10. Boxhamsters - Aloha From Helgoland
A11. Michael Müller - I Don't Like Mondays

B1. Kaktuxxe - Love (Vierspur-Version)
B2. Tech Ahead - Weird Planet
B3. Boxhamsters - Schleichfahrt
B4. Violent Pussyriders - World Outside My Window
B5. Fishkicks - Durst (Vierspur-Version)
B6. Das Drama - Feed Me (Live 1991)
B7. Pepi - Steff
B8. Eugén & Der Effektive Jahreszins - Gunther Sachs Rules Okay (Live 1987)
B9. Psötik'z Tschernobeef - Festre
B10. Kaktuxxe - 193 (Vierspur-Version)
B11. Ausleitung (Monthy Phython)



The "zweite innere tapesamler" is another classic tape from schweinehundtapes that sold a lot. It contains 50% rare and nowhere else released stuff by our own Bands like Kaktuxxe oder Fishkicks (and some solo releases by some members of these bands like Pepi, Raul or even myself) and 50% not-so-rare stuff by bands i knew personally then from concerts played together or from mail contacts. The most interesting tracks here might be the constributions by german punk band Boxhamsters (which were exclussive to this compilation by the time of its release) and the early demo recordings by Forsakes, the band that later became Seesaw (- and was the only of the old hanau bands really happened to become a major label act for a while...). Nice and obscure Punk, HC & Indie stuff from the early ninetees.

Mittwoch, 13. Juli 2011

"Ich will nicht glücklich sein, denn Enten heissen Günther"




Raul - "Glücklichmensch"
(C-45, sht 005, 1990)



Ah, ein Klassiker!
Hier kommt das zweite Solo-tape von meinem Bruder Raul - voll mit symphatischen (bis niedlichen) LoFi Punk-Pop-Miniaturen, die auch im einundzwanzigsten Jahr ihrer Existenz nichts von ihrem Charme eingebüsst haben. Dank des tollen Covers (gestaltet natürlich von Rautie - und meiner Meinung nach eines der stärksten/schönsten Plattencover-Ilustrationen, die er je geschaffen hat!) war das tape immer schon ein eyecatcher, dass sich nicht zuletzt deshalb im schweinehund-mailorder immer gut verkaufte.

Aber eben nicht nur deswegen - die kleinen Liedchen hier verströmen einen Lo Fidelity-Charme, dem man alle Spielfehler verzeiht und die durch die lustigen und kuriosen Texte immer wieder gerne zum hinhören einladen. Und oh die Melodien!

Popnummern wie "Men from Star" oder "Rubberball" hätten ins Radio gemusst (ihr wisst schon: in einer besseren, gerechteren Welt), der Titelsong war eine Grunge-Hymne, die noch die nachsten 5 Jahre im Repertoire der Fishkicks verbrachte (...und es schliesslich sogar auf die einzige Vinylsingle der Fishkicks geschafft hat) - na, und "La Gloire" ist für mich ein Punkrock-Klassiker, der klingt, als sei er direkt im besetzten Haus in Schlumpfhausen eingespielt worden.


Wurde er sogar fast! Die Schlagzeugspur entstand nämlich, wie fast alle Schlagzeugtracks auf dieser Kassette, beim Matze Gruber im Hobbykeller. Matze war damals der Gitarrist der eindrucksvoll-seltsamen Wave-Band "Mayflower Madam" (siehe hier) und im Hobbykeller seines Elternhauses in Hanau-Großauheim probte die Band.

An Nachmittagen, an denen Mayflower Madam dort nicht probten, nutzte Raul das Schlagzeug, um mit dem schweinehundeigenen Vierspurrecorder dort zwei, drei 90-er Cassetten voller Schlagzeugspuren aufzunehmen. Während Frau Gruber zu Hause war und das stundenlande laute Getrommel von irgendnem Kumpel ihres Sohnes (soweit ich mich erinnere) wiederspruchslos hinnahm. Auch das ist irgendwie Rock'n' Roll. Passiver, wenn man so will!

Schlagzeugspielen konnte mein Bruder zwar tausendmal besser als ich (denn ich bin Schlagzeug-Legastheniker), aber natürlich auch nicht so richtig, so dass es hin und wieder etwas holprig wurde. Aber natürlich egal!

Daheim im eigenen Elternhobbykeller, in dem ausser einem Schlagzeug alle wichtigen Instrumente am start waren, bastelte er dann aus jedem der aufgenommenen Schlagzeugtakes einen kleinen Song. Die schönsten davon fanden dann ihren Platz auf diesem tape (es sollte aber noch eine tonne mehr von diesen songs geben, von denen es vielleicht bald mal welche zu hören gibt, wenn ich das nächste Großprojekt - das Archiv Raul zu digitalisieren - in Angriff nehme.).

Der Titelsong ist allerdings schlagzeugmässig eine ganz andere Geschichte, denn hier sitzt offenbar jemand an der Schiessbude, der sich damit richtig auskennt. Bei "Glücklichmensch" trommelt nämlich niemand anderes als Matze Schmidt, der ein Wochenende lang zu (nie veröffentlichten) Private-Urknall-Aufnahmen aus Kassel vorbeigeschaute und hier von Raul als versierter Sessiondrummer genutzt wurde.

Besonders gerne erinnere ich mich auch an den ganz persönlichen, familiären Song "Ablage", in dem sich Raul bitter darüber beklagt, dass unsere Mutter in ihrer Küche immer allerhand Sachen auf die große Gefriertruhe ablegte und man deswegen die Tiefkühlpizzen, von denen wir uns regelmässig um 2 uhr nachts ernährten, erst nach umständlichen Abräumaktionen herausholen und innerhalb weniger Minuten in der Mikrowelle verzehrfertig machen konnte. Vorher kamen aber noch 3-4 Scheiben Käse obendrauf, damit die Pizza auch wirklich schön schleimig war. "Ramonespizza" nannten wir das - nachdem wir die Ramones im Rock'n'Roll High School Film genau solche hatten essen gesehen.

Der Titelheld aus dem Song "Johnny Ritchek" ist übrigens - im Gegensatz zu dem, was uns der Song suggerieren will - alles andere als tot, sondern ein immer wiederkehrender Charakter im schriftstellerischen und filmischen Werk meines Bruders (wer's nicht glaubt, clickt hier!)...

Der Song "Währungsunion" ist inzwischen sogar zu einem Stück deutscher Zeitgeschichte geworden, er entstand irgendwann im Frühjahr 1990, als das Thema deutsch-deutsche Währungsunion groß in den Medien diskutiert wurde und wartet sogar mit Weisheiten auf wie "Der längste Schwanz auf Erden gehört immer noch den Pferden". Na, und ist es so etwa nicht?? Raul singt diese Nummer mit mir im Duett und Mayflower Madam's Matze spielt ein unvergessliches Gast-Gitarrensolo.

Dann gibt's da noch ein paar ganz schnelle, ganz geile deutsche Punkrocksongs, die ich heute als Hommage an die erste Boxhamsters LP ("Der Kommisar" und "Wie ich, wie Würmer, wie Propheten") bzw. an die erste Angeschissen-LP ("Stubenkater") verstehe. Beides Platten, die wir damals ständig und immer hörten...

Nicht vergessen darf ich Jobst, Brunsdorf und Letagius - die sagenumwobene Gesangsgruppe "Die Backpflaumenmänner", die so klangen, als hätte Raul seine eigene Stimme schneller gepitcht und mehrmals aufgenommen. Tja, möchte man meinen...- aber: sind in Wiklichkeit die Backpflaumenmänner!

Interressant finde ich den Hinweis im Textblatt auf den 7-Minuten Remix von "La Gloire", der auf einer Compilation mit unveröffentlichten Raul-B-Seiten erscheinen sollte. Was er nie tat. Weil er wahrscheinlich auch garnicht existiert, oder ? (- na, kommen da Kommentare, Raul??).


Download "Glücklichmensch" (natürlich inkl. Artwork)





The Lost First Tape


Die Werbeanzeige aus "Der Innere Schweinehund" (April 1990) weisst auf ein Mysterium hin, dass die Männer vom Archiv gerad mächtig beschäftigt: vor "Glücklichmensch" ist bereits ein erstes Raul-tape mit dem naheliegenden Titel "Sehen Sie nun einen Film über einen Mann mit einem Tonbandgerät in der Nase" (oder so ähnlich, ihr versteht schon, eine Monthy Python Hommage) erschienen, von dem wir nix mehr wissen. Weder, welche Stücke da drauf waren, noch, wie das Cover aussah... Spurlos verschwunden! Vielleicht taucht es ja auf, wenn ich endlich Rauls alte tapes in die digitale Zeit rübergeholt habe.
Spannend! (für mich, euch dürfte das eigentlich schwer egal sein...).



Recorded dircetly in a squat in the smurfs' hometown we present you: Raul's "Gluecklichmensch". A collection of very charming lofi punk and pop songs recorded almost completely by Raul alone (with a little Help by two Matzes, the famous vocal group "Die Backpflaumenmaenner" and his stupid big brother). Was a smash hit in our little tape mailorder in 1990 which certainly has something to do with the brilliant cover, created by the one and only Rautie...

Mittwoch, 6. Juli 2011

Der Sound echter einstürzender Neubauten



"Abriss" (C-15, KomistA, 1987)


Kultur und Veränderung
- nach diesem Prinzip arbeitet das Label/ der Verlag/ das Kulturprojekt KomistA bis zum heutigen Tage. In den späten Achtzigern waren die Gebrüder Sterneck, die hinter diesem Projekt standen und stehen, so etwas wie das gute (bzw. schlechte) politische Gewissen in der Hanauer Alternativ/Punkszene und massgebende Antriebskräfte bei der Besetzung des "Haus" in der Metzgerstrasse - das autonome Kulturzentrum, das seit
nunmehr 25 Jahre besetzt ist und scheinbar auch bleibt. Zahllose Konzerte unkommerzieller internationaler Bands, die so manches Leben im Publikum nachhaltig veränderten, wurden von KomistA organisiert und vorallem auch dokumentiert. Denn zwischen 1986 und 1992 veröffentlichte KomistA eine ganze Reihe unkonventioneller tapes, teilweise mit Livemitschnitten aus der Metzgerstrasse (etwa Alice Donut, Soulside, Spermbirds oder Culture Shock), teilweise mit (damals, in den grauen prä-Internet-Zeiten) nur schwer erhältlichen Aufnahmen wie etwa Kurt Schwitters Anna Blume oder interessante Compilations wie z.B. diese hier.

Besser und ausführlicher, als ich das überhaupt könnte, kann man die Geschichte von KomistA-tapes bei den Erzeugern selbst nachlesen:
"Die Veröffentlichung der KomistA-Tapes fiel in die Zeit von 1986 bis 1992. Kassetten von politischen Musikgruppen unterschiedlicher Stilrichtungen standen dabei neben skurrilen Geräuschaufnahmen und einigen Dokumentationen"


Abriss

Zu den "skurrilen Geräuschaufnahmen" muss man wohl besonders das heute vorgestellte tape "Abriss" zählen: ABRISS : Aufnahmen eines Einkaufs in einem Supermarkt und des Abrisses eines Gebäudes. Handgemachtes Cover von Robert Piesenecker aus Schmirgelpapier.

Bisher auch für mich nur Mythos, fand ich dieses tape doch letztens - auf der Suche nach verschollenen schweinehundtapes - in einer alten Cassettenkiste von Rautie!
Leider ist das Audiomaterial aber eigentlich ziemlicher Scheissdreck.
Na gut, field recordings, eine schlechte, verrauschte Kassettenrecorder-Aufnahme eines Haus-Abriss über anderthalb Seiten und eine halbe Seite mit dem Kassettenrecorder im Einkaufswagen durch einen Supermarkt....

Nichtsdestotrotz ist dieses tape auch ein wunderbares Beispiel dafür, daß damals in der goldenen Kassetten-Zeit kein Projekt zu unkommerziell oder unkonventionell war, um wenigstens auf einem rührigen Label wie KomistA eine Veröffentlichung zu erfahren.
Und das schöne Schleifpapiercover von Robert Piesenecker macht es bis heute zu einem Undergroundschmuckstück besonderer Güteklasse. Musste ja nicht hören - sieht aber geil im Regal aus!

Das war sicherlich nicht die primäre Intention für die Veröffentlichung dieser Kassette (das waren sicher Konsumkritik und die reizvolle Gelegenheit, den Sound echter einstürzender Neubauten auf Magnetband bannen zu können), sollte aber 24 Jahre später auch nicht als Nebensache vernachlässigt werden.



"Fremde Stimmen, schreiend"

Das erste KomistA-tape, das ich selbst je zu hören bekam, hieß "Fremde Stimmen, schreiend" und enthielt Aufnahmen früher Hanauer Punkbands (remember "Die Ärsche"?) und etliche befremdliche Soundcollagen.
KomistA schreibt darüber: "Erste "offizielle" KomistA-Veröffentlichung von 1986. Ein Mix von eingängigen Anti-Pop-Stücken über poetische Geräuschaufnahmen und Absurde Musik bis zum gefühlsechten Hardore-Punk. Mit Bakunin, Die Vergessenen, Mathe ohne Müller, Pogozei, Schulcore, Seelische Zwangsjacke, Tibo Leone, Wäscht noch Weißer (Porentief), Zwei Gestrige,...".

Hat mich mit dieser "Alles ist möglich"-Haltung wahrscheinlich mehr beeinflusst als mir damals klar war und zählt gewiss zu den Faktoren, die mich wenige Jahre später selbst anfing ließen, tapes zu veröffentlichen... Leider finde ich dieses Compilation aber im Moment nicht im (wohl doch nicht an allen Stellen wohlsortiertem) Archiv. Auch deshalb stellvertretend das "Abriss"-tape für all die guten Inputs, die ich (wir/ihr) damals von KomistA bekamen. Kultur und Veränderung halt - und da hat sich seitdem einiges getan!



Download "Abriss"


A short tape from the legendary KomistA tapelabel from Hanau/Maintal, that released some very interesting tapes in the late 8oies and early 9oies - for example live tapes of HC Bands
that played in the squatted ’autonomous culture-center’ in Hanau Metzgerstrasse (like Alice Donut, Soulside, Spermbirds or Culture Shock), historical recordings like Kurt Schwitters' "Anna Blume" or strange audio documents like this one: the sound of the demolition of an old building (a real einstuerzender Neubau, so to speak). In the days of portable digital recorders the quality of this recording must be considered as really, really bad - but that tape is also a nice example for a typical unconventional and non-commercial audio release in the golden age of tonbandkassette. Would rather like to post the highly influencial first KomistA tape-compilation "Fremde Stimmen schreiend" though but haven't got it anymore (or can not find it)...

Freitag, 24. Juni 2011

An den Reglern: der Baron!

Bei seinen momentanen Tauchgängen durch die tiefste Magnettonbandvergangenheit läuft der Autor dieses blogs Gefahr, die Gegenwart aus den Augen zu verlieren...Denn wie sonst könnte es sein, dass ich hier bisher noch kein Sterbenswörtchen über die zwei grandiosen neuen Remixe des alten Superstolk Gassenhauers "Lo Fi Diskothek" verloren habe, die unlängst vom Offenbacher Alles-Kö/enner-DJ BARON SAMEDI angefertigt wurden?



Hat die LoFi Disko renoviert: Baron Samedi


Extrem geschmackvolle Interpretationen, die sowohl durch ihre ausgezeichnete Kenntniss zur Ästhetikfrage "Achtziger Jahre Synth Pop" als auch durch eine ausgezeichnete Club-Kompatiblität bestechen, beeindrucken, begeistern, gefangen nehmen (oh ja!)...



Superstolk - Lo-Fi-Diskothek (Baron Samedi Elastic Mix) by baronsamedi



Superstolk - Lo-Fi-Diskothek (Baron Samedi Acidfrühstück-Mix) by baronsamedi



Die Popgruppe Superstolk ist jedenfalls mächtig stolz auf diese beiden Mixe - und auf die Ahnengalerie von Popgruppensänger, in die sie damit charmanterweise eingereiht wird (vergl Baron Samedi's weitere Remixe wie den hier oder gar den).


Der Plan ist eine überarbeitete Neuauflage der legendären LoFi Diskothek Remix-CD, die nur den ersten 50 Stück der legendären 7'' Single beilagen (kann man hier nachlesen). Um die Vorstellungskraft etwas anzuregen, hier nochmal das Cover dieser lange schon vergessenen CD.



Remixed LoFiDiskothek. No more available.


Enjoy these tasteful two new Remixes of that good ole Superstolk tune "LoFiDiskothek" created by Baron Samedi. The Popgroup Superstolk is very proud to stand i a row of remixes for bands like these or this guy... Oh yes, and watch out for a new edition of that long deleted "Remixed LoFi Diskothek" CD that was only available with the first 50 7'' singles (way back in 2007...).